Leistung vs. Gesundheit: Der große Konflikt 2026
29.01.2026 - 09:33:12Die deutsche Arbeitswelt steckt in einem fundamentalen Konflikt. Während die Wirtschaft eine Rückkehr zur Leistungsgesellschaft fordert, erreichen krankheitsbedingte Fehlzeiten neue Rekorde. Dieser Widerspruch prägt das Jahr 2026.
Wirtschaft fordert: „Mehr Ambition“
Der Ton wird schärfer. Nach Jahren der Debatten um Homeoffice und Vier-Tage-Woche fordern Wirtschaftsverbände und Konzernlenker eine Rückbesinnung auf klassische Arbeitstugenden. Arbeitgeberpräsident Rainer Dulger mahnte bereits Ende 2025, Deutschland benötige „mehr Ambition“. Experten beobachten eine klare Abkehr von der reinen Wohlfühlkultur.
Der Grund ist offensichtlich: Die stagnierende Produktivität und der massive Fachkräftemangel zwingen Unternehmen, ihre Ressourcen effizienter zu nutzen. Der Begriff Leistung wird enttabuisiert und neu eingefordert – als vermeintliche Notwendigkeit zur Sicherung des Wohlstands.
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Das andere Extrem: Rekord-Krankenstand
Doch parallel zeichnet sich ein alarmierendes Bild ab. Trotz flexiblerer Arbeitsmodelle verharrt der Krankenstand auf Rekordniveau. Berichte großer Krankenkassen wie der Techniker Krankenkasse (TK) und der DAK-Gesundheit belegen einen deutlichen Anstieg psychischer Erkrankungen.
TK-Chef Dr. Jens Baas warnte bereits vor der falschen Debatte über „Blaumacher“. Vielmehr seien es langwierige psychische Leiden, die die Statistik treiben. Die Kehrseite der Flexibilität zeigt sich: Die ständige Erreichbarkeit und die Verdichtung der Arbeit im Homeoffice fordern ihren Tribut.
Kulturkampf ums Büro
Ein zentraler Schauplatz ist das Büro selbst. Der Trend zur Rückkehr ins Büro („Return to Office“) verfestigt sich. Unternehmen wie Amazon oder SAP legten mit strengeren Anwesenheitsregeln vor, der Mittelstand zieht nach.
Führungskräfte sehen physische Präsenz als essenziell für Innovation. Für viele Arbeitnehmer ist die Ortsflexibilität jedoch längst kein Bonus mehr, sondern ein Muss. Laut Umfragen rangierte die Work-Life-Balance 2025 in der Wichtigkeit vor dem Gehalt. Rigide Büropflichten könnten die „Stille Kündigung“ daher eher befeuern als bekämpfen.
Generation Gemeinsam statt Generationenkonflikt
Die Debatte wird oft als Kampf zwischen „Boomern“ und „Generation Z“ inszeniert. Doch dieses Bild ist zu einfach. Jugendforscher Simon Schnetzer spricht von einer „Generation Gemeinsam“. Die Werte lägen gar nicht so weit auseinander.
Auch die Jüngeren wollen Leistung erbringen – aber unter anderen Vorzeichen: Sinn, Transparenz und mentale Gesundheit stehen im Fokus. Sie sind bereit, hart zu arbeiten, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Der demografische Wandel verschärft diese Lage: Bis 2036 verlassen Millionen Babyboomer den Arbeitsmarkt. Die Machtverhältnisse verschieben sich zugunsten der Arbeitnehmer.
Wer findet den neuen Gesellschaftsvertrag?
Die Diskussion markiert einen Wendepunkt. Es geht nicht mehr nur um Homeoffice, sondern um eine Neuverhandlung des gesamten Arbeitsvertrags. Die „Life-Balance“‑Kritik der Arbeitgeber ist angesichts des Wettbewerbsdrucks verständlich.
Doch die Antwort der Arbeitnehmer zeigt: Leistung muss neu definiert werden. Weg von der reinen Anwesenheitszeit, hin zu nachhaltig erbrachten Ergebnissen. Wer Leistung nur mit Mehrarbeit gleichsetzt, ignoriert die Daten zu Burnout und Produktivitätsverlusten.
Die Gewinner werden jene Unternehmen sein, die den Spagat schaffen: Eine Hochleistungskultur zu etablieren, die Wohlbefinden nicht als Gegensatz, sondern als Treibkraft begreift. Die Ära des „Kuschelkurses“ mag vorbei sein. Eine Rückkehr zum „Burnout-Kapitalismus“ wird sich der Arbeitsmarkt 2026 jedoch nicht leisten können.
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