KI-Regulierung, USA

KI-Regulierung 2026: EU bremst, USA beschleunigt

02.01.2026 - 11:04:12

Die EU verzögert ihre KI-Verordnung bis Ende 2027, während die US-Regierung Landesgesetze bekämpft. Finanz- und Pharmaunternehmen stehen vor einem transatlantischen Governance-Konflikt.

Während Europa seine KI-Regeln verschiebt, prescht die US-Regierung mit einer Offensive gegen Bundesstaatsgesetze vor. Für globale Konzerne entsteht ein transatlantisches Regulierungsdilemma.

Die Rückkehr an die Schreibtische nach den Feiertagen bringt für Compliance-Verantwortliche in Banken und Pharmakonzernen eine überraschende Wendung. Statt des erwarteten Endspurts für die EU-KI-Verordnung bis August 2026 zeichnet sich ein komplexes regulatorisches Auseinanderdriften ab. Während Brüssel die Notbremse zieht, startet Washington eine Offensive gegen eigene Landesgesetze.

Der „Digital Omnibus“: Europäische KI-Regeln auf der langen Bank

Die entscheidende Atempause für europäisch fokussierte Unternehmen kommt von der EU-Kommission. Deren „Digital Omnibus“-Paket vom 19. November 2025 hat den Zeitplan für Hochrisiko-KI-Systeme grundlegend verändert.

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Ursprünglich sollten die Vorgaben für kritische Anwendungen wie Kreditbewertung oder biometrische Identifikation ab dem 2. August 2026 gelten. Jetzt hängt der Start von der Verfügbarkeit technischer Standards ab. Als letztmöglicher Stichtag wurde der 2. Dezember 2027 festgelegt – eine 16-monatige Verlängerung.

Für den Finanzsektor bedeutet dies Luft zum Atmen. Große europäische Banken können ihre Governance-Rahmenwerke nun ohne unmittelbaren Strafdruck anpassen. Sie müssen ihre „vertrauenswürdige KI“-Protokolle mit Standards synchronisieren, die bei Gremien wie CEN-CENELEC noch in Arbeit sind.

Amerikanischer Gegenangriff: Trumps Exekutivorder gegen Bundesstaaten

Während Europa bremst, beschleunigen die USA in die entgegengesetzte Richtung. Am 11. Dezember 2025 unterzeichnete Präsident Donald Trump eine Exekutivorder für einen „nationalen KI-Politikrahmen“. Sie zielt explizit auf den Abbau von Landesgesetzen ab, die dem EU-Ansatz ähneln.

Die Order adressiert Regelungen wie den Colorado AI Act und bezeichnet sie als innovationsfeindlich. Das Justizministerium wird angewiesen, eine KI-Litigation Task Force zu bilden, die bis zum 10. Januar 2026 operativ sein soll. Ihre Aufgabe: Landesgesetze anzufechten, die der Bundeslinie widersprechen.

Für globale Pharmakonzerne entsteht eine Zwickmühle. In der EU müssen sie sich auf strenge KI-Regeln für klinische Studien vorbereiten (nun wohl Ende 2027). In den USA sollen sie gleichzeitig Transparenz- und Bias-Vermeidungsvorgaben – wie sie Colorado fordert – zurückfahren. Eine globale Compliance-Strategie, die sich am höchsten Standard orientierte, riskiert nun Konflikte mit der US-Bundespolitik.

Sektorale Herausforderungen im neuen Regulierungsdickicht

Finanzbranche: Das Kreditbewertungs-Dilemma

Die EU-Verzögerung verschafft technischen Atemraum. Doch die parallel laufende „Digital Fitness Check“-Konsultation bis zum 11. März 2026 zeigt: Die Prüfungen verschwinden nicht. Banken müssen doppelt agieren: Sie bereiten sich auf die EU-Hochrisiko-Klassifizierung vor und beobachten gleichzeitig die US-Justiz.

Falls die Task Force Landesgesetze wie NYC’s Local Law 144 aushebelt, könnte eine globale Bank in Frankfurt zu Bias-Prüfungen verpflichtet sein – während dieselben Standards in New York politisch unerwünscht wären. Ein regulatorischer Spagat mit rechtlichen Risiken.

Pharmaindustrie: Zwischen Datenschutz und Forschungstempo

Für die Pharmabranche konzentrieren sich die Herausforderungen auf KI in Wirkstoffforschung und klinischen Studien. Die EU-Verzögerung hilft hier besonders, denn die harmonisierten Standards für biologische Datenmodelle waren schwer umsetzbar.

Der „Digital Omnibus“ bringt jedoch auch Klarheit bei General Purpose AI (GPAI). Die Frist für Transparenzpflichten wurde angepasst. Maschinenlesbare Kennzeichnungspflichten für synthetische Inhalte gelten nun ab dem 2. Februar 2027. Pharmafirmen, die generative KI für Moleküldesign nutzen, müssen sicherstellen, dass ihre Zulieferer diese verschobenen – aber unvermeidlichen – Anforderungen vorbereiten.

Ausblick 2026: Task Force gegen Fitness Check

Zwei Termine prägen das erste Quartal 2026. Am 10. Januar startet die US-Task Force. Welche Landesgesetze sie zuerst anvisiert, wird die Marschrichtung zeigen. Eine Klage gegen den Colorado AI Act würde die transatlantische Regulierungsschere endgültig aufreißen.

Bis zum 11. März läuft die EU-Konsultation zum „Digital Fitness Check“. Unternehmen haben hier letztmalig die Chance, die verzögerten KI-Regeln mit der DSGVO und anderen Digitalvorschriften abzustimmen.

Der erwartete „Compliance-Sprint“ ist einem strategischen Marathon gewichen. Die Brüsseler Verzögerung schenkt Zeit – die Washingtoner Kehrtwende erfordert ein grundsätzliches Überdenken globaler KI-Governance.

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