Gold: 52-Wochen-Tief bei 3.901,30 Dollar
Veröffentlicht am: 10.07.2026 um 16:40 Uhr | Redaktion boerse-global.de
114,00 US-Dollar je Feinunze und gibt damit leicht um 0,45 Prozent nach. Am Donnerstag hatte das Edelmetall noch bei 4.132,40 Dollar geschlossen. Auf Wochensicht steht ein Minus von 1,75 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn beträgt der Rückstand 5,25 Prozent. Zum Rekordhoch von 5.626,80 Dollar, erreicht am 29. Januar 2026, fehlen dem Metall inzwischen fast 27 Prozent. Zum 52-Wochen-Tief von 3.901,30 Dollar aus dem Oktober 2025 beträgt der Abstand dagegen nur gut fünf Prozent.
Zinswetten und Iran-Spannungen halten sich die Waage
Trotz einer angespannten Lage im Nahen Osten reagiert der Goldpreis nur verhalten. Laut dpa-AFX beruhigte sich die Situation zuletzt etwas, nachdem die USA ihren Willen zu einer Lösung bekräftigt hatten. Gleichzeitig berichtete die Süddeutsche Zeitung, Israel habe die US-Regierung vor einem iranischen Mordkomplott gegen Donald Trump gewarnt – mit einem nach eigenen Angaben konkreten Anschlagsplan. Trump bezeichnete sich selbst als „Nummer eins auf der Todesliste des Irans“. Dass solche Nachrichten den Goldpreis nicht stärker beflügeln, liegt an einem gegenläufigen Faktor: den Zinserwartungen. Am Terminmarkt liegt die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Fed-Zinserhöhung im September bei rund 64 bis 65 Prozent, wie aus CME-FedWatch-Daten hervorgeht. Ein strafferer geldpolitischer Kurs stützt den Dollar und macht das zinslose Edelmetall vergleichsweise unattraktiver. Technisch bewegt sich Gold damit in einer schwierigen Zone: Der 14-Tage-RSI notiert bei 43,1, der 50-Tage-Durchschnitt liegt bei 4.365,21 Dollar und damit rund 5,75 Prozent über dem aktuellen Niveau. Auch der 100-Tage-Schnitt von 4.599,20 Dollar sowie der 200-Tage-Durchschnitt von 4.539,04 Dollar liegen deutlich höher, die Volatilität der vergangenen 30 Tage liegt annualisiert bei 27,01 Prozent.
Banken uneins: HSBC und BofA vorsichtiger, Bernstein optimistischer
Die jüngste Prognoserunde der großen Häuser zeigt ein gespaltenes Bild. HSBC senkte seine Durchschnittsprognose für 2026 von 4.864 auf 4.560 Dollar je Unze und die für 2027 von 5.000 auf 4.925 Dollar. Als Begründung nennt das Institut einen stärkeren Dollar und eine hawkishe Fed-Politik; für 2026 erwartet HSBC eine Handelsspanne zwischen 3.800 und 4.700 Dollar, behält aber wegen hoher Haushaltsdefizite und anhaltender Notenbankkäufe eine langfristig positive Einschätzung bei. Bank of America kappte ihre 2026er-Prognose sogar um 14 Prozent auf 4.360 Dollar, hält aber an einem langfristigen Ziel von 5.000 Dollar nach einer erwarteten Zinswende der Fed fest. Deutlich zurückhaltender bei der Kürzung zeigten sich dagegen JPMorgan, Goldman Sachs, Deutsche Bank, SocGen und UBS, die ihre optimistischen langfristigen Kursziele zwischen 4.900 und 6.200 Dollar unverändert lassen. Gegen den Trend stellte sich Bernstein Research: Das Analysehaus erhöhte sein Kursziel für die zweite Jahreshälfte 2026 auf 4.533 Dollar und verweist dabei auf die hohe Nachfrage der Notenbanken sowie eine geringe Wahrscheinlichkeit besonders aggressiver Fed-Zinsschritte.
China kauft weiter, Indien und Shanghai zögern
Auf der Nachfrageseite bleibt China der auffälligste Akteur. Die Volksrepublik erhöhte ihre Goldreserven im Juni um weitere 15 Tonnen – nach Angaben von VNDailyFX bereits der 20. Monat in Folge, die Gesamtreserven belaufen sich damit auf rund 2.350 Tonnen. Parallel dazu treiben chinesische Bergbauunternehmen Übernahmen im Ausland voran, etwa Zijin Mining mit dem Kauf von Allied Gold für 4,12 Milliarden US-Dollar. Auf der Konsumentenseite zeigt sich das Bild gemischter: Reuters berichtete von sich ausweitenden Goldabschlägen in Indien, wo die hohe Volatilität die Nachfrage belastet, während die Käufe in China insgesamt stabil bleiben. In Shanghai blieb laut einem Bericht des China Fund News das erwartete „Buy-on-Dip“-Verhalten der Verbraucher zuletzt aus – Goldsparprodukte fanden bei Banken weniger Anklang. Auch die Rohölbewegung spielt eine Rolle: Nach den jüngsten US-Militärschlägen gegen den Iran und dessen Vergeltungsreaktion schwankte der Ölpreis deutlich, was die Inflationserwartungen und damit indirekt auch die Zinsdebatte weiter befeuert. Für die kommenden Wochen dürfte damit vor allem das Zusammenspiel aus US-Inflationsdaten, der Fed-Sitzung im September und der geopolitischen Lage im Nahen Osten die Richtung des Goldpreises bestimmen.
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