Hannover, Umbau

Hannover setzt auf Umbau statt Neubau für bezahlbare Wohnungen

12.03.2026 - 03:00:50 | boerse-global.de

Die Region Hannover stellt ihre Wohnraumförderung komplett um und fokussiert künftig auf die Umnutzung bestehender Gebäude. Damit reagiert sie auf die akute Krise am Immobilienmarkt.

Hannover setzt auf Umbau statt Neubau für bezahlbare Wohnungen - Foto: über boerse-global.de
Hannover setzt auf Umbau statt Neubau für bezahlbare Wohnungen - Foto: über boerse-global.de

Die Region Hannover stellt ihre Wohnraumförderung komplett neu auf. Statt teurem Neubau soll künftig die Umnutzung bestehender Gebäude im Mittelpunkt stehen. Ein Ausschuss gab dieser Woche grünes Licht für das wegweisende Programm.

Damit reagiert die Kommune auf die akute Krise am Immobilienmarkt. Explodierende Baukosten und hohe Zinsen haben klassische Neubauprojekte vielerorts zum Erliegen gebracht. Gleichzeitig fehlen bundesweit Hunderttausende bezahlbare Wohnungen.

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Paradigmenwechsel: Bestand wird zum Hoffnungsträger

Das neue Programm lenkt Fördermittel gezielt in Umbau und Umnutzung. Künftig sollen auch Projekte unterstützt werden, bei denen leerstehende Büros zu Wohnungen werden oder Einfamilienhäuser zu Mehrfamilienhäusern umgebaut werden. Selbst Dachgeschossausbauten sind förderfähig.

"Die Lücke auf dem Wohnungsmarkt ist durch Neubau allein nicht mehr zu schließen", betont Christian Hinrichs, sozialpolitischer Sprecher der Grünen in der Region. Die Sozialdezernentin Dr. Andrea Hanke ergänzt: Bisherige Förderangebote seien von Investoren ignoriert worden, weil sie wirtschaftlich nicht mehr tragfähig waren.

1,4 Millionen Wohnungen fehlen: Das ist die nationale Dimension

Wie dringend solche regionalen Initiativen sind, zeigt der aktuelle Soziale Wohn-Monitor 2026. Demnach fehlen in Deutschland rund 1,4 Millionen bezahlbare Wohnungen. Besonders in Ballungsräumen finden einkommensschwache Haushalte und Familien kaum noch bezahlbare Mieten.

Das Pestel-Institut, das den Monitor erstellt, prognostiziert ein weiteres Dilemma: In den kommenden Jahren werden nur etwa 200.000 Wohnungen pro Jahr fertig – gerade mal die Hälfte des tatsächlichen Bedarfs. Allein in der Region Hannover beziffert das Institut das Defizit auf 14.500 Wohnungen.

Branche fordert auf Kongress: "Gebt uns Planungssicherheit!"

Die Rufe nach pragmatischen Lösungen hallten auch auf dem Deutschen Immobilienkongress in Berlin nach. "Die Baukrise ist politisch lösbar", forderte BFW-Präsident Dirk Salewski. Die Branche sei investitionsbereit, werde aber durch überbordende Vorschriften und langwierige Genehmigungen ausgebremst.

Auf Bundesebene setzt die Politik bereits erste Hebel in Bewegung. Ein zentrales Instrument ist der sogenannte Bau-Turbo. Diese Regelung erlaubt es Kommunen bis 2030, bei bestimmten Wohnbauvorhaben auf langwierige Planverfahren zu verzichten. Vor allem Nachverdichtung und Aufstockung sollen so schneller gehen.

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Kommunen greifen direkt in den Markt ein

Neben beschleunigten Verfahren setzen Städte wie Hannover auf direkte Markteingriffe. Ihr neues Programm unterstützt Kommunen finanziell beim Erwerb von Grundstücken für sozialen Wohnraum. Zudem wird der Ankauf von Belegungsrechten intensiviert.

Was bedeutet das? Die öffentliche Hand zahlt Vermietern eine garantierte Miete und kann die Wohnung im Gegenzug an Berechtigte vermitteln. Dieses Instrument soll den Schwund an Sozialwohnungen stoppen, nachdem in den vergangenen Jahren Hunderttausende aus der Bindung gefallen sind.

Warum Neubau aktuell kaum noch funktioniert

Branchenbeobachter sehen den Schwenk zum Bestand als unausweichlich. Die Kalkulation für bezahlbaren Mietwohnungs-Neubau ist durch hohe Kosten und Zinsen kollabiert. Der Deutsche Mieterbund dokumentiert: Wirtschaftlich wäre Neubau derzeit nur mit Kaltmieten von rund 12,50 Euro pro Quadratmeter – für die Zielgruppe des sozialen Wohnungsbaus utopisch.

Gleichzeitig bietet der Umbau ökologische Vorteile. Die Umnutzung spart graue Energie, reduziert den CO2-Ausstoß im Vergleich zum Abriss und schont knappe Flächen in Innenstädten. Die große Herausforderung dieses Jahrzehnts lautet also: Wie bringt man Klimaschutz und bezahlbares Wohnen unter einen Hut?

Wann geht es los – und wird das zum Vorbild?

Bevor das Hannoveraner Programm starten kann, muss die Regionsversammlung am 21. April final zustimmen. Bei einem Ja rechnen die Verantwortlichen mit einem Start zur Jahresmitte.

Sollte sich der Ansatz bewähren, könnte er zur Blaupause für andere Metropolregionen werden. Doch der Druck auf die Politik bleibt hoch. Ohne deutlich mehr Fördermittel und entschlackte Bauvorschriften wird sich die gewaltige Lücke von 1,4 Millionen Wohnungen kaum schließen lassen.

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