Gold: 17. Juli auf Acht-Monats-Tief
Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Juli 2026 den niedrigsten Schlussstand seit acht Monaten markiert. Das Edelmetall fiel im Handelsverlauf zeitweise auf rund 3.960 US-Dollar je Feinunze, nachdem es in der Nacht zuvor kurzzeitig sogar unter 3.950 Dollar gerutscht war. Aktuell notiert Gold bei 4.022,50 US-Dollar und legt am Tag um 1,06 Prozent zu – die Erholung reicht aber nicht aus, um den Wochenverlust auszugleichen: Auf Sicht von sieben Tagen steht weiterhin ein Minus von 2,55 Prozent zu Buche.
Iran-Konflikt und Fed-Zinssignale drücken Kurs
Auslöser der jüngsten Schwäche ist ein Zusammenspiel aus geopolitischer Eskalation und einer plötzlich restriktiveren Tonlage der US-Notenbank. Die USA und der Iran tauschten am sechsten Tag in Folge Angriffe aus: Amerikanische Streitkräfte griffen iranische Militärinfrastruktur bei Bandar Abbas und auf Qeshm Island an, während der Iran mit Raketen und Drohnen auf US-Stützpunkte in Bahrain und Kuwait reagierte. Die Straße von Hormus, durch die täglich rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert werden, war zeitweise faktisch blockiert. In der Folge zogen die Ölpreise binnen einer Woche um rund elf Prozent an, was die Inflationssorgen an den Märkten neu befeuerte.
Gleichzeitig verschärften mehrere Fed-Vertreter ihre Rhetorik. Lorie Logan von der Dallas Fed und Fed-Vize Philip Jefferson signalisierten, dass höhere Zinsen nötig sein könnten, sollte der Inflationsdruck nicht nachlassen. Fed-Vorsitzender Kevin Warsh betonte die Priorität der Inflationsbekämpfung. Der Markt preist inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 73 bis 75 Prozent für eine Zinserhöhung bis Dezember ein – ein Umfeld, das klassischerweise zinslos gehaltenes Gold belastet. Die für den 29. Juli terminierte Fed-Zinsentscheidung rückt damit in den Fokus der Anleger. Parallel griffen die Turbulenzen auf andere Märkte über: Asiatische Aktienindizes gaben deutlich nach, der Nikkei 225 verlor rund vier Prozent, und auch an der Wall Street belastete ein Ausverkauf bei Chipwerten die Stimmung.
Analystenhäuser zwischen Warnung und Kursziel-Optimismus
Die Bank of America sieht das Edelmetall an einem Scheideweg. Ihr technischer Analyst Paul Ciana verweist auf ein am 26. Juni bei 4.088,74 Dollar aufgetretenes „Death Cross“ und rechnet mit einer Korrektur, die bis in den August oder September andauern könnte. Als nächste Unterstützungen nennt die Bank 3.600 Dollar sowie eine Zone zwischen 3.450 und 3.250 Dollar; im ungünstigsten Fall hält sie einen Rückgang bis 3.500 Dollar für möglich. Die durchschnittliche Jahresprognose für 2026 senkte das Institut auf 4.360 Dollar, hält aber an einem Zielwert von 6.000 Dollar für 2027 fest und empfiehlt gestaffelte Käufe auf dem Weg dorthin.
Auch andere Häuser haben ihre Ziele zuletzt eingedampft. JPMorgan reduzierte seine Prognose für das vierte Quartal 2026 auf 4.500 Dollar, Commerzbank senkte ihre Jahresprognose auf 4.800 Dollar – bereits die fünfte Bank, die ihre Erwartungen nach unten korrigiert. Citigroup rechnet kurzfristig, auf Sicht von null bis drei Monaten, mit einem Rückgang auf 4.300 Dollar und begründet dies mit einer möglichen Entspannung im Nahost-Konflikt sowie niedrigerer Inflation.
Einen deutlich optimistischeren Ton schlägt Goldman Sachs an. Die Bank hält an ihrem Kursziel von 4.900 Dollar je Unze bis Ende 2026 fest. Analystin Lina Thomas verweist dabei auf die Nachfrage der Zentralbanken als Preisstütze: Im Mai kauften Notenbanken weltweit 81 Tonnen Gold, auf saisonbereinigter Dreimonatsbasis liegt das Tempo bei 67 Tonnen pro Monat – deutlich mehr als die rund 17 Tonnen, die vor 2022 üblich waren. Goldman erwartet für das laufende Jahr im Schnitt 50 Tonnen monatlicher Käufe, 2027 rechnet die Bank mit 40 Tonnen.
Zentralbanken kaufen weiter, physische Nachfrage in China schwächelt
Während institutionelle Käufer offenbar weiter zugreifen, kühlt die physische Nachfrage in Teilen Asiens spürbar ab. Der Rückgang der internationalen Notierungen hat auch die chinesischen Binnenpreise gedrückt: Goldschmuck kostete zuletzt zwischen 1.340 und 1.370 Yuan pro Gramm, nach zuvor 1.600 bis 1.700 Yuan, während Investmentbarren unter 980 Yuan rutschten. Beim Pekinger Händler Caibai sei die Zahl der Käufer von Anlagebarren nach Berichten um rund 60 Prozent zurückgegangen. Zur Einordnung der langfristigen Bedeutung von Gold als Reserveasset verwies ein Marktbericht zudem darauf, dass der Goldanteil an den globalen Währungsreserven mittlerweile bei 27 Prozent liegt und damit den Anteil von US-Staatsanleihen von 22 Prozent übertrifft.
Charttechnisch bleibt die Lage angeschlagen: Der Relative-Stärke-Index von 40,7 signalisiert weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen, doch der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt von aktuell minus 6,54 Prozent zeigt, wie deutlich sich der kurzfristige Trend eingetrübt hat. Vom Rekordhoch bei 5.626,80 Dollar aus Ende Januar trennen den Goldpreis inzwischen 28,51 Prozent – ein Ausmaß, das die Debatte über eine länger andauernde Korrekturphase befeuert.
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