EU-Parlament, Schicksal

EU-Parlament entscheidet über Schicksal des US-Zoll-Deals

04.02.2026 - 16:05:12

Das Europaparlament stimmt über die Umsetzung des umstrittenen US-Handelsdeals ab. Der Ausgang ist ungewiss und entscheidet über die Zukunft transatlantischer Handelsbeziehungen.

Brüssel steht vor einer handelspolitischen Nagelprobe. Das Europaparlament muss heute über die Umsetzung des umstrittenen Zollabkommens mit den USA entscheiden – ein kritischer Stresstest für die transatlantischen Beziehungen. Im Kern geht es um die Frage: Wie reagiert Europa auf nachträgliche US-Strafzölle, die heimische Schlüsselindustrien treffen?

Einigung oder Scheitern? Die Fraktionen ringen

Unter der Leitung von Bernd Lange (SPD) sucht der Handelsausschuss nach einem Kompromiss. Die Fronten sind verhärtet: Die Sozialdemokraten (S&D) fordern eine harte Linie. Sie wollen Produkte, die von den neuen US-Zöllen betroffen sind, von europäischen Zollerleichterungen ausnehmen. Die Europäische Volkspartei (EVP) plädiert dagegen für eine umfassendere Streichung von Zöllen, um das gesamte Abkommen zu retten. Besonders aus der französischen Delegation der liberalen Renew-Fraktion kommt erhebliche Skepsis. Das macht den Ausgang der Abstimmung am Nachmittag völlig offen.

Der Zündstoff: Nachgeschobene Strafzölle

Der Konflikt entzündet sich an einer Maßnahme Washingtons. Nach Abschluss des ursprünglichen Deals weiteten die USA ihre Strafzölle auf über 400 weitere stahlhaltige Produkte aus. Dieser Schritt traf den europäischen Maschinenbau völlig unvorbereitet. Für die EU untergräbt er das Fundament der Vereinbarung. Die Frage an die Abgeordneten lautet: Soll man diese Ausweitung hinnehmen, um den Gesamtdeal zu retten? Oder muss Europa ein klares Zeichen gegen solches Vorgehen setzen – selbst um den Preis eines Scheiterns?

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Hohe Kosten für die deutsche Wirtschaft

Die US-Handelspolitik stellt seit Anfang 2025 eine massive Belastung dar. Die Erhöhung der Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte auf bis zu 50 Prozent hat die Exporte aus Deutschland und Europa spürbar gedrosselt. Nach Angaben des DIHK erschwert die ständige Drohung neuer Strafmaßnahmen langfristige Geschäftsplanungen erheblich. Erst im Januar 2026 wurden im Streit um Grönland weitere Zölle angedroht – ein Beleg für die anhaltende Volatilität.

Mehr als Zölle: Ein Test für Europas Geschlossenheit

Die heutige Entscheidung ist ein Lackmustest für die strategische Handlungsfähigkeit der EU. Kann sie einer unberechenbaren Handelspolitik geschlossen begegnen? Wirtschaftsverbände fordern seit langem ein entschlosseneres Auftreten und den Ausbau der strategischen Souveränität. Ein einhelliges Votum würde Stärke demonstrieren. Eine gespaltene Entscheidung würde hingegen die inneren Schwierigkeiten offenlegen, auf wirtschaftlichen Druck kohärent zu reagieren.

Die EU steckt in einem Dilemma: Nachgeben könnte als Schwäche ausgelegt werden und zu weiteren einseitigen US-Maßnahmen einladen. Eine zu harte Haltung birgt dagegen das Risiko einer eskalierenden Handelsspirale, die allen schadet.

Was folgt auf die Entscheidung?

Gelingt heute eine Einigung, kann das Abkommen im Plenum des Parlaments final ratifiziert werden. Das würde für eine teilweise Entspannung sorgen. Scheitert die Einigung, droht ein erneutes Verhandlungsdesaster – die bestehenden Strafzölle blieben auf unbestimmte Zeit in Kraft.

Eines ist sicher: Die grundlegende Unsicherheit im transatlantischen Handel bleibt bestehen. Die amerikanische Praxis, Zölle als politisches Druckmittel einzusetzen, schafft ein dauerhaft volatiles Umfeld. Die kommenden Stunden in Brüssel werden zeigen, welchen Kurs die EU in diesen stürmischen Gewässern einschlägt.

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