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Digitale Justiz: Systemausfall und letzte Fristen prägen 2026

09.01.2026 - 13:53:12

Ein Ausfall der elektronischen Anwaltspost offenbart Schwachstellen, während die Abschaltung von De-Mail und die Umstellung auf die e-Akte die digitale Transformation vorantreiben.

Deutschlands digitale Verwaltung startet turbulent ins neue Jahr. Während ein Systemfehler die Anwaltspost lahmlegte, läuft die Frist für die veraltete De-Mail ab. Steht der digitale Durchbruch trotzdem bevor?

BERLIN – Die Digitalisierung von Justiz und Finanzverwaltung in Deutschland erlebt einen entscheidenden, aber holprigen Start ins Jahr 2026. Ein schwerwiegender Ausfall der elektronischen Anwaltspost (beA) offenbarte die Verletzlichkeit der Systeme. Gleichzeitig tritt die lang geplante Abschaltung des gescheiterten De-Mail-Dienstes in ihre finale Phase. Während die Gerichte komplett auf digitale Akten umstellen, erhalten Steuerberater überraschend Aufschub bei der elektronischen Steuerbescheid-Zustellung.

Systemkollaps legt digitale Justiz lahm

Die Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur zeigte am Donnerstag, dem 8. Januar 2026, ihre Schattenseiten. Ein zentraler Systemfehler bei der Bundesnotarkammer legte zwischen 10:12 und 10:39 Uhr die besondere elektronische Anwaltspost (beA) flächendeckend lahm. Rechtsanwälte konnten sich weder einloggen noch Zertifikate prüfen – der elektronische Rechtsverkehr stand still.

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Der Vorfall könnte kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Justiz vollzieht gerade den radikalsten Digitalisierungsschritt ihrer Geschichte: die vollständige Umstellung auf die elektronische Akte (e-Akte). Seit dem 1. Januar arbeiten Gerichte intern nur noch digital. Für regelmäßige Verfahrensbeteiligte wie Unternehmen oder Inkassodienstleister wird die Nutzung kompatibler Postfächer damit de facto unvermeidbar.

De-Mail: Letzte Runde für gescheiterten Dienst

Für alle, die noch auf den alten De-Mail-Standard setzen, beginnt der Countdown. Der letzte verbliebene Anbieter, Francotyp-Postalia, bestätigte, seinen Betrieb bis zum 31. Dezember 2026 einzustellen. Damit endet das Projekt einer „sicheren“ E-Mail-Alternative, das nie den erhofften Durchbruch schaffte. Neue Registrierungen sind bereits gestoppt.

Experten warnen davor, den Wechsel auf die lange Bank zu schieben. Noch in diesem Jahr könnten technischer Support und Infrastruktur abgebaut werden. Als Nachfolger etabliert sich die elektronische Bürger- und Organisationsmailbox (eBO). Sie ist direkt in das sichere Behördennetz der Justiz eingebunden und ersetzt De-Mail als offizielles Kommunikationsmittel mit Gerichten.

Atempause für die Steuerbranche

Eine überraschende Wendung gibt es im Steuerrecht: Die umstrittene Pflicht zur elektronischen Zustellung von Steuerbescheiden wird verschoben. Eigentlich sollte die Neufassung des § 122a Abgabenordnung ab Januar 2026 die digitale Zustellung zur Regel machen – auch ohne ausdrückliche Einwilligung des Steuerpflichtigen (Opt-out).

Auf Empfehlung des Finanzausschusses wurde diese Regelung nun auf den 1. Januar 2027 vertagt. Für Steuerberater und ihre Mandanten gilt in diesem Jahr also weiterhin der gewohnte Modus: Die elektronische Zustellung erfordert eine ausdrückliche Zustimmung (Opt-in). Das Jahr 2026 dient als Vorbereitungsphase für den großen Wechsel.

Zwangsevolution für deutsche Unternehmen

Die Entwicklungen der ersten Januartage zeichnen das Bild einer „Zwangsevolution“ in der IT-Compliance. Der Tod von De-Mail und der Zwang zur e-Akte beenden endgültig die Ära hybrider Papier-Digital-Prozesse.

Besonders kleine und mittlere Unternehmen (KMU) stehen vor Herausforderungen. Sie müssen nun schnell in eBO-Lösungen oder spezielle Client-Software investieren, um weiter am digitalen Rechtsverkehr teilnehmen zu können. Die Verschiebung der Steuer-Bescheiddigitalisierung zeigt indes, dass zwischen politischem Willen und technischer Realität weiterhin Reibung besteht.

Für IT-Compliance-Verantwortliche ist die Richtung klar: Die Werkzeuge wechseln, die Gerichte fordern digitale Kompetenz, und der Weg in die papierlose Verwaltung ist unumkehrbar. Die Frage ist nur, wie holprig die letzte Meile noch wird.

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