Gold, Dollar

Gold: 2,62 Prozent auf 4.019,50 Dollar

Veröffentlicht am: 13.07.2026 um 21:15 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Trotz Nahost-Krise fällt Gold auf 4.020 Dollar. Steigende Ölpreise und Zinsängste belasten das Edelmetall stärker als die Krisennachfrage.

Goldpreis unter Druck: Krieg treibt Öl, nicht das Edelmetall
Ein einzelner, leicht angelaufener Goldbarren ruht auf einer dunklen, strukturierten Oberfläche in einem gedämpften Licht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Krieg im Nahen Osten, Öl auf dem Weg zu 100 Dollar, Inflationsangst überall. Trotzdem verkauft der Markt Gold. Das Edelmetall verliert am Montag 2,62 Prozent und fällt auf 4.019,50 US-Dollar pro Feinunze.

Eigentlich gilt Gold als Krisenwährung. Bei militärischen Eskalationen suchen Anleger normalerweise Schutz im Edelmetall. Am 13. Juli 2026 funktioniert dieses Muster nicht.

Das Inflations-Paradox

Der Grund liegt in der drohenden Sperrung der Straße von Hormuz. US-Luftschläge gegen iranische Ziele und die angedrohte Blockade der wichtigsten Öl-Route treiben die Preise für Rohöl nach oben. Steigende Energiekosten heizen die globale Teuerung an.

Das schafft ein Paradoxon. Höhere Inflation bedeutet für Investoren eine höhere Wahrscheinlichkeit weiterer Zinsschritte der US-Notenbank. Der neue Fed-Chef Kevin Warsh gilt als Verfechter eines harten geldpolitischen Kurses.

Gold wirft keine Zinsen ab. Steigen die Renditen für Staatsanleihen, wachsen die Opportunitätskosten fürs Halten des Metalls. Private Anleger bauen deshalb Bestände ab und flüchten in verzinste Anlagen.

Die Kurszahlen zeigen das Ausmaß der Korrektur deutlich. Auf Wochensicht verliert Gold 3,76 Prozent, auf Monatssicht 5,19 Prozent. Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 7,42 Prozent.

Zentralbanken kaufen, während Private verkaufen

Während private Investoren nervös verkaufen, zeigt sich bei den Notenbanken ein völlig anderes Bild. Souveräne Institutionen nutzen das aktuelle Preisniveau gezielt für Zukäufe.

Besonders aktiv ist die polnische Nationalbank. Sie kaufte allein im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 82 Tonnen Gold. Die polnischen Reserven stiegen damit auf über 632 Tonnen, das langfristige Ziel liegt bei 700 Tonnen.

Auch die chinesische Zentralbank bleibt aktiv. Mit einem Zukauf von 15 Tonnen im Juni verlängerte die People's Bank of China ihre Kaufserie auf den zwanzigsten Monat in Folge. Diese institutionelle Nachfrage wirkt derzeit als wichtigstes Gegengewicht zum Verkaufsdruck an den Terminmärkten.

Technisches Bild bleibt angespannt

Die Charttechnik untermauert die Schwäche. Gold notiert 7,71 Prozent unter dem 50-Tage-Durchschnitt und 11,45 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI liegt bei 37,6 — nahe der überverkauften Zone, aber noch nicht dort.

Zum 52-Wochen-Hoch von 5.626,80 US-Dollar aus dem Januar fehlen mittlerweile 28,57 Prozent. Zum jüngsten Tief bei 3.901,30 US-Dollar aus dem Oktober beträgt der Abstand nur noch 3,03 Prozent. Analysten beobachten deshalb die Marke von 4.000 US-Dollar genau. Sie diente in den vergangenen Wochen mehrfach als psychologische Unterstützung.

Der weitere Verlauf hängt von zwei Terminen ab: den kommenden US-Verbraucherpreisdaten und den öffentlichen Anhörungen von Kevin Warsh. Bestätigen die Inflationsdaten die Marktsorgen, dürfte der Druck auf Gold vorerst anhalten — trotz der angespannten Weltlage. Erst eine Entspannung an der Zinsfront oder eine Eskalation, die das Finanzsystem direkt bedroht, könnte Gold seinen Status als Krisenwährung zurückgeben.

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