EU-Digitalwallet tritt in Kraft, DORA-Frist drängt deutsche KMU
24.12.2025 - 14:42:12Während sich die Betriebe auf die Feiertage einstellen, treten zwei zentrale Digitalregeln der EU in Kraft – und setzen vor allem den Mittelstand unter Druck. Ab heute ist der Rechtsrahmen für die Europäische Digitale Identitäts-Wallet voll wirksam. Gleichzeitig läuft die Frist für den Digital Operational Resilience Act (DORA) in weniger als vier Wochen ab. Für viele deutsche Unternehmen bedeutet das ein Doppelproblem.
Seit diesem 24. Dezember 2024 gelten die technischen Durchführungsbestimmungen für die neue EU-Digitalwallet. Die Verordnungen legen Architektur, Zertifizierung und Datenschutzstandards fest. Für KMU ist das mehr als eine technische Neuerung: Es verändert grundlegend, wie sie mit Kunden und Geschäftspartnern interagieren.
Die Wallet muss künftig als gültiges Identifikationsmittel für öffentliche und private Dienstleistungen anerkannt werden. Branchen wie Fintech, E-Commerce und beratende Berufe stehen vor einer zentralen Aufgabe: Sie müssen die sogenannten Qualifizierten Elektronischen Attributsbescheinigungen in ihre Prozesse integrieren. Wer das frühzeitig schafft, könnte 2025 einen Vertrauensvorsprung im DACH-Markt gewinnen – besonders bei hochwertigen Transaktionen mit digitaler Signatur.
DORA-Countdown: BaFin verschärft die Tonlage
Während die eIDAS-Regeln neu sind, drängt die DORA-Frist unmittelbar. Ab dem 17. Januar 2025 müssen Unternehmen der Finanzbranche und ihre IT-Dienstleister die Vorgaben vollständig umsetzen. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat erst am 17. Dezember nachgebesserten Leitfaden veröffentlicht. Dieser klärt, welche Dokumentation für das ICT-Risikomanagement nötig ist.
Warum sind viele KMU für die neue Regulatorik besonders verwundbar? Studien zeigen: 73% der deutschen Unternehmen sind auf Cyberangriffe nicht ausreichend vorbereitet. Gerade unter DORA und NIS2 reichen reine Verträge nicht — es braucht konkrete Schutzmaßnahmen, Priorisierungen für Cloud‑Drittanbieter und Awareness‑Programme. Der kostenlose Leitfaden „Cyber Security Awareness Trends“ erklärt die aktuellen Bedrohungen, praxistaugliche Sofortmaßnahmen und wie Sie Compliance-Anforderungen ohne große Investitionen umsetzen. Jetzt kostenlosen Cyber‑Security‑Leitfaden herunterladen
Die Botschaft der Aufseher ist eindeutig: DORA betrifft nicht nur Banken, sondern jedes KMU, das Cloud-, Software- oder Datendienste für den Finanzsektor bereitstellt. Geschäftsführer können die Verantwortung für die IT-Risiken nicht mehr delegieren. Sie müssen persönlich die Cloud-Compliance-Strategie überwachen und sicherstellen, dass alle Dienstleister – von großen Hyperscalern bis zu spezialisierten SaaS-Anbietern – die strengen Resilienzstandards erfüllen.
NIS2: Deutsche Umsetzung lässt weiter auf sich warten
Die Komplexität erhöht die verzögerte Umsetzung der NIS2-Richtlinie in Deutschland. Die EU-Frist lief bereits am 17. Oktober 2024 ab, doch das deutsche Umsetzungsgesetz steht noch aus. Ein neuer Entwurf vom 2. Dezember schlägt Änderungen beim Kreis der betroffenen Unternehmen vor.
Cybersicherheitsexperten raten jedoch dringend davon ab, auf das finale Gesetz zu warten. „Die technischen Anforderungen von NIS2 sind bekannt, und die Cyber-Bedrohungslage respektiert keine legislativen Verzögerungen“, so ein Sprecher. KMU sollten sich bereits jetzt an den ISO-27001-Standard und den BSI IT-Grundschutz orientieren. Wer bis zur Verabschiedung des Gesetzes im ersten Quartal 2025 wartet, hat kaum noch Zeit für die Implementierung.
Analyse: Compliance wird zur Chef-Sache
Dieses Zusammentreffen der Regularien markiert einen Paradigmenwechsel für die deutsche Unternehmensführung. Digitale Identität und Cloud-Compliance sind keine reinen IT-Themen mehr – sie sind in der Geschäftsführung angekommen.
Unter DORA und dem bevorstehenden NIS2-Regime haften Geschäftsführer persönlich für Compliance-Verstöße. Diese verschärfte Geschäftsführerhaftung treibt die Nachfrage nach automatisierten Compliance-Plattformen und „Sovereign Cloud“-Lösungen in die Höhe. Diese garantieren von Haus aus Datensouveränität und Regelkonformität.
Marktbeobachter registrieren in den letzten Tagen eine hektische Aktivität: Viele KMU lassen nun in aller Eile ihre Cloud-Verträge prüfen. Die Erkenntnis, dass der eIDAS-2.0-Rahmen nun live ist, befeuert zudem das Interesse an „Identity-as-a-Service“-Plattformen. Sie können die neuen Wallet-basierten Verifizierungen übernehmen und entlasten so interne IT-Abteilungen.
Ausblick: Ein turbulenter Jahresstart steht bevor
Das erste Quartal 2025 wird entscheidend:
* Januar 2025: Die volle Wirksamkeit von DORA am 17. Januar wird der erste große Stresstest. Die BaFin wird voraussichtlich kurz nach der Frist Stichproben bei den Registern für IT-Drittdienstleister durchführen.
* Februar/März 2025: Der Bundestag will das NIS2-Umsetzungsgesetz finalisieren. Danach fallen schätzungsweise 30.000 weitere Unternehmen in Deutschland unter den Anwendungsbereich. Sie haben dann drei Monate Zeit, sich beim BSI zu registrieren.
Die Botschaft für deutsche Unternehmenslenker ist klar: Die Feiertage haben begonnen, doch die regulatorische Uhr tickt unüberhörbar laut.
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