ANALYSE: DZ Bank erhöht Ziele für S&P 500 und Dax - Halbleiterboom treibt an
11.06.2026 - 16:22:47 | dpa.deAktuell dominiere der Halbleiterboom die erheblichen geopolitischen und ökonomischen Verwerfungen, die durch die faktische Sperrung der Straße von Hormus im Zuge des Iran-Krieges ausgelöst werden, schrieb Analystin Birgit Henseler in einem am Donnerstag vorliegendem Ausblick.
Insofern erhöhte die Expertin ihre Prognose für den bereit gefassten US-Index S&P 500 US78378X1072 zum Ende des Jahres von 7.300 Punkten, dem aktuellen Niveau, auf 8.500 Punkte. Den deutschen Leitindex Dax sieht sie dann bei 27.500 Zählern - zuvor lag die Prognose bei 25.000 Punkten. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von derzeit gut 13 Prozent.
"Was die Kurse nach oben treibt, sind die Halbleiter", fuhr Henseler fort. Der globale Chipumsatz sei im März um rund 80 Prozent gegenüber dem Vorjahr gewachsen. Das liegt der Expertin zufolge vor allem am Ausbau der Infrastruktur rund um Künstliche Intelligenz. Die Gewinnentwicklung im Technologiesektor ziehe deshalb kräftig an, was insbesondere die US-Börsen beflügele.
Auch der Dax schlägt sich laut Henseler trotz wiederkehrender Rücksetzer wacker. "Wachstumstreiber sind vor allem die großen Industrieunternehmen. Auch der Technologie- und Finanzsektor liefert Impulse." Die durchschnittliche Gewinnerwartung liege 15 Prozent über dem Vorjahr. Neben der Entwicklung rund um KI profitierten die deutschen Großunternehmen weiterhin vom milliardenschweren Fiskalpaket.
Allerdings bleibe die geopolitische Lage fragil und stelle damit ein Risiko für die Aktienmärkte dar, mahnte Henseler. Die Expertin verwies auf die weit auseinanderliegenden Positionen zwischen den USA und dem Iran, speziell beim iranischen Atomprogramm. Diese Fragilität zeige sich trotz der seit April geltenden Waffenruhe in einem ständigen Wechselspiel aus diplomatischen Annäherungsversuchen und neuen Zwischenfällen.
Das Hauptszenario der DZ Bank aber basiert auf der Annahme einer Deeskalation am Persischen Golf, da eine Entspannung im Interesse beider Parteien liege. Auf iranischer Seite habe die Blockade die Deviseneinnahmen einbrechen lassen, da der Ölexport den Großteil der Ausfuhren stelle. Auf US-Seite belasten Henseler zufolge die Energiepreise und steigende Lebenshaltungskosten die Zustimmungswerte des US-Präsidenten.
