Digitaler, Euro

Digitaler Euro: Sicherheitsbedenken gefährden EU-Währungsprojekt

11.01.2026 - 14:52:12

Kritische Wissenschaftler warnen vor IT-Schwachstellen im digitalen Euro, was die geplante Parlamentsentscheidung im ersten Halbjahr 2026 ins Wanken bringen könnte.

Der digitale Euro steht vor seiner entscheidenden parlamentarischen Weichenstellung – doch massive Sicherheitsbedenken könnten das milliardenschwere Vorhaben der Europäischen Zentralbank (EZB) noch ausbremsen. Am Sonntag warnten 70 europäische Wissenschaftler in einem offenen Brief vor gravierenden Schwachstellen.

Die Intervention kommt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Im ersten Halbjahr 2026 soll das Europaparlament über die Einführung der digitalen Zentralbankwährung abstimmen. Doch während die EZB unter Präsidentin Christine Lagarde die digitale Variante des Euro als unverzichtbar für die finanzielle Souveränität Europas darstellt, mehren sich kritische Stimmen. Ihr Kernvorwurf: Das Projekt könnte an mangelnder IT-Sicherheit und ungelösten Datenschutzfragen scheitern.

Cyberangriffe als existenzielle Bedrohung

Besonders heikel ist die geplante Offline-Funktionalität. Sie soll das digitale Zahlungsmittel so privat und einfach wie Bargeld machen. IT-Experten sehen darin jedoch ein erhebliches Risiko. „Wenn Hacker die Offline-Protokolle kompromittieren, könnten sie digitale Token fälschen oder doppelt ausgeben“, erklärt ein Sicherheitsanalyst. Solche Szenarien wären für die Glaubwürdigkeit der Währung fatal.

Bereits am 9. Januar hatten Cybersecurity-Experten in einer Analyse drei Hauptgefahren identifiziert: Diebstahl sensibler persönlicher Daten, Dienstunterbrechungen durch staatlich geförderte Cyberangriffe und direkter Diebstahl von Geldern durch Malware oder Phishing. Mit der Integration des digitalen Euros in das bestehende Bankensystem vergrößere sich die Angriffsfläche erheblich.

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Die technischen Herausforderungen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Europäische Finanzinstitute stehen bereits unter erheblichem regulatorischem Druck. Sie müssen ihre IT-Infrastruktur an die verschärften Vorgaben der NIS2-Richtlinie und des bevorstehenden Cyber Resilience Act anpassen. Die zusätzliche Implementierung des digitalen Euros überfordere viele Banken, heißt es aus Branchenkreisen.

Parlamentsentscheidung auf der Kippe

Die operativen Risiken verschärfen die politischen Widerstände. Obwohl der Europäische Rat dem Projekt Ende Dezember grundsätzlich zustimmte, ist die parlamentarische Mehrheit keineswegs sicher. Abgeordnete zeigen sich skeptisch, ob der ambitionierte Zeitplan angesichts der Sicherheitsbedenken haltbar ist.

Die Pilotphase ist für 2027 vorgesehen – vorausgesetzt, das Parlament gibt grünes Licht. Doch Compliance-Experten fordern, das Sicherheitsframework müsse zunächst „zukunftssicher“ gemacht werden. Gemeint sind Schutzmaßnahmen gegen Quantencomputing-Bedrohungen und KI-gestützte Cyberattacken.

Die unterzeichnenden Wissenschaftler des Sustainable Finance Lab warnen in ihrem Brief vor halbherzigen Lösungen. Ein verwässerter digitaler Euro mit niedrigen Halteobergrenzen oder schlechter Nutzererfahrung werde sich nicht durchsetzen. Die Folge: Europäische Bürger würden weiterhin auf private, nicht-europäische Zahlungslösungen setzen. Damit bliebe der Kontinent externem geopolitischem Druck ausgesetzt.

Souveränität versus Sicherheit

Die Debatte offenbart ein grundsätzliches Dilemma digitaler Finanzsysteme: den Zielkonflikt zwischen Nutzerfreundlichkeit und Sicherheit. Die EZB betont regelmäßig, der digitale Euro solle Bargeld ergänzen, nicht ersetzen. Exekutivdirektor Piero Cipollone sprach jüngst von einem notwendigen Baustein für eine „widerstandsfähigere Finanzarchitektur“.

Doch die Märkte reagieren verhalten. Finanzinstitute fürchten die Kosten für den Aufbau sicherer Infrastruktur. Gleichzeitig sorgen sie sich vor möglichen Einlagenabflüssen, sollte sich der digitale Euro als zu attraktive Wertaufbewahrung erweisen. Die EZB hat bereits Halteobergrenzen ins Spiel gebracht, um dies zu verhindern.

Im globalen Vergleich bewegt sich das Euro-Projekt zwar behutsamer als manche Konkurrenz. Doch aufgrund der Größe und Komplexität der Eurozone sind die Risiken entsprechend höher. Cybersecurity ist hier nicht nur eine technische Frage, sondern eine der nationalen Sicherheit.

Die kommenden Monate werden zeigen, ob die EZB die Bedenken ausräumen kann. Sollte das Parlament zustimmen, könnte der digitale Euro 2029 eingeführt werden. Doch viele Experten erwarten strengere Sicherheitsauflagen und einen gestreckten Rollout. Die Beweislast liegt bei der Zentralbank: Sie muss zeigen, dass eine paneuropäische Digitalwährung sowohl sicher als auch privat genug für skeptische Bürger sein kann.

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