Mehrwertsteuer, Koalition

Mehrwertsteuer: Koalition prüft Erhöhung auf 21 Prozent

01.04.2026 - 22:49:38 | boerse-global.de

Die Bundesregierung prüft eine Anhebung der Mehrwertsteuer, um Haushaltslücken zu schließen. Wirtschaftsverbände und Teile der Koalition lehnen die Pläne als sozial ungerecht und konjunkturschädlich ab.

Mehrwertsteuer: Koalition prüft Erhöhung auf 21 Prozent - Foto: über boerse-global.de

Die Bundesregierung erwägt offenbar eine Anhebung der Mehrwertsteuer von 19 auf 21 Prozent. Das Vorhaben stößt auf massiven Widerstand von Wirtschaft, Sozialverbänden und Teilen der eigenen Koalition.

Hintergrund sind massive Haushaltslücken, die in den kommenden Jahren geschlossen werden müssen. Laut Marcel Fratzscher, Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), klafft von 2027 bis 2029 eine Finanzierungslücke von über 130 Milliarden Euro. Eine Erhöhung der Mehrwertsteuer um zwei Prozentpunkte könnte der Staatskasse jährlich rund 30 Milliarden Euro einbringen. Doch der Preis wäre hoch: Kritiker warnen vor einer sozialen Schieflage und einer weiteren Dämpfung des ohnehin schwachen Konsums.

Anzeige

Während die Politik über eine Erhöhung der Mehrwertsteuer diskutiert, sollten Unternehmer ihre bestehenden Steuerpflichten genau prüfen, um keine unnötigen Kosten zu verursachen. Dieser kostenlose Ratgeber beantwortet alle wichtigen Fragen zur Umsatzsteuer und hilft Ihnen, teure Nachzahlungen zu vermeiden. Umsatzsteuer-Ratgeber jetzt kostenlos herunterladen

Wirtschaft und Verbände schlagen Alarm

Die Reaktionen aus der Wirtschaft sind scharf. „Ein vollkommen falsches Signal“, urteilt Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE). Der Konsum verharre bereits in einer „Schockstarre“. Allein die Debatte über eine Steuererhöhung könne die angeschlagene Kauflaune weiter abwürgen.

Auch Sozialverbände positionieren sich klar. Der Deutsche Familienverband warnt eindringlich vor den Folgen für Haushalte mit geringem Einkommen. Diese geben einen überproportional großen Teil ihres Geldes für den täglichen Konsum aus. Eine höhere Mehrwertsteuer würde sie daher besonders hart treffen. Ein Widerspruch? Erst im Januar 2026 trat eine dauerhafte Senkung der Mehrwertsteuer für Gastronomie von 19 auf 7 Prozent in Kraft – eine Maßnahme zur Entlastung der Branche und der Verbraucher.

Politischer Sprengstoff in der Koalition

Innerhalb der schwarz-roten Regierung ist das Thema hoch umstritten und droht, zum Zerreißpunkt zu werden. Während Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) eine Erhöhung in einer Regierungsbefragung nicht explizit ausschloss, formiert sich in den eigenen Reihen Widerstand.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) lehnt eine Anhebung kategorisch ab und bezeichnet sie als „Gift für die Wirtschaft, für den Konsum und vor allem eine weitere Belastung der Bürgerinnen und Bürger“. Auch die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Wiebke Esdar äußert massive Bedenken. Sie fürchtet, dass die falschen Bevölkerungsgruppen belastet würden.

Gleichzeitig fordern mehrere Bundesländer ein umfassendes Entlastungspaket – inklusive einer Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel. Ein direkter Gegensatz zu den internen Überlegungen in Berlin.

Anzeige

Neben der Mehrwertsteuer bietet das deutsche Steuerrecht für Selbstständige und Betriebe diverse legale Möglichkeiten zur Entlastung, wie etwa den Investitionsabzugsbetrag. Erfahren Sie in diesem Gratis-Report, wie Sie Ihre Steuerlast sofort senken und finanzielle Mittel für Ihr Unternehmen freisetzen können. Kostenlosen Experten-Report zum IAB sichern

Die Suche nach Alternativen

Ökonomen argumentieren teilweise, eine Verschiebung der Steuerlast von der Arbeit auf den Konsum könne Investitionen und Beschäftigung ankurbeln. In Deutschland seien die Abgaben auf Arbeitseinkommen im internationalen Vergleich hoch, die auf Konsum hingegen relativ niedrig.

Kritiker wie Marcel Fratzscher halten dagegen: Eine Mehrwertsteuererhöhung sei „sozial fatal“ und stelle keine echte Entlastung dar, sondern verschiebe die Belastung nur. Er schlägt stattdessen andere Wege vor: die Abschaffung klimaschädlicher Subventionen, eine Reform der Minijobs oder die Abschaffung des Ehegattensplittings. Diese Maßnahmen könnten dem Staat ebenfalls erhebliche Einnahmen bescheren.

Die Arbeit an der Haushaltskonsolidierung geht weiter. Die Koalition steht vor der Quadratur des Kreises: Sie muss den Haushalt konsolidieren, ohne Bürger und Unternehmen zusätzlich zu belasten. Welchen Weg die Regierung am Ende einschlagen wird, bleibt offen. Die Öffentlichkeit verfolgt die Entwicklung mit großer Sorge.

So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!

<b>So schätzen die Börsenprofis  Aktien ein!</b>
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Anlage-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr. Jetzt abonnieren.
Für. Immer. Kostenlos.
boerse | 69051171 |