Lieferkettengesetz: Studie deckt massive Lücken in Kaffee-Branche auf
09.03.2026 - 07:41:11 | boerse-global.deDas deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) steht unter Druck. Eine neue Studie zeigt gravierende Versäumnisse der Wirtschaft, während gleichzeitig europäische Regelungen gelockert werden.
Die Deutsche Umwelthilfe veröffentlichte am 5. März 2026 eine Untersuchung mit alarmierenden Ergebnissen. Demnach ist ein Großteil des in Deutschland konsumierten Kaffees weiterhin mit schweren Menschenrechtsverletzungen und Umweltzerstörung verbunden. Die Organisation prüfte 21 Unternehmen aus Handel, Gastronomie und Verarbeitung.
Die neuen EU-Sorgfaltspflichten stellen Unternehmen vor komplexe Herausforderungen bei der Risikoanalyse ihrer Lieferketten. Dieser kostenlose Leitfaden mit praktischer Checkliste hilft Ihnen dabei, die gesetzlichen Anforderungen effizient zu prüfen und Sanktionen sicher zu vermeiden. Kostenlosen Download mit Checkliste zur Risikobewertung sichern
Kaffee-Studie zeigt extremes Branchengefälle
Die Analyse offenbart ein klares Bild: Während Unternehmen wie Alnatura, Tchibo und Seeberger für Transparenz und Risikominimierung gelobt werden, fallen andere massiv durch. J.J. Darboven, Bela und Dallmayr zeigen die größten Defizite. Hauptkritikpunkte sind unzureichende Rückverfolgung der Anbaugebiete und mangelnde Kontrolle gefährlicher Pestizide.
„Die positive Dynamik verantwortungsvoller Unternehmen ist bedroht“, warnt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe. Die Umweltschützer fordern die Bundesregierung auf, am ambitionierten deutschen Standard festzuhalten.
EU lockert Regeln – Deutschland in der Zwickmühle
Die Debatte wird durch jüngste EU-Beschlüsse verschärft. Ende Februar 2026 verabschiedete der Rat der Europäischen Union das Omnibus-I-Paket. Es schwächt die geplante EU-Lieferkettenrichtlinie (CSDDD) erheblich ab.
Die neuen EU-Regeln gelten nur noch für Unternehmen mit über 5.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 1,5 Milliarden Euro. Das deutsche LkSG greift dagegen bereits bei 1.000 Beschäftigten. Zudem sinken die möglichen Bußgelder von fünf auf drei Prozent des Umsatzes. Klimapläne werden aus der Richtlinie gestrichen.
Bis Juli 2028 müssen Mitgliedstaaten die Richtlinie umsetzen. Für deutsche Unternehmen bedeutet das eine lange Übergangsphase mit widersprüchlichen Vorgaben.
Deutschland reagiert mit Übergangslösungen
Die Bundesregierung hat bereits erste Anpassungen vorgenommen. Die jährliche Berichtspflicht nach Paragraph 10 LkSG wurde rückwirkend abgeschafft. Unternehmen müssen ihre Sorgfaltspflicht-Berichte nicht mehr beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) einreichen.
Doch Vorsicht: Die eigentlichen Sorgfaltspflichten bleiben vollständig bestehen. Unternehmen müssen weiterhin Risikosysteme etablieren, Analysen durchführen und Abhilfemaßnahmen ergreifen. BAFA kontrolliert nun verstärkt risikobasiert und bei Verdacht auf schwere Verstöße.
Viele Betriebe unterschätzen den Aufwand, den die ständigen Anpassungen der EU-Vorgaben für die Dokumentation und Kennzeichnung in der Lieferkette bedeuten. Erfahren Sie in diesem Experten-Guide, wie Sie die aktuellen Compliance-Änderungen rechtskonform in Ihrem Unternehmen umsetzen. Experten-Guide zur rechtssicheren Umsetzung jetzt kostenlos herunterladen
Was bedeutet das für die Wirtschaft?
Die Lage ist paradox: Während die Bürokratie reduziert wird, bleibt die rechtliche Verantwortung komplett erhalten. Die Studie der Deutschen Umwelthilfe beweist, dass zivilgesellschaftliche Organisationen genau hinschauen. Reputationsrisiken bleiben hoch.
Experten raten Unternehmen dringend, ihre Due-Diligence-Strukturen nicht abzubauen. Die risikobasierten Prinzipien des LkSG und der kommenden EU-Richtlinie erfordern kontinuierliches engagement. Lieferketten müssen transparent und rückverfolgbar bleiben.
Bis 2028 wird Deutschland das LkSG durch ein neues Gesetz zur Umsetzung der EU-Richtlinie ersetzen. Bis dahin müssen Unternehmen einen Spagat meistern: administrative Erleichterungen nutzen, gleichzeitig aber glaubwürdige Lieferketten-Systeme aufbauen. Die Erwartungen von Verbrauchern, NGOs und künftigen europäischen Vorgaben lassen keinen anderen Weg zu.
Hol dir jetzt den Wissensvorsprung der Aktien-Profis.
Seit 2005 liefert der Börsenbrief trading-notes verlässliche Aktien-Empfehlungen – dreimal pro Woche, direkt ins Postfach. 100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Trage einfach deine E-Mail Adresse ein und verpasse ab heute keine Top-Chance mehr.
Jetzt abonnieren.

