Forsa-Umfrage: Deutsche Arbeitnehmer trotzen der KI-Sorge
17.01.2026 - 15:23:12Nur 9 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fürchten, dass KI ihren Job in fünf Jahren ersetzen könnte. Das zeigt eine aktuelle Forsa-Umfrage – und widerspricht damit dem alarmistischen öffentlichen Diskurs.
Berlin. Während Medien und Experten vor einer Job-Apokalypse durch Künstliche Intelligenz warnen, bleibt die deutsche Belegschaft erstaunlich gelassen. Eine repräsentative Umfrage des Instituts Forsa im Auftrag von Table.Briefings, die am 17. Januar 2026 veröffentlicht wurde, enthüllt eine tiefe Kluft zwischen globaler Debatte und persönlichem Sicherheitsgefühl. Demnach schätzen 90 Prozent der Befragten das Risiko, durch KI ersetzt zu werden, als gering ein.
Überwältigende Gelassenheit im Berufsleben
Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: 64 Prozent der 1.004 befragten Arbeitnehmer halten die Wahrscheinlichkeit für „sehr gering“, 26 Prozent für „eher gering“. Nur eine kleine Minderheit von 9 Prozent sieht eine „hohe“ oder „sehr hohe“ Gefahr für den eigenen Arbeitsplatz innerhalb der nächsten fünf Jahre.
Diese Zuversicht herrscht, obwohl KI-Tools wie ChatGPT und Copilot längst in deutsche Unternehmen einziehen. Die Umfrage zeigt ein bemerkenswertes psychologisches Phänomen: Je näher die Technologie rückt, desto geringer scheint die persönliche Bedrohung wahrgenommen zu werden. Ein klassischer „Das betrifft mich nicht“-Bias?
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Beamte fühlen sich sicher, Arbeiter sind skeptischer
Doch die Gelassenheit ist nicht gleichmäßig verteilt. Die Umfrage offenbart deutliche Unterschiede zwischen Berufsgruppen und Geschlechtern.
Beamte führen das Sicherheitsranking an: 78 Prozent von ihnen fühlen sich „sehr sicher“. Das unterstreicht die wahrgenommene Stabilität des öffentlichen Dienstes, der oft vor schnellen Marktumwälzungen geschützt ist.
Bei Arbeitern sieht das anders aus. Hier halten nur 54 Prozent das Risiko für „sehr gering“. Diese Gruppe ist auch am besorgtesten – jeder Zehnte rechnet mit einem hohen Verdrängungsrisiko.
Auch das Geschlecht spielt eine Rolle: Frauen (12 Prozent) zeigen sich etwas besorgter als Männer (8 Prozent). Überraschend: Weder Alter noch Region beeinflussen die Ängste maßgeblich. Die Sorge vor KI ist demnach kein Generationen-Phänomen, sondern eine Frage der beruflichen Verortung.
Die gefährliche Lücke: Unternehmenspläne vs. Mitarbeitergefühl
Hier wird es brisant. Während die Arbeitnehmer in Sorglosigkeit schwelgen, verfolgen ihre Arbeitgeber ganz andere Pläne. Das Table.Briefings-Report stellt den Forsa-Daten eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW Köln) gegenüber – mit alarmierenden Diskrepanzen.
Laut IW setzen 85 Prozent der KI-nutzenden Unternehmen die Technologie gezielt zur Automatisierung von Routineaufgaben ein. Noch deutlicher: 30 Prozent geben offen zu, damit Personalkosten senken zu wollen. Bei Großunternehmen steigt dieser Wert auf 56 Prozent.
Die wirtschaftlichen Anreize sind enorm. Firmen berichten von durchschnittlich 13 Prozent höherer Produktivität pro Jahr dank KI. Bis 2030 könnte generative KI rund 3,9 Milliarden Arbeitsstunden in der deutschen Wirtschaft einsparen. Eine strukturelle Transformation bahnt sich an, die irgendwann auf das aktuelle Sicherheitsgefühl der Belegschaft treffen dürfte.
Vom theoretischen Schrecken zur praktischen Umsetzung
Die aktuelle Gelassenheit markiert eine deutliche Veränderung gegenüber 2025. Damals fürchtete noch bis zu ein Drittel der Deutschen den Jobverlust durch KI. Ein Xing-Arbeitsmarktbericht vom Spätjahr 2025 kam auf 16 Prozent besorgte Beschäftigte.
Der Absturz auf nun 9 Prozent könnte bedeuten: Die praktische Erfahrung mit KI-Tools nimmt den Schrecken. Mitarbeiter sehen ChatGPT & Co. eher als Assistenten denn als Konkurrenten. Oder es bestätigt sich die menschliche Tendenz, allgemeine Risiken anzuerkennen, aber für das eigene Schicksal auszublenden.
Arbeitsmarktexperten sehen in der Lücke zwischen den 56 Prozent der Großunternehmen mit Personalplanungen und den 9 Prozent besorgten Arbeitnehmern ein gefährliches Potenzial. „Wenn die Automatisierungspläne der Unternehmen wie prognostiziert umgesetzt werden, könnte sich die aktuelle Sicherheit als trügerisch erweisen“, so ein Analyst.
Der stille Wandel hat bereits begonnen
Mit der vollständigen Anwendbarkeit des EU-KI-Gesetzes und dem Übergang von Pilotprojekten zur flächendeckenden Einführung tritt die Debatte in eine neue Phase. Die Auswirkungen werden 2026 konkreter sichtbar werden.
Arbeitsmarktbeobachter erwarten keine Massenentlassungen, sondern einen „leisen“ Personalabbau. Gemeint ist: Freiwerdende Stellen nach Renteneintritten oder Kündigungen werden einfach nicht neu besetzt. Ihre Aufgaben übernimmt stattdessen die KI.
Betroffen sein werden zunächst administrative Tätigkeiten und Back-Office-Rollen – genau jene Routineaufgaben, die 85 Prozent der Unternehmen automatisieren wollen. Die deutsche Belegschaft mag also heute noch gelassen bleiben. Die eigentliche Bewährungsprobe steht jedoch noch bevor, wenn aus Unternehmensstrategien gelebte Arbeitsrealität wird.
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