Cloud, Umbruch

KI und Cloud treiben Umbruch in der Cybersicherheit

22.02.2026 - 22:00:12 | boerse-global.de

Der globale Mangel an IT-Sicherheitsexperten erreicht 4,8 Millionen Stellen. Neue Spezialrollen für KI- und Cloud-Sicherheit entstehen, während klassische Jobs sich weiterentwickeln.

Die Cybersicherheitsbranche erlebt einen tiefgreifenden Wandel. Angetrieben durch künstliche Intelligenz und komplexe Cloud-Umgebungen entstehen völlig neue Jobprofile – und verschärfen den globalen Fachkräftemangel dramatisch. Unternehmen suchen nicht mehr nur Analysten, sondern verzweifelt nach KI-Sicherheitsarchitekten und Cloud-Experten.

Globale Lücke von 4,8 Millionen Fachkräften

Das Kernproblem ist ein riesiger Personalmangel: Weltweit bleiben laut aktuellen Analysen vom Februar 2026 rund 4,8 Millionen Stellen in der Cybersicherheit unbesetzt. Diese Lücke zwingt die Branche, das Berufsbild neu zu definieren. Laut dem „Cybersecurity Readiness Report 2026“ zählen heute vor allem praktische Fähigkeiten: 83 Prozent aller Stellen erfordern nachweisbare Hands-on-Erfahrung. Selbst für Einsteigerpositionen wird zunehmend Praxiswissen vorausgesetzt – eine hohe Hürde für Nachwuchskräfte.

Neue Front: KI-Sicherheit als eigenes Feld

Die rasante Integration von KI in Geschäftsprozesse ist ein zweischneidiges Schwert. Sie bietet mächtige Verteidigungswerkzeuge, liefert Angreifern aber auch Mittel für ausgeklügeltere Attacken. Daraus entstehen hochspezialisierte Rollen wie KI-Red-Team-Spezialist oder ML-Security-Ingenieur.

Diese Experten müssen die neuronalen Netze schützen, von denen Unternehmen immer abhängiger werden. Sie wehren neuartige Angriffsvektoren ab, etwa „Prompt Injection“ oder das Vergiften von Trainingsdaten. Kenntnisse in Frameworks wie MITRE ATLAS, das KI-spezifische Angriffstechniken kartiert, sind stark gefragt. Der Markt sucht Profis, die KI-Lösungen nicht nur entwickeln, sondern von Grund auf absichern können – eine Kompetenz, die aktuell kaum verfügbar ist.

Cloud-Komplexität befeuert Spezialisten-Nachfrage

Die Migration in Multi-Cloud-Umgebungen beschleunigt sich weiter. Doch die Sicherheitspraktiken halten nicht Schritt. Diese „Komplexitätslücke“ macht Cloud-Sicherheit zu einem der am schnellsten wachsenden Bereiche. Besonders akut ist die Nachfrage nach Cloud-Security-Ingenieuren, die die Tiefen von AWS und Azure beherrschen.

Ihre Aufgaben gehen weit über die Grundkonfiguration hinaus. Heute müssen Cloud-Experten Sicherheitstests automatisieren, Cloud-Security-Posture-Management (CSPM) mit Tools wie Prowler steuern und Container-Umgebungen mit Technologien wie Falco schützen. Tiefes Verständnis für „Infrastructure-as-Code“ wird zum Standard. Das Ziel: Sicherheit direkt in die Cloud-Architektur einbetten, nicht als nachträglichen Gedanken behandeln.

Klassische Rollen im Wandel

Während neue Spezialgebiete entstehen, verschwinden klassische Rollen nicht – sie entwickeln sich weiter. Der moderne SOC-Analyst muss heute in mindestens zwei Domänen kompetent sein. Aktuelle Analysen zeigen, dass 65 Prozent der Positionen Expertise in Bereichen wie Incident Response, Cloud-Infrastruktur und Forensik kombinieren.

Rollen wie Cyber-Threat-Landscape-Researcher oder Detection Engineer werden immer wichtiger. Diese Profis an der Frontlinie verstehen Angreifertaktiken, entwickeln ausgefeilte Detektionsregeln für SIEM-Plattformen und leiten Gegenmaßnahmen bei einem Vorfall. Der Fokus liegt auf proaktiven Maßnahmen: „Threat Hunting“ mit Frameworks wie MITRE ATT&CK ist zur Kernkompetenz für Senior-Ingenieure geworden. Diese domänenübergreifende Expertise ist essenziell, da moderne Cyberangriffe selten in isolierten Netzwerkbereichen bleiben.

Der doppelte Mangel: Skills und Erfahrung

Diese Entwicklung vollzieht sich vor dem Hintergrund eines Mangels, der über reine Personallücken hinausgeht. Bis zu 90 Prozent der Sicherheitsteams haben interne Qualifikationslücken. Selbst beschäftigte Profis fehlt oft das Wissen für neue Bedrohungen. Für Berufseinsteiger ist die Lage besonders schwierig: 75 Prozent der Junior-Rollen verlangen bereits praktische Erfahrung. Ein paradoxer Kreislauf – ohne Job keine Erfahrung, ohne Erfahrung kein Job.

Die Nachfrage wird weiter steigen. Das US-Arbeitsministerium prognostiziert ein Wachstum von 33 Prozent für Informationssicherheitsanalysten bis 2033. Besonders unter Druck stehen Finanzsektor, Gesundheitswesen und Behörden, die mit sensiblen Daten umgehen. Unternehmen müssen ihre Einstellungs- und Trainingsstrategien überdenken. Im Fokus stehen die Weiterbildung bestehender Mitarbeiter und praktische Trainingsprogramme für die nächste Generation.

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Ausblick: Hybride Teams und KI als Verstärker

Die Zukunft der Cybersicherheit führt zu weiterer Spezialisierung bei gleichzeitig nötiger Cross-Funktionalität. Die Grenzen zwischen Entwicklung, Betrieb und Sicherheit verwischen weiter. DevSecOps wird zum Standard. KI-Sicherheit etabliert sich als dauerhafte, kritische Disziplin.

Um den Talentmangel zu bewältigen, setzen Unternehmen zunehmend auf hybride Modelle. Eigene Teams werden durch Managed Security Service Provider (MSSPs) und spezialisierte Berater ergänzt. Automatisierung und KI-gestützte Plattformen werden essenziell, um menschliche Teams zu entlasten und den Fokus auf High-Priority-Bedrohungen zu legen. Doch der Bedarf an qualifizierten Menschen, die komplexe Sicherheitsherausforderungen designen, managen und beantworten können, bleibt. Die Zukunft wird definiert durch die Fähigkeit von Organisationen, Profis zu gewinnen und zu entwickeln, die tiefes technisches Wissen, praktische Erfahrung und die Anpassungsfähigkeit an eine sich ständig wandelnde Bedrohungslandschaft vereinen.

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