Impostor-Syndrom, Studie

Impostor-Syndrom: Neue Studie entschlüsselt den Teufelskreis der Selbstzweifel

16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.de

Aktuelle Forschungsergebnisse belegen, dass Hochstaplergefühle langfristig Angst und Depressionen fördern. Besonders in Hochleistungsberufen sind Betroffene gefährdet, doch es gibt wirksame Gegenstrategien.

Impostor-Syndrom: Neue Studie entschlüsselt den Teufelskreis der Selbstzweifel - Foto: über boerse-global.de
Impostor-Syndrom: Neue Studie entschlüsselt den Teufelskreis der Selbstzweifel - Foto: über boerse-global.de

Neue Forschungsergebnisse belegen den gefährlichen Kreislauf aus Selbstzweifeln und mentalen Belastungen. Das sogenannte Impostor-Syndrom betrifft laut Experten bis zu 70 Prozent der arbeitenden Bevölkerung mindestens einmal im Leben. Aktuelle Studien liefern nun erstmals Langzeitdaten und zeigen wirksame Auswege aus dem psychologischen Hamsterrad.

Der sich selbst verstärkende Kreislauf

Eine Anfang März veröffentlichte Langzeitstudie des Psychologen Kay Brauer von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg liefert alarmierende Daten. Die Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) zeigt einen klaren Zusammenhang: Hochstaplergefühle begünstigen über Jahre hinweg Angstzustände und depressive Symptome. Diese psychischen Belastungen befeuern wiederum die Selbstzweifel – ein Teufelskreis.

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Das Phänomen beginnt oft früh. Forschungen der Frankfurter Psychologin Mona Leonhardt weisen nach, dass erste Impostor-Gefühle bereits bei Grundschulkindern auftreten können. Ein stark leistungsorientiertes Umfeld gilt als zentraler Risikofaktor. Entgegen früheren Annahmen aus den 1970er Jahren sind heute alle Geschlechter gleichermaßen betroffen.

Warum Ärzte und Lehrer besonders leiden

Besonders brisant sind die Erkenntnisse zur beruflichen Verteilung. Branchenanalysen zeigen: Fachkräfte in Hochleistungsberufen weisen die höchsten Raten auf. Medizin, Lehrwesen und akademische Forschung sind strukturell besonders anfällig. Hier herrscht oft eine Kultur, die permanente Kompetenzbeweise fordert und Fehler hart sanktioniert.

Betroffene schreiben ihre Erfolge selten der eigenen Qualifikation zu. Stattdessen machen sie Glück, Zufall oder vermeintlich niedrige Erwartungen verantwortlich. Diese Fehlattribution führt zu enormem inneren Druck. Die ständige Sorge, die eigene Inkompetenz könne aufgedeckt werden, bremst viele Karrieren aus. Hochqualifizierte verzichten aus Angst auf Beförderungen oder bewerben sich erst gar nicht.

Drei wirksame Strategien gegen den Selbstzweifel

Wie bricht man aus diesem Muster aus? Psychologen empfehlen evidenzbasierte Gegenmaßnahmen. Der erste Schritt ist die kognitive Umstrukturierung. Allein das Wissen, dass es sich um ein weit verbreitetes Muster handelt, kann die emotionale Last erheblich reduzieren.

Zweitens hilft ein systematisch geführtes Erfolgstagebuch. In Stresssituationen erinnern wir uns primär an negative Gefühle. Eine schriftliche Dokumentation der eigenen Leistungen – erfolgreiche Projekte, positives Feedback, bestandene Prüfungen – macht Erfolge greifbar. So fällt es dem Gehirn schwerer, sie als Zufall abzutun.

Drittens betonen Experten aktives Selbstmitgefühl. Betroffene sollten lernen, sich mit der gleichen Nachsicht zu begegnen wie einen guten Freund. Kognitive Verhaltenstherapie bricht perfektionistische Denkmuster auf. Auch der offene Austausch mit Kollegen wirkt entlastend – oft zeigt sich, dass vermeintlich unfehlbare Vorbilder ähnliche Zweifel kennen.

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Die aktuelle Debatte verlagert den Fokus zunehmend auf strukturelle Ursachen. Die Verantwortung liegt nicht allein bei den Individuen. Ein Arbeitsumfeld mit unklaren Erwartungen, mangelnder psychologischer Sicherheit und extremem Wettbewerbsdruck wirkt als Katalysator für Selbstzweifel.

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Für Minderheiten und marginalisierte Gruppen verschärft sich die Situation. Fehlende Vorbilder und stereotype Rollenbilder treiben die Hochstaplergefühle signifikant in die Höhe. Die Diskussion fordert ein Umdenken in Führungsetagen. Unternehmen müssen eine gesunde Fehlerkultur etablieren, in der Irrtümer als natürlicher Teil des Lernens gelten – nicht als Zeichen von Inkompetenz.

Die gestiegene Aufmerksamkeit dürfte langfristige Folgen haben. In den kommenden Jahren werden vermutlich mehr Führungskräftetrainings implementiert, die speziell auf Impostor-Dynamiken abzielen. Psychologische Sicherheit wird zunehmend als Schlüsselfaktor für Innovation und Mitarbeiterbindung erkannt.

Gleichzeitig gewinnt frühzeitige Aufklärung in Schulen und Universitäten an Bedeutung. Wenn junge Menschen früh lernen, dass Selbstzweifel normal sind und Fehler nicht den eigenen Wert mindern, könnte die nächste Generation widerstandsfähiger werden. Unternehmen, die diese Herausforderungen aktiv angehen, werden im Wettbewerb um Talente klar im Vorteil sein.

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