EU-Reparaturrecht zwingt Apple & Co. zum Umdenken
16.02.2026 - 05:32:12Ab Juli 2026 müssen Smartphone-Hersteller ihre Geräte einfacher und günstiger reparierbar machen. Eine entscheidende Frist im deutschen Gesetzgebungsverfahren ist diese Woche verstrichen und ebnet den Weg für das neue EU-Recht. Das markiert einen Wendepunkt im Kampf gegen Elektroschrott und stärkt Verbraucher nachhaltig.
Was das neue Gesetz konkret bedeutet
Die auf EU-Richtlinien basierenden Regelungen setzen verbindliche Standards für Smartphones und Tablets. Die Kernpunkte:
* Sieben Jahre Ersatzteile: Hersteller müssen wichtige Teile wie Akkus und Displays mindestens sieben Jahre nach Verkaufsstopp eines Modells verfügbar halten.
* Faire Preise und Lieferzeiten: Die Teile müssen zu „angemessenen“ Preisen angeboten und innerhalb von fünf bis zehn Werktagen geliefert werden.
* Ende der Reparatur-Sperren: Software- oder Hardware-Hürden, die Reparaturen durch Dritte blockieren, werden verboten.
* Mehr Rechte für Kunden: Wer sich innerhalb der Gewährleistung für eine Reparatur entscheidet, erhält ein Jahr Garantie-Verlängerung. Reparaturanleitungen müssen öffentlich zugänglich sein.
Hersteller-Programme im Check: Vorreiter und Zögerer
Unter dem wachsenden Druck haben die Tech-Giganten bereits eigene Initiativen gestartet – mit unterschiedlichem Engagement.
* Apple startete sein „Self Service Repair“-Programm 2022 in den USA und weitete es später auf Europa aus. Es richtet sich laut Konzern aber explizit an erfahrene Nutzer.
* Samsung zog 2023 in Deutschland nach und schloss sogar seine Falt-Handys in das Programm ein.
* Google reagierte oft mit erweiterten Reparatur-Optionen auf konkrete Probleme, etwa Display-Fehler bei Pixel-Geräten.
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Die neuen EU-Vorschriften werden diese freiwilligen Ansätze nun zu einem branchenweiten Standard machen. Reparaturfreundlichkeit darf kein Luxus mehr sein.
Mehr als nur gespartes Geld: Der große Nutzen
Die Vorteile des Rechts auf Reparatur sind vielfältig. Verbraucher profitieren von längeren Nutzungszeiten ihrer Geräte und brechen aus der Abhängigkeit von teuren Hersteller-Werkstätten aus.
Noch bedeutender ist der ökologische Effekt. Die Smartphone-Produktion ist extrem ressourcenhungrig. Jedes länger genutzte Gerät spart Energie und Rohstoffe und reduziert den Berg an Elektroschrott. Prognosen sagen bis 2030 weltweit rund 74,7 Millionen Tonnen E-Müll voraus – Initiativen wie diese sind ein entscheidender Hebel dagegen.
Der Paradigmenwechsel und seine Hürden
Der Weg zu einer reparaturfreundlichen Industrie ist steinig. Viele Geschäftsmodelle basieren noch auf kurzen Produktzyklen und stetigem Neukauf. Bestehende Programme zeigen die Probleme:
Die Partnerschaft zwischen Samsung und dem Reparatur-Spezialisten iFixit scheiterte, weil Ersatzteile zu teuer und verklebte Komponenten die Reparatur unnötig schwer machten.
Manchmal kostet eine Selbstreparatur über das Hersteller-Programm sogar mehr als der Dienst beim Konzern selbst. Genau hier setzt das Gesetz an, um faire Bedingungen durchzusetzen.
Ausblick: Das Ende der Wegwerf-Smartphones
Ab Sommer 2026 ändert sich der Markt nachhaltig. Verbraucher bekommen nicht nur das Reparaturrecht, sondern auch mehr Transparenz: Ein Reparierbarkeitsindex auf dem EU-Energielabel soll die Kaufentscheidung erleichtern.
Ab 2027 müssen Akkus sogar ohne Spezialwerkzeug wechselbar sein. Hersteller müssen Langlebigkeit schon im Design mitdenken. Die Ära, in der ein gesprungenes Display das Todesurteil für ein ansonsten funktionierendes Smartphone war, geht damit zu Ende.
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