Gold: Käufer trotzen der Fed-Bremse
Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 19:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Feinunze Gold kostete am Dienstagnachmittag 4.069 Dollar – rund 61 Dollar mehr als am Vortag. Dass sich der Kurs trotz strafferer Zinserwartungen der US-Notenbank behauptet, verrät einiges über die Nervosität an den Märkten. Der Iran-Konflikt bleibt der Taktgeber, und der zieht Gold gerade in zwei Richtungen gleichzeitig.
Iran-Sorgen gegen Fed-Erwartungen
Auslöser der jüngsten Bewegung sind die wieder aufgeflammten Kämpfe zwischen den USA und dem Iran. Die Internationale Energieagentur warnte vor einer zunehmend unter Druck geratenden Ölversorgung, sollten die Straße von Hormus oder Energieinfrastruktur in der Region betroffen sein. Steigende Ölpreise befeuern die Inflationserwartungen – und genau das bremst eigentlich den Goldpreis, weil damit auch die Wahrscheinlichkeit weiterer Zinserhöhungen steigt.
Am Vormittag hatte sich das Bild noch anders dargestellt. Sinkende Ölpreise ließen die Zinsspekulationen nachlassen, Gold kletterte zeitweise bis auf 4.084 Dollar – der höchste Stand seit einer Woche. Hintergrund waren Berichte über Vermittlungsbemühungen von Katar, Ägypten und Pakistan für eine zehntägige Waffenruhe, über die sowohl "Axios" als auch das "Wall Street Journal" berichteten. Bestätigt ist davon bislang nichts, dennoch reichte allein die Aussicht auf eine Deeskalation, um die Nachfrage nach dem Edelmetall als Zinsalternative zu dämpfen.
Charttechnisch bewegt sich Gold derzeit an der Bollinger-Mittellinie bei rund 4.062 Dollar. Die 4.000-Dollar-Marke hat sich als Basis etabliert, seit die Notierung Ende Juni zeitweise darunter gerutscht war – ein deutlicher Abstand zum Rekordhoch von knapp 5.600 Dollar im Januar.
Minen locken mit Aufholpotenzial
Abseits der Tagesbewegung sieht Goldexperte Markus Bußler nach den scharfen Korrekturen bei Gold, Silber und Minenaktien eine Kaufgelegenheit. Seiner Einschätzung nach haben beide Edelmetalle ihre Korrekturziele weitgehend abgearbeitet, ein Boden zeichnet sich ab. Besonders bei Minenaktien, die zuletzt überproportional gelitten hätten, hält er Kursverdoppelungen für realistisch.
Als Beispiel nennt er Artemis Gold, das im zweiten Quartal 74.063 Unzen förderte und damit auf Kurs für die Jahresprognose von rund 280.000 Unzen liegt – ein Kandidat, der nach Einschätzung Bußlers ins Visier eines größeren Branchenplayers rücken könnte. Bei First Majestic Silver sieht er nach guten Produktionszahlen und einer angehobenen Prognose zwar Fortschritte, bleibt beim geplanten Neustart der Mine Jerritt Canyon aber skeptisch, ob das Projekt tatsächlich nennenswerten freien Cashflow abwirft.
Am Donnerstag entscheidet die EZB über ihren nächsten Zinsschritt, dürfte die Sätze aber vorerst unverändert lassen. Für den Goldpreis dürfte in den kommenden Tagen weniger die Notenbank als die Entwicklung an der Iran-Front den Ausschlag geben.
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