GHG-Protokoll, Regeln

GHG-Protokoll: Neue Regeln für grünen Strom erschüttern Tech-Riesen

31.01.2026 - 03:31:12

Eine geplante Reform des Greenhouse Gas Protocol verlangt stündliche und lokale Ökostrom-Nachweise, was die Klimabilanzen und Energiekosten der Tech-Industrie massiv verändern könnte.

Das weltweit führende Regelwerk für CO₂-Bilanzierung steht vor einer historischen Reform. Die heute endende Konsultation zum Greenhouse Gas Protocol könnte die Klimabilanzen der Tech-Industrie auf den Kopf stellen – und ihre Energiekosten explodieren lassen.

Striktere Regeln für Ökostrom-Nachweise

Im Kern geht es um die Scope-2-Emissionen, also den indirekten CO₂-Ausstoß aus eingekauftem Strom. Bislang konnten Konzerne ihren Verbrauch pauschal mit jährlichen Ökostrom-Zertifikaten ausgleichen – oft aus weit entfernten Regionen. Die neuen Regeln verlangen stündliche und lokale Übereinstimmung zwischen Verbrauch und grüner Erzeugung.

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„Das wäre ein Paradigmenwechsel“, erklärt eine Energieexpertin. „Plötzlich zählt nur noch, was physikalisch im Netz ankommt – und zwar genau dann, wenn der Server läuft.“ Für Tech-Unternehmen bedeutet das: Entweder sie investieren massiv in lokale Speicherlösungen und Grundlast-Kraftwerke wie Geothermie, oder ihre Klimabilanzen werden deutlich schlechter.

KI-Boom als Treiber der Debatte

Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Künstliche Intelligenz treibt den Energiehunger von Rechenzentren in bisher ungeahnte Höhen. Prognosen für 2026 gehen von einem globalen Verbrauch von über 1.000 Terawattstunden aus – vergleichbar mit dem gesamten Strombedarf Deutschlands.

„Unter den aktuellen Regeln könnte ein Rechenzentrum theoretisch rund um die Uhr laufen, aber nur mit Zertifikaten aus norwegischer Wasserkraft als ‚100 Prozent erneuerbar‘ gelten“, kritisiert ein Umweltökonom. Die neuen Vorschriften würden diese Lücke schließen und den Druck auf Unternehmen wie Google, Microsoft und Amazon erhöhen, ihre KI-Infrastruktur wirklich nachhaltig zu betreiben.

Tech-Riesen gespalten über Reform

Die Industrie reagiert gespalten. Während Google und Microsoft die Reform befürworten und bereits auf stündliche Abgleichungen setzen, warnen andere vor den Folgen. „Zu strikte Regeln könnten den Ausbau erneuerbarer Energien ausbremsen“, warnt ein Branchenvertreter. Die Befürchtung: Wenn Zertifikate aus alten Projekten nicht mehr zählen, sinkt die Finanzierung für neue Wind- und Solarparks.

Dahinter steht ein grundsätzlicher Konflikt: Soll das Regelwerk maximal wissenschaftlich präzise sein – oder praktisch umsetzbar für Unternehmen jeder Größe? „Wir brauchen beides“, fordert eine Nachhaltigkeitsmanagerin. „Aber die Glaubwürdigkeit der Klimazähler steht auf dem Spiel.“

Milliardeninvestitionen in der Schwebe

Die Entscheidung des GHG-Protokolls wird weit über Klimaberichte hinauswirken. Sie beeinflusst Billionen Dollar an Investitionen in Rechenzentren bis 2030 und die Entwicklung globaler Stromnetze. Unternehmen, die bisher auf günstige Massenzertifikate setzten, drohen plötzlich schlechte Klimabilanzen – und erheblicher Reputationsschaden.

Für Investoren wird die Energiestrategie zum Finanzrisiko. „Wie ein Unternehmen seinen Strom beschafft, ist längst keine Öko-Frage mehr“, betont ein Analyst. „Es geht um Versorgungssicherheit, Kostenkontrolle und regulatorische Risiken.“ Die neuen Standards sollen Greenwashing verhindern, während Behörden weltweit schärfer gegen irreführende Klimaaussagen vorgehen.

Langer Weg bis zur Umsetzung

Mit dem Ende der Konsultation beginnt jetzt die Auswertung. Hunderte Stellungnahmen von Unternehmen, Verbänden und Wissenschaftlern müssen geprüft werden. Eine zweite Konsultation ist für später in diesem Jahr geplant, die endgültige Veröffentlichung erst 2027.

Bis dahin planen Tech-Konzerne im Ungewissen. Neue Rechenzentren werden bereits jetzt auf verschiedene Szenarien hin optimiert. Die Botschaft ist klar: Die Ära der einfachen Ökostrom-Zertifikate geht zu Ende – die Ära der physikalischen Nachhaltigkeit beginnt.

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