Gold, China

Gold: China importiert 692 Tonnen

24.06.2026 - 11:58:36 | boerse-global.de

Rekordnachfrage der Notenbanken trifft auf Zinsängste. Der Goldpreis fällt trotz hoher Käufe auf ein Zwei-Wochen-Tief.

Goldpreis unter Druck: Zentralbanken kaufen, Fed bremst
Gold - Ein glänzender Goldbarren neben einem traditionellen chinesischen Abakus, mit einem verschwommenen Finanzchart im Hintergrund. 24.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Noch nie wollten so viele Zentralbanken gleichzeitig Gold kaufen. Und trotzdem fällt der Preis. Dieser Widerspruch bestimmt den Goldmarkt gerade so stark wie selten zuvor.

Rekordnachfrage aus den Tresoren der Welt

Der World Gold Council hat in seiner aktuellen Umfrage unter Notenbanken ein historisches Ergebnis ermittelt. 45 Prozent der befragten Institute planen, ihre Goldreserven aufzustocken — der höchste Wert seit Beginn der Erhebung 2018. Weitere 89 Prozent erwarten, dass die globalen Goldbestände in den nächsten zwölf Monaten steigen.

Der Hintergrund ist strukturell. Gold deckt mittlerweile rund 27 Prozent der weltweiten offiziellen Reserven ab. Der Anteil von US-Staatsanleihen geht zurück. Viele Länder wollen ihre Abhängigkeit vom Dollar verringern.

China macht das besonders deutlich. In den ersten fünf Monaten 2026 importierte das Land 692 Tonnen Gold — 76 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres.

Der neue Fed-Chef macht den Unterschied

Physische Käufe allein treiben den Preis nicht. Das zeigt sich gerade schmerzhaft. Am Mittwoch rutschte Gold auf ein Zwei-Wochen-Tief von rund 4.067 US-Dollar pro Feinunze.

Der Auslöser: Kevin Warsh, der neue Vorsitzende der US-Notenbank, hat in seiner ersten Pressekonferenz einen harten Kurs gegen die Inflation signalisiert. Die Märkte rechnen nun mit über 89 Prozent Wahrscheinlichkeit mit einer weiteren Zinserhöhung im Dezember 2026.

Das trifft Gold an seiner empfindlichsten Stelle. Das Edelmetall wirft keine laufenden Erträge ab. Steigen die Realzinsen, verliert Gold gegenüber verzinsten Anlagen an Attraktivität. Kapital fließt aus goldbesicherten ETFs ab. Der Dollar-Index DXY markiert ein Einjahreshoch bei 101,40 Punkten — zusätzlicher Gegenwind.

Banken senken ihre Ziele

Die veränderten Zinserwartungen haben Konsequenzen für die Prognosen. Goldman Sachs senkte das Kursziel für Ende 2026 von 5.400 auf 4.900 US-Dollar. Begründung: Die erwarteten Zinssenkungen fallen weg. Die Citigroup passte ihre kurzfristigen Erwartungen ebenfalls nach unten an, hält mittelfristig aber an 5.000 US-Dollar fest.

Technisch testet Gold aktuell eine Unterstützungszone zwischen 4.050 und 4.075 US-Dollar. Hält diese Zone nicht, drohen weitere Verkäufe durch technisch orientierte Marktteilnehmer. Ob die physische Nachfrage aus Asien und den Zentralbanktresoren dagegen hält, entscheidet sich in den kommenden Wochen — spätestens wenn die Fed im Dezember tatsächlich die Zinsen anhebt.

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