Frankreichs Rentenreform: Mehr Geld für Mütter ab September
06.04.2026 - 09:48:48 | boerse-global.deAb September 2026 erhalten französische Mütter deutlich höhere Renten. Die Regierung reformiert die Berechnungsgrundlage, um die sogenannte „Mutterschaftsstrafe“ im Pensionssystem zu beenden. Die Änderungen sind Teil des Sozialhaushalts 2026 und zielen darauf ab, die Rentenlücke zwischen Frauen und Männern zu schließen.
Neue Berechnung: Beste Jahre zählen mehr
Auch in Deutschland beeinflussen Familienzeiten die spätere Absicherung, weshalb rechtssichere Vereinbarungen zur Arbeitszeitverkürzung immer wichtiger werden. Dieser kostenlose Ratgeber erklärt, wie Sie die Brückenteilzeit korrekt beantragen und Ihren gesetzlichen Anspruch auf Arbeitszeitverringerung sicher durchsetzen. Gratis-Ratgeber zur Teilzeitregelung herunterladen
Der Kern der Reform ist eine neue Formel für die Basisrente im privaten Sektor. Bisher wurde die Rente aus dem Durchschnitt der 25 bestbezahlten Jahre errechnet. Künftig werden für Mütter schlechtere Jahre gestrichen: Bei einem Kind werden nur die 24 besten Jahre, bei zwei oder mehr Kindern nur die 23 besten Jahre herangezogen.
Das hat konkrete finanzielle Folgen. Für Mütter, die wegen Kindererziehung in Teilzeit arbeiteten oder pausierten, steigt der Durchschnittsjahreslohn (SAM) als Berechnungsgrundlage. Erste Simulationen deuten auf monatliche Mehrbeträge von mehreren Dutzend Euro hin. Die Maßnahme soll karrierebedingte Einbußen ausgleichen.
Zusatzpunkte und Bonus für Großfamilien
Zusätzlich zur neuen Berechnung wird das System der Erziehungsviertel („Quarters“) bestätigt und ausgeweitet. Mütter können pro Kind bis zu acht zusätzliche Rentenpunkte sammeln – vier für die Geburt und vier für die Erziehung. Diese Punkte sind entscheidend, um die volle Rente ohne Abschläge zu erhalten.
Ein Highlight der Reform: Mütter von drei oder mehr Kindern erhalten einen pauschalen Rentenbonus von 10 Prozent. Dieser wird direkt auf die Endsumme aufgeschlagen und bietet größeren Familien spürbare Entlastung. Die Beantragung der Erziehungsviertel wurde zudem vereinfacht, auch bei komplexen Familienverhältnissen.
Früher in Rente mit „Carrière Longue“
Eine wichtige Neuerung betrifft die „Carrière Longue“-Regelung für den vorzeitigen Renteneintritt. Bisher wurden Erziehungszeiten hier oft nicht angerechnet. Das ändert sich 2026: Bis zu zwei Erziehungsviertel können nun auf die notwendige Beitragszeit angerechnet werden.
Das ist besonders für Frauen relevant, die früh ins Berufsleben starteten, aber für Kinder pausierten. Sie können so unter Umständen bereits mit 60 oder 62 Jahren in Rente gehen. Dieser Schritt gilt als Reaktion auf die Proteste von 2023, die zeigten, wie Frauen mit unterbrochenen Erwerbsbiografien benachteiligt wurden.
Kontext: Neuer Elternurlaub und aufgeschobene Alterserhöhung
Die Rentenreform ist Teil eines größeren Pakets im Sozialhaushaltsgesetz 2026. Ab Juli 2026 führt Frankreich einen neuen, staatlich finanzierten „Geburtsurlaub“ (congé de naissance) ein. Dieser bietet bis zu zwei Monate Zusatzzeit bei Lohnfortzahlung nach dem Ende des Mutterschutz- oder Vaterschaftsurlaubs.
Damit werdende Mütter schon während der Erwerbsphase optimal geschützt sind, müssen Betriebe gesetzliche Schutzpflichten strikt einhalten. Ein kostenloser Leitfaden unterstützt Arbeitgeber und Personalverantwortliche mit Checklisten dabei, Gefährdungsbeurteilungen zum Mutterschutz rechtssicher und behördlich anerkannt zu erstellen. Kostenlose Checkliste zum Mutterschutz sichern
Auch diese Zeit wird für die Rentenansprüche angerechnet. Zudem hat das Parlament Teile der umstrittenen Reform von 2023 ausgesetzt. Die geplante Anhebung des Rentenalters auf 64 Jahre für bestimmte Jahrgänge ist bis 2027 gestoppt. Das schafft Planungssicherheit für Mütter, die die neuen Regeln nutzen wollen.
Hintergrund: Kampf gegen die Rentenlücke
Die Reformen adressieren ein drängendes Problem: Französische Frauen erhalten im Schnitt noch immer 40 Prozent weniger Rente als Männer. Grund sind häufig niedrigere Lebenseinkommen und Teilzeitarbeit. Indem die Berechnungsgrundlage verkürzt wird, will der Staat die Alterssicherung von der durchgängigen Erwerbsbiografie entkoppeln.
Die Kosten der Maßnahmen sollen durch eine 2,05-Prozent-Abgabe auf Zusatzkrankenversicherungen und einen vorübergehenden Inflationsausgleich für Spitzenverdiener gedeckt werden. Gewerkschaften begrüßen die Schritte als richtige, wenn auch nicht ausreichende Maßnahme für mehr Gerechtigkeit.
Ausblick: Umsetzung ab September 2026
Die finalen Durchführungsverordnungen werden in den kommenden Wochen erwartet. Mütter, die gegen Ende des Jahres in Rente gehen wollen, sollten die aktualisierten Online-Simulationstools („info-retraite“) nutzen, die seit April die neuen Parameter berücksichtigen.
Ein vollständiger Antrag auf Rentenbeginn sollte erst nach dem 1. September 2026 gestellt werden, um in den Genuss der neuen Berechnung zu kommen. Die Wirksamkeit der Reform wird 2028 überprüft. Ziel ist ein familienfreundlicheres Rentenmodell, das verhindert, dass Erziehungsarbeit im Alter in Armut mündet.
So schätzen die Börsenprofis Aktien ein!
Für. Immer. Kostenlos.

