Goldman Sachs sperrt Anthropic-KI für Hongkong-Mitarbeiter
29.04.2026 - 10:48:56 | boerse-global.deDie US-Investmentbank verbietet ihren Angestellten in der chinesischen Sonderverwaltungszone die Nutzung der Claude-Modelle – ein deutliches Zeichen für die zunehmende Fragmentierung des globalen KI-Marktes.
Vertragliche Hürden statt technischer Grenzen
Goldman Sachs hat den Zugang zu den KI-Modellen des US-Startups Anthropic für seine Mitarbeiter in Hongkong gestoppt. Wie aus internen Kreisen verlautet, basiert die Entscheidung auf einer „strengen Auslegung" der vertraglichen Vereinbarungen zwischen der Bank und dem in San Francisco ansässigen Unternehmen. Betroffen ist sowohl der direkte Zugriff auf den Chatbot Claude als auch die Nutzung über die bankeigene KI-Plattform.
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Bemerkenswert: Andere führende KI-Systeme wie OpenAIs ChatGPT oder Googles Gemini bleiben über das interne Portal weiterhin nutzbar. Die Sperre betrifft ausschließlich Anthropic-Produkte – ein Hinweis darauf, dass es sich um eine spezifische Vertragsfrage handelt, nicht um eine grundsätzliche Kehrtwende der Bank in der KI-Politik.
Geopolitische Brisanz im Hintergrund
Der Schritt fällt in eine Zeit verschärfter Technologiekonkurrenz zwischen den USA und China. Während in Festlandchina amerikanische KI-Modelle wie ChatGPT und Claude bereits durch die „Great Firewall" blockiert sind, genoss Hongkong traditionell einen offeneren Zugang. Doch das ändert sich zusehends.
Analysten verweisen auf wachsende Bedenken US-amerikanischer KI-Firmen vor Technologie-Abfluss – dem sogenannten „Distillation"-Verfahren, bei dem lokale Wettbewerber hochleistungsfähige ausländische Modelle nutzen, um ihre eigenen Systeme zu trainieren. Hinzu kommt das Nationale Sicherheitsgesetz von 2020, das Unsicherheiten über Datensouveränität und mögliche Zugriffe der Behörden auf verarbeitete Daten geschaffen hat.
Ein Anthropic-Sprecher betonese, die Claude-Modelle seien in Hongkong „nie formell unterstützt" worden. Das Unternehmen, das Sicherheit und institutionelle Kontrolle zu seinen Kernwerten zählt, verfolgt offenbar eine zunehmend konservative Linie bei der regionalen Verfügbarkeit.
Wettbewerbsnachteil für Hongkongs Finanzplatz?
Der Verlust des Zugangs zu Claude könnte für Investmentbanker und Analysten in Hongkong spürbare Folgen haben. Die Modelle von Anthropic gelten als besonders leistungsfähig bei der Verarbeitung großer Dokumente und komplexen rechtlichen sowie finanziellen Textanalysen.
Branchenbeobachter warnen: Wenn Mitarbeiter in Hongkong nicht mehr auf dieselben Spitzenwerkzeuge zugreifen können wie ihre Kollegen in London oder New York, droht ein Wettbewerbsnachteil. Gerade in einem Umfeld, in dem KI-gestützte Produktivitätsgewinne immer messbarer werden – insbesondere in den Bereichen Research und Risikomanagement.
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Die Sperre kommt zudem zu einem Zeitpunkt, an dem Anthropic mit „Mythos" sein bislang fortsrittlichstes KI-System vorgestellt hat. Das Modell soll über beispiellose Fähigkeiten bei der Identifizierung von Cybersicherheitslücken verfügen – eine Technologie mit hohem Risikopotenzial, die die Sensibilität ihrer geografischen Verteilung zusätzlich erhöht.
Signalwirkung für die globale Bankenwelt
Goldman Sachs bleibt trotz der regionalen Einschränkung einer der aktivsten institutionellen Nutzer generativer KI. CIO Marco Argenti hat mehrfach betont, dass die Bank KI als fundamentale Schicht ihrer künftigen Technologie-Infrastruktur betrachtet.
Der Fall Anthropic in Hongkong dürfte jedoch als Lehrbeispiel für die zersplitterte Zukunft der KI dienen. Große Konzerne mit globaler Präsenz werden zunehmend mit regionalen Unterschieden konfrontiert sein – abhängig von internationalen Handelsabkommen, nationalen Sicherheitsinteressen und spezifischen Lieferantenverträgen.
Die Hongkonger Behörden und die Währungsbehörde haben sich bislang nicht offiziell geäußert. Doch die Finanzwelt beobachtet genau, ob andere US-KI-Firmen dem Beispiel von Anthropic folgen. Fest steht: Die Ära eines einheitlichen globalen KI-Zugangs für internationale Banken ist vorerst beendet.
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