Gold: 4.000-Dollar-Test droht
24.06.2026 - 05:54:50 | boerse-global.de
Geopolitische Krisen treiben normalerweise den Goldpreis. Aktuell passiert an den Märkten das genaue Gegenteil. Die Angst vor restriktiveren Notenbanken überlagert alle Konflikte im Nahen Osten. Das zinslose Edelmetall verliert massiv an Boden.
Gestern schloss die Unze bei 4.155,40 US-Dollar. Damit notiert Gold rund 26 Prozent unter seinem Rekordhoch vom Jahresbeginn. Der Grund für die Schwäche liegt bei der US-Notenbank. Unter dem neuen Chef Kevin Warsh weht ein rauerer Wind.
Warsh baute die Kommunikation der Fed bei seinem Debüt radikal um. Er strich die Zukunftsprognosen und kürzte die Statements. Fünf neue Arbeitsgruppen übernehmen die Analyse. Die Ära Powell ist Geschichte. Die Finanzmärkte rechnen nun fest mit höheren Zinsen.
PCE-Bericht als Katalysator
Am Donnerstag blicken Händler auf das wichtigste Inflationsmaß der Fed. Experten erwarten beim PCE-Preisindex einen Anstieg der Kernrate von 0,2 auf 0,3 Prozent.
Die Logik für Goldanleger ist simpel. Fällt die Inflation höher aus, steigen die Zinserwartungen weiter. Das könnte den Preis schnell in Richtung 4.000 Dollar drücken. Die Geldmärkte preisen bereits eine Zinserhöhung im September mit 72 Prozent Wahrscheinlichkeit ein.
Auch große Banken passen ihre Modelle an. Die Deutsche Bank und BofA Global Research erwarten nun ebenfalls einen Zinsschritt im Herbst. Steigende reale Renditen und ein starker Dollar machen Gold im Vergleich zu Anleihen schlicht unattraktiver.
Zentralbanken stützen den Markt
Bei den Kapitalströmen zeigt sich ein zweigeteiltes Bild. Die großen Gold-ETFs verzeichnen weiterhin Abflüsse. Der Leit-Fonds GLD verlor zuletzt innerhalb einer Woche rund eine halbe Tonne an Bestand. Seit Jahresbeginn zogen Investoren 8,3 Milliarden Dollar ab. Das Tempo der Verkäufe verlangsamt sich jedoch spürbar. Ein erstes Zeichen der Stabilisierung.
Ein starkes Gegengewicht bildet der offizielle Sektor. Die Zentralbanken kauften im ersten Quartal netto 244 Tonnen Gold. Diese strategischen Käufe stützen den Markt massiv. Sie zeigen das anhaltende Vertrauen in das Edelmetall als Wertspeicher.
Analysten sehen massives Potenzial
Die großen Investmentbanken blicken trotz der aktuellen Schwäche optimistisch auf das Jahresende. Ihre Kursziele implizieren ein erhebliches Aufwärtspotenzial und liegen weit über dem aktuellen Niveau:
- Goldman Sachs: 4.900 Dollar
- Morgan Stanley: 5.200 Dollar
- UBS: 5.500 Dollar
- Bank of America und J.P. Morgan: rund 6.000 Dollar
- Wells Fargo: 6.100 bis 6.300 Dollar
Kurzfristig dominiert der Druck durch den starken Dollar und hohe Zinsen. Die Schwäche zeigt sich auch im Chart. Fällt der PCE-Bericht am Donnerstag höher aus als erwartet, droht ein direkter Test der 4.000-Dollar-Marke.
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