Gold: Diplomatie-Durchbruch drückt auf 4.100 Dollar
26.06.2026 - 21:30:02 | boerse-global.de
Rund 27 Prozent unter seinem Januar-Hoch, aber heute wieder im Plus: Gold sendet gemischte Signale. Der Kurs pendelt um die 4.100 US-Dollar — weit entfernt von den 5.627 Dollar, die das Edelmetall im Januar 2026 erreichte.
Der Hauptgrund für den Rückgang ist ein diplomatischer Durchbruch. Am 17. Juni unterzeichneten die USA und der Iran ein vorläufiges Memorandum of Understanding. Es sieht die Einstellung militärischer Operationen und die Wiedereröffnung der Straße von Hormus vor. Die Sorge vor massiven Lieferunterbrechungen am Ölmarkt ist damit spürbar gesunken. Spekulatives Kapital, das Gold als Krisenabsicherung gehalten hatte, fließt seitdem ab.
Fed-Politik erhöht den Druck
Hinzu kommt die US-Geldpolitik. Der PCE-Preisindex verharrt auf hohem Niveau, die Konjunktur zeigt sich robust — Zinssenkungen der Federal Reserve sind für 2026 faktisch vom Tisch. Das belastet Gold direkt: Das Edelmetall wirft keine Zinsen ab. Wer US-Staatsanleihen hält, bekommt eine attraktive Rendite. Goldman Sachs hat darauf reagiert und das Kursziel für Gold zum Jahresende am 20. Juni auf 4.900 Dollar gesenkt — von zuvor 5.400 Dollar.
Technisch hat sich das Bild weiter eingetrübt. Der RSI liegt bei 37, der Kurs notiert rund 8,5 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Marktteilnehmer beobachten die Unterstützung bei 3.960 Dollar. Hält sie nicht, wäre ein Rückgang bis 3.880 Dollar das nächste Szenario.
Zentralbanken kaufen gegen den Trend
Einen strukturellen Boden bilden die Notenbanken. Im ersten Quartal 2026 kauften Zentralbanken weltweit netto rund 244 Tonnen Gold — mehr als im Vorquartal und über dem Fünfjahresdurchschnitt. Die Polnische Nationalbank erwarb allein 31 Tonnen und war damit der größte Einzelkäufer. Die chinesische PBoC stockte ihre Reserven auf 2.313 Tonnen auf und kaufte in den Folgemonaten weiter.
Diese Käufe spiegeln einen klaren Trend wider: Notenbanken diversifizieren ihre Reserven weg vom Dollar. Während institutionelle Anleger ihre Positionen reduzieren, nutzen staatliche Akteure die Kursrücksetzer gezielt zum Aufstocken. Ob das reicht, um den Abwärtsdruck zu brechen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Inflationserwartungen in den USA wieder verschieben — oder ob die Umsetzung des Iran-Abkommens ins Stocken gerät.
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