Digitaler, Euro

Digitaler Euro: EU-Parlament setzt auf Offline-Variante

16.02.2026 - 15:19:12 | boerse-global.de

Das EU-Parlament unterstützt einen digitalen Euro mit Offline-Zahlungen. Während die EZB das Projekt vorantreibt, formiert sich in Österreich politischer Widerstand. Die entscheidenden Weichen werden im Mai 2026 gestellt.

Das Europäische Parlament hat ein klares Signal für einen digitalen Euro mit Offline-Funktion gesendet. Die Entscheidung fiel bei der Annahme des EZB-Jahresberichts am 10. Februar. Gleichzeitig formiert sich in Österreich politischer Widerstand gegen das Prestigeprojekt der Europäischen Zentralbank. Die entscheidenden Weichenstellungen werden für Mai 2026 erwartet.

Politisches Votum mit klarer Botschaft

Die Abgeordneten sprachen sich für eine duale Lösung aus: Der digitale Euro soll von Beginn an sowohl online als auch offline verfügbar sein. Dies werten Beobachter als Teilerfolg für EZB-Direktor Piero Cipollone, der für diese bargeldähnliche Variante geworben hatte.

Doch was bedeutet das Votum konkret? Es ist rechtlich noch nicht bindend für die Einführung. Der eigentliche Gesetzgebungsprozess läuft separat. Der zuständige Berichterstatter im Wirtschaftsausschuss (ECON), Fernando Navarrete Rojas, hat seinen Entwurf bereits vorgelegt. Die entscheidende Abstimmung dort ist für Anfang Mai geplant.

Österreich zwischen Skepsis und Pragmatismus

In Österreich wird die Debatte emotional geführt. Die FPÖ warnt vor dem „gläsernen Bürger“ und sieht in der Digitalwährung eine Gefahr für die Anonymität des Bargelds. Parteivertreter forderten am 5. Februar erneut Garantien gegen eine Abschaffung von Münzen und Scheinen.

Dem steht die Position der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) gegenüber. Gouverneur Robert Holzmann befürwortet das Projekt – als Ergänzung, nicht als Ersatz für Bargeld. Die OeNB argumentiert mit europäischer Souveränität und finanzieller Inklusion. Ein öffentliches Digitalgeld könnte die Abhängigkeit von US-Zahlungsdienstleistern wie Visa verringern und Menschen ohne Kreditkarte den E-Commerce-Zugang eröffnen.

Die großen Streitpunkte: Limits und Privatsphäre

Zwei technische Hürden dominieren die Diskussion:
* Holding-Limits: Um einen Abfluss von Bankeinlagen zu verhindern, wird über eine Obergrenze für digitale Euro-Guthaben debattiert. Experten erwarten ein Limit von etwa 3.000 Euro pro Person.
* Offline-Funktion: Sie soll Peer-to-Peer-Zahlungen ohne Internet ermöglichen. Datenschützer sehen darin die einzige Chance auf bargeldähnliche Privatsphäre. Die technische Umsetzung ist jedoch komplex, um Betrugsrisiken wie „Double-Spending“ auszuschließen.

Anzeige

Wer sich Sorgen um die Privatsphäre bei digitalen Zahlungen macht, sollte sein Smartphone und seine Mobile-Wallet schützen. Ein kostenloser Ratgeber erklärt die fünf wichtigsten Schutzmaßnahmen für Android – von sicheren App-Einstellungen bis zu Schutz bei Online-Banking und Wallet-Nutzung, ohne teure Zusatz-Apps. Gratis-Ratgeber: 5 Schutzmaßnahmen für Android herunterladen

Der Fahrplan bis 2029

Das Projekt ist technisch in eine neue Phase eingetreten. Seit November 2025 arbeitet das Eurosystem an der konkreten Entwicklung und Erprobung der Infrastruktur. Der Fokus liegt 2026 auf dem finalen Regelwerk („Rulebook“) und der Auswahl von Plattform-Anbietern.

Die EZB betont, dass die endgültige Einführungsentscheidung vom Gesetzgebungsverfahren abhängt. Sollte der ECON-Ausschuss im Mai zustimmen, beginnen die Trilog-Verhandlungen zwischen Parlament, Rat und Kommission. Ziel ist, die technischen Grundlagen so voranzutreiben, dass eine Ausgabe ab 2029 theoretisch möglich wäre. Bis der erste digitale Euro in einer Wallet landet, dürften also noch mindestens drei Jahre vergehen.

Anzeige

Die Kurse spielen verrückt – oder folgen sie nur Mustern, die du noch nicht kennst?

Emotionale Kurzschlussreaktionen auf unruhige Märkte kosten dich bares Geld. Vertraue bei deiner Geldanlage stattdessen auf kühle Analysen und harte Fakten. Seit 2005 navigiert 'trading-notes' Anleger mit präzisen Handlungsempfehlungen sicher durch jede Marktphase. Hol dir dreimal pro Woche unaufgeregte Experten-Strategien in dein Postfach.
100% kostenlos. 100% Expertenwissen. Jetzt abonnieren.