Cyberangriffe, Minuten

KI beschleunigt Cyberangriffe auf Minuten

23.02.2026 - 02:00:12 | boerse-global.de

Aktuelle Branchenberichte zeigen: Angriffszyklen schrumpfen auf 25 Minuten, Identitäten werden zum Hauptangriffsziel und KI-gestützte Abwehr wird zur obersten Priorität.

Die Cybersicherheit steht 2026 an einem Wendepunkt. Künstliche Intelligenz hat die Angriffsgeschwindigkeit dramatisch erhöht und zwingt Unternehmen zu einem radikalen Umdenken. Zwei aktuelle Branchenberichte von Palo Alto Networks und Ivanti zeichnen ein alarmierendes Bild: Angreifer operieren inzwischen in Maschinengeschwindigkeit.

Angriffszeit schrumpft auf 25 Minuten

Der entscheidende Trend ist die extreme Komprimierung des Angriffslebenszyklus. Laut dem Global Incident Response Report 2026 von Palo Alto Networks‘ Unit 42 erreichten die schnellsten 25 Prozent aller Netzwerkangriffe 2025 das Stadium des Datenabflusses in nur 72 Minuten. Im Vorjahr lag der Durchschnitt noch bei 285 Minuten. In simulierten KI-gestützten Angriffen schrumpfte dieses Fenster auf kaum glaubliche 25 Minuten.

Die Reaktionszeit für Verteidiger ist praktisch auf null geschrumpft. Angreifer beginnen bereits 15 Minuten nach der Bekanntgabe einer neuen Sicherheitslücke mit automatisierten Scans. Sie nutzen KI, um Erkundung, Skripterstellung und Ausnutzung zu automatisieren. „Bevor Sicherheitsteams die Warnmeldung überhaupt zu Ende gelesen haben, sind die Hacker oft schon im Netzwerk“, so ein Analyst. Die Verteidigung hänge nun allein von der Geschwindigkeit der Gegenmaßnahmen ab, nicht mehr von der Qualität eines verspäteten Patches.

Identitäten als neues Einfallstor

Während die Angriffe schneller werden, verlagert sich der Einstiegspunkt. In fast 90 Prozent der untersuchten Sicherheitsvorfälle spielten Schwachstellen bei Identitäten eine Rolle. Bei 65 Prozent war der erste Zugang rein identitätsbasiert. Angreifer nutzen gestohlene Zugangsdaten, umgehen die Zwei-Faktor-Authentifizierung und schleusen sich so in den normalen Netzwerkverkehr ein.

Eine besonders perfide Entwicklung ist die sogenannte „Weaponized HR“ – die Waffenisierung von Personalprozessen. Staaten wie Nordkorea oder Iran setzen zunehmend auf synthetische Identitäten und Deepfakes, um sich in Unternehmen einzuschleusen. Der Ivanti-Report bestätigt: 77 Prozent der befragten Organisationen waren bereits Ziel von Deepfake-Angriffen. Doch nur 30 Prozent der Sicherheitsexperten trauen ihrer Führungsetage zu, einen Deepfake sicher zu erkennen.

Erpressung wird raffinierter

Die finanziellen Folgen dieser Angriffswelle sind massiv. Da 87 Prozent der Angriffe mehrere Ebenen wie Endgeräte, Cloud und SaaS-Anwendungen gleichzeitig betreffen, steigen die Kosten für Abwehr und Erpressung. Die durchschnittliche Lösegeldforderung kletterte von 1,25 Millionen Euro (2024) auf 1,5 Millionen Euro (2025).

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Die Erpressungsmethoden werden raffinierter. Die Verschlüsselung von Daten ist oft nur noch Beiwerk. Der eigentliche Hebel ist der Diebstahl sensibler Daten und die Androhung der Veröffentlichung. Selbst wenn ein Unternehmen seine Systeme aus Backups wiederherstellen kann, bleibt die erpresste Datenmenge eine permanente Bedrohung. Angreifer zielen gezielt auf Maschinenidentitäten und API-Schlüssel ab, die oft weniger streng überwacht werden als menschliche Zugänge.

KI zur Abwehr wird zur Priorität

Trotz der Bedrohungslage sind die meisten erfolgreichen Angriffe vermeidbar. Ein großes Problem bleibt die Lücke zwischen wahrgenommener Gefahr und tatsächlicher Bereitschaft. Budgetgrenzen, technische Komplexität und Fachkräftemangel behindern eine effektive Verteidigung.

Die Antwort der Sicherheitsbranche heißt: eigene KI. Laut Ivanti halten 87 Prozent der Befragten den Einsatz agentenbasierter KI in ihren Security Operations Centers für oberste Priorität. Diese Systeme sollen Bedrohungen über Cloud, Identität und Endgeräte hinweg korrelieren und autonom isolieren – und so mit der Maschinengeschwindigkeit der Angreifer mithalten können. Experten warnen jedoch: Technologie allein reicht nicht. Grundlegende Sicherheitshygiene, wie das Prinzip der geringsten Rechte und eine konsolidierte Übersicht über die IT-Landschaft, sind weiterhin unverzichtbar.

Ausblick: Der Weg zur autonomen Verteidigung

Für das restliche Jahr 2026 zeichnet sich ein Paradigmenwechsel ab. Das Zeitfenster für eine von Menschen geführte Abwehr schließt sich. Automatisierte Incident-Response wird zum Pflichtbestandteil jeder Sicherheitsarchitektur. Unternehmen werden Virtualisierungsebenen härten, die Identitäten von Auftragnehmern rigoros überprüfen und Fernwartungstools kontinuierlich auditieren müssen.

Die Botschaft der Berichte an Vorstände und Geschäftsführungen ist eindeutig: Der Unterschied zwischen einer kleinen Anomalie und einem katastrophalen Datenleck misst sich heute in Minuten. Überleben werden nur jene Unternehmen, die von reaktiven Aufräumstrategien zu disziplinierten, telemetriegetriebenen Abwehrrahmen übergehen – und KI nicht nur als Analysewerkzeug, sondern als aktiven Verteidiger einsetzen.

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