Kündigungsschutz 2026: Neue Regeln erhöhen Druck auf Arbeitgeber
23.02.2026 - 05:22:12 | boerse-global.deDie deutschen Kündigungsregeln werden 2026 deutlich strenger. Grund ist die Umsetzung der EU-Entgelttransparenzrichtlinie, die die Beweislast bei Kündigungen umkehrt. Parallel entfacht ein Ökonom eine Grundsatzdebatte über Privilegien im öffentlichen Dienst.
Berlin, 23. Februar 2026 – Eine doppelte Herausforderung für deutsche Arbeitgeber: Während neue EU-Regeln den Kündigungsschutz faktisch verschärfen, stellt ein führender Wirtschaftswissenschaftler das System grundsätzlich infrage. Moritz Schularick, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, forderte diese Woche, den besonderen Kündigungsschutz für Beamte und Angestellte im öffentlichen Dienst zu überdenken. Sein Vorstoß trifft auf ein Arbeitsrecht im Umbruch.
EU-Transparenzregeln verändern Spielregeln
Die eigentliche Revolution kommt jedoch aus Brüssel. Bis Juni 2026 muss Deutschland die EU-Entgelttransparenzrichtlinie umsetzen. Die Folge: Arbeitnehmer erhalten deutlich erweiterte Auskunftsrechte über Gehälter im Unternehmen. Wer wissen will, wie das eigene Einkommen im Vergleich zu Kollegen dasteht, kann dies künftig leichter erfragen.
Diese Transparenz hat massive Auswirkungen auf Kündigungen. Kündigt ein Arbeitgeber kurz nach einer solchen Gehaltsanfrage oder einer Beschwerde über Ungleichbehandlung, gerät er sofort unter Verdacht. Die Beweislast kehrt sich um. „Der Arbeitgeber muss dann nachweisen, dass die Kündigung in keinem Zusammenhang mit der Anfrage steht“, erklärt eine Arbeitsrechtsexpertin. Pauschale Begründungen wie „betriebliche Gründe“ reichen vor Gericht nicht mehr aus.
Was gilt künftig als „sozialwidrig“?
Das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) schützt Arbeitnehmer in Betrieben mit mehr als zehn Mitarbeitern vor ungerechtfertigten Entlassungen. Eine Kündigung muss stets sachlich begründet sein – durch personen- oder verhaltensbedingte Gründe oder durch zwingende betriebliche Erfordernisse.
Die neuen Transparenzregeln verschärfen diese Prüfung. Arbeitsgerichte werden künftig eine lückenlose, widerspruchsfreie Dokumentation erwarten. Diese Entwicklung wird durch aktuelle Urteile des Bundesarbeitsgerichts gestützt, die die Hürden für Diskriminierungsklagen bereits gesenkt haben. Schon der Verdacht einer unzulässigen Maßregelung kann für Unternehmen teuer werden.
Debatte um Sonderrechte und Spitzenverdiener
Parallel zu den gesetzlichen Änderungen sorgt Ökonom Schularick für politischen Zündstoff. Er stellt die „Vorzugsbehandlung“ des öffentlichen Dienstes mit seinem faktischen Kündigungsschutz infrage. Sein Ziel: mehr Flexibilität am Arbeitsmarkt.
Seine Kritik geht weiter. Schularick regt an, den Kündigungsschutz auch für Gutverdiener mit einem Jahresgehalt von über 100.000 Euro auszusetzen. Bei diesem Einkommensniveau sei ein „paternalistischer Schutzgedanke“ nicht mehr angebracht. Diese Thesen stoßen in Gewerkschaftskreisen auf scharfe Kritik, finden aber bei Wirtschaftsverbänden Gehör.
Was bedeutet das für Unternehmen?
Für Personalabteilungen und Geschäftsführungen wird 2026 zum Jahr der Anpassung. Die wichtigsten Maßnahmen:
- Proaktive Lohngerechtigkeit: Transparente, nachvollziehbare Vergütungsstrukturen schaffen, um Beschwerden von vornherein zu vermeiden.
- Lückenlose Dokumentation: Jede Kündigungsentscheidung, insbesondere bei betriebsbedingten Gründen, muss minutiös begründet und belegt werden.
- Sensibilisierung der Führungskräfte: Manager müssen für die neuen Risiken im Zusammenhang mit Gehaltsanfragen geschult werden.
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Die Chancen für Arbeitnehmer, sich gegen eine Kündigung zu wehren oder höhere Abfindungen durchzusetzen, steigen. Die Diskussion über eine grundlegende Reform des Kündigungsschutzes ist damit neu entfacht – und dürfte die Arbeitswelt noch lange beschäftigen.
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