EU lockert massiv Regeln für nachhaltige Lieferketten
28.02.2026 - 10:31:09 | boerse-global.deDie EU hat ihre strengen Regeln für nachhaltige Lieferketten drastisch entschärft. Tausende mittelständische Unternehmen in Deutschland hoffen nun auf eine schnelle Anpassung des nationalen Gesetzes, um im globalen Wettbewerb nicht benachteiligt zu werden.
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Was die neue EU-Regelung bedeutet
Der sogenannte Omnibus I-Beschluss markiert eine komplette Kehrtwende in der europäischen Nachhaltigkeitspolitik. Statt Tausende Firmen in die Pflicht zu nehmen, konzentriert sich die Pflicht nun nur noch auf Konzerne. Die neuen Schwellenwerte sind deutlich höher: Nur noch Unternehmen mit mehr als 5.000 Mitarbeitern und einem weltweiten Nettoumsatz von über 1,5 Milliarden Euro müssen die strengen Sorgfaltspflichten in ihrer gesamten Lieferkette einhalten.
Laut ersten Analysen fallen damit rund 70 Prozent der ursprünglich betroffenen Firmen aus dem Geltungsbereich. Ein weiterer großer Brocken ist gestrichen: Die verbindliche Verpflichtung, konkrete Klimapläne zu entwickeln und umzusetzen, entfällt komplett. Parallel wurden auch die Berichtspflichten der Nachhaltigkeitsrichtlinie massiv reduziert. Firmen mit weniger als 450 Millionen Euro Jahresumsatz sind davon künftig befreit – das sind schätzungsweise 90 Prozent aller Unternehmen.
Druck auf Berlin: Deutsches Gesetz muss angepasst werden
In Deutschland brennt nun die Frage: Wann folgt die nationale Anpassung? Das deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz gilt derzeit noch für alle Unternehmen ab 1.000 Beschäftigten. Die Lücke zum neuen EU-Schwellenwert von 5.000 ist gewaltig und bedeutet einen klaren Wettbewerbsnachteil für den deutschen Mittelstand.
Die Industrieverbände, darunter Gesamtmetall, fordern die Bundesregierung deshalb mit Nachdruck auf, die europäischen Erleichterungen umgehend ins nationale Recht zu übernehmen. Ein entsprechender Gesetzentwurf zur Änderung des Lieferkettengesetzes liegt bereits im Bundestag. Die Wirtschaft drängt darauf, diese Chance für eine Angleichung zu nutzen. Ein Nichtstun Berlins würde bedeuten, dass deutsche Firmen weiterhin unter deutlich strengeren Auflagen leiden als ihre europäischen Konkurrenten.
Weniger Haftung, mehr nationale Zersplitterung
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Neben den höheren Schwellenwerten bringt das Omnibus-Paket eine entscheidende Änderung bei der Haftung. Der ursprünglich geplante, einheitliche europäische Haftungsrahmen für Verstöße in der Lieferkette wurde gestrichen. Künftig müssen mögliche Klagen auf Basis der 27 verschiedenen nationalen Rechtsordnungen geführt werden. Zudem wurden mögliche Geldstrafen auf maximal drei Prozent des globalen Umsatzes gedeckelt.
Während die Wirtschaft diese Klarstellung begrüßt, schlagen Umwelt- und Menschenrechtsorganisationen Alarm. Gruppen wie ClientEarth warnen vor einer gefährlichen Rechtszersplitterung im Binnenmarkt. Für multinationale Konzerne werde die Compliance zum Spießrutenlauf durch einen Flickenteppich nationaler Regelungen.
Der Teufel steckt im Detail: Druck trickst nach unten durch
Die politische Botschaft ist klar: Die EU priorisiert Wettbewerbsfähigkeit und Bürokratieabbau. Doch Experten weisen auf einen paradoxen Effekt hin. Zwar sind mittelständische Zulieferer von der direkten gesetzlichen Pflicht befreit. Die Großkonzerne ab 5.000 Mitarbeitern benötigen für ihre eigenen Berichte aber weiterhin detaillierte Daten aus ihrem Lieferantennetzwerk.
Der Druck wird also über vertragliche Klauseln einfach nach unten durchgereicht. Mittelständler müssen ihre Umwelt- und Sozialdaten trotzdem aufbereiten – nicht wegen des Gesetzes, sondern wegen der Nachfrage ihrer großen Kunden. Der bürokratische Aufwand verschwindet damit nicht, er ändert nur seinen Treiber.
Langer Atem: Fristen bis 2029
Unternehmen und Regierungen bekommen Zeit zum Atemholen. Die Richtlinie tritt am 18. März 2026 in Kraft. Die Mitgliedstaaten haben dann bis zum 26. Juli 2028 Zeit, die Regelungen in nationales Recht umzusetzen. Die ersten Großkonzerne müssen sich somit frühestens 2029 an die europäischen Vorgaben halten.
Für Deutschland stellt sich die akute Frage, wie es in der Übergangsphase bis 2028 weitergeht. Wird die Bundesregierung die strengeren nationalen Regeln vorzeitig aussetzen? Oder müssen deutsche Unternehmen noch Jahre länger unter einem härteren Regime arbeiten als der europäische Wettbewerb? Die Bdieebatte im Bundestag wird zeigen, wie ernst es der Politik mit dem versprochenen Bürokratieabbau wirklich ist.
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