Frauen in Vorständen: Stagnation beendet jahrelangen Aufwärtstrend
16.01.2026 - 17:32:12Der Anteil von Frauen in deutschen Vorständen stagniert erstmals seit Jahren – und fällt teilweise sogar leicht zurück. Neue Studien zeichnen ein ernüchterndes Bild für die Gleichstellung in der Wirtschaft.
Aktuelle Daten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der Initiative Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR) belegen einen klaren Bruch mit der bisherigen Dynamik. Im Herbst 2025 lag der Frauenanteil in den Vorständen der 200 umsatzstärksten Unternehmen (ohne Finanzsektor) nur noch bei 18,6 Prozent. Das ist ein leichter Rückgang um 0,5 Prozentpunkte im Jahresvergleich. Bei den Vorstandsvorsitzen verharrte der Wert bei lediglich 7,3 Prozent.
Finanzbranche als positive Ausnahme
Während die meisten Branchen stagnieren, zeigt der Finanzsektor gegenläufige Tendenzen. Bei den 100 größten Banken stieg der Frauenanteil in den Vorständen auf knapp 22 Prozent, bei Versicherungen auf etwas mehr als 21 Prozent. Diese Entwicklung macht deutlich: Fortschritte sind weiterhin möglich. Der allgemeine Stillstand in der Breite der deutschen Wirtschaft wirkt dadurch umso alarmierender.
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Gesetzeswirkung lässt nach – Debatte um Quoten dürfte aufflammen
Experten wie Katharina Wrohlich vom DIW werten die Zahlen als klares Warnsignal. Die Schubkraft der gesetzlichen Regelungen, insbesondere der Führungspositionengesetze (FüPoG), scheint nachzulassen. Die FidAR-Studie untermauert dies: Unternehmen ohne gesetzliche Quote weisen mit 14,2 Prozent einen deutlich geringeren Frauenanteil auf als solche, die unter die Regelung fallen.
Die Erkenntnis nährt eine alte Debatte: Können freiwillige Selbstverpflichtungen überhaupt die gewünschte Wirkung erzielen? Die Diskussion über eine mögliche Verschärfung oder Ausweitung der gesetzlichen Vorgaben dürfte daher neu entfacht werden.
DAX zeigt gemischtes Bild – Deutschland droht international zurückzufallen
Innerhalb des DAX gibt es weiterhin Vorreiter und Nachzügler. Immerhin 18 der 40 Konzerne haben zwei oder mehr Frauen im Vorstand, vier werden von einer Frau als CEO geführt. Unternehmen wie Beiersdorf oder Siemens Healthineers zeigen, dass paritätische Besetzung möglich ist. Dem stehen jedoch Konzerne wie Brenntag gegenüber, die zum Jahresbeginn 2026 ganz ohne Frau im Vorstand agierten.
Im internationalen Vergleich wird die Lage prekär. Jüngste Analysen zeigen, dass Deutschland neben Schweden zu den einzigen Märkten zählt, in denen die Zahl der Frauen in Vorständen sank. Ein schlechtes Signal für die Wettbewerbsfähigkeit, wenn hochqualifizierte Talente nicht genutzt werden.
Was bedeutet der Stillstand für die Zukunft?
Die Stagnation beendet eine fast zehnjährige Phase des kontinuierlichen, wenn auch langsamen Anstiegs. Sie markiert einen kritischen Punkt. Die Daten legen nahe: Externer Druck durch gesetze war ein entscheidender Treiber. Wo er fehlt, bleibt der Wandel oft aus.
Für die deutsche Wirtschaft ist dies eine verpasste Chance. Diversere Führungsteams führen nachweislich zu besseren und nachhaltigeren Entscheidungen. Die kommenden Monate werden zeigen, ob es sich um eine vorübergehende Delle oder den Beginn einer längerfristigen Stagnation handelt. Sicher ist: Die Debatte um wirksame Gleichstellungsinstrumente wird die wirtschaftspolitische Agenda 2026 maßgeblich prägen.
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