Bahn, Milliardenverlust

Deutsche Bahn: Milliardenverlust bremst Verkehrswende aus

16.03.2026 - 00:00:25 | boerse-global.de

Die Deutsche Bahn meldet einen Nettoverlust von 2,3 Milliarden Euro, angetrieben durch eine massive Abwertung des Fernverkehrs und explodierende Fahrgastentschädigungen.

Deutsche Bahn: Milliardenverlust bremst Verkehrswende aus - Foto: über boerse-global.de
Deutsche Bahn: Milliardenverlust bremst Verkehrswende aus - Foto: über boerse-global.de

Die Deutsche Bahn stürzt mit einem Nettoverlust von 2,3 Milliarden Euro tiefer in die roten Zahlen. Grund sind massive Wertberichtigungen im Fernverkehr und explodierende Entschädigungszahlungen.

Neue, geleakte Finanzdaten zeigen ein dramatisches Bild: Der staatliche Bahnkonzern hat seinen Verlust im vergangenen Jahr auf 2,3 Milliarden Euro ausgeweitet. Das sind 500 Millionen Euro mehr als 2024. Hauptgrund ist eine drastische Abschreibung von 1,4 Milliarden Euro auf den Wert der Fernverkehrstochter DB Fernverkehr. Die Zahlen, die der offiziellen Bilanzpressekonferenz am 27. März vorauslaufen, offenbaren den krassen Widerspruch zwischen klimapolitischen Ambitionen und betrieblicher Realität.

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Fernverkehr wird zur finanziellen Hypothek

Ursache für die milliardenschwere Abwertung sind die chronischen Verspätungen der ICE-Flotte. Die einstige Cash-Cow des Konzerns, die eigentlich andere Geschäftsbereiche querfinanzieren sollte, ist zum größten Verlustbringer geworden. Zwar erzielte der Konzern operativ noch einen Gewinn (EBIT) von rund 300 Millionen Euro. Die gewaltige Abschreibung und die Flut an Entschädigungszahlungen fraßen diesen jedoch komplett auf.

Ein Bahnsprecher wollte die geleakten Zahlen diese Woche nicht kommentieren und verwies auf die anstehende Präsentation. Für Finanzanalysten ist die Abschreibung jedoch eine bittere Anerkennung der Fakten: Die Infrastruktur kann die erhofften Erträge schlicht nicht mehr erwirtschaften.

Sanierungsstau und Entschädigungsflut

Das finanzielle Desaster ist direkt mit dem maroden Schienennetz verknüpft. Die aktuellen Milliarden-Investitionen in die Sanierung der Hauptstrecken führen zu monatelangen Sperrungen. Diese sind zwar überfällig, zerstören aber gleichzeitig die Pünktlichkeit.

Die betrieblichen Ausfälle schlagen direkt auf der Rechnung zu Buche. Nach EU-Fahrgastrechten müssen bei Verspätungen über 60 Minuten 25 Prozent, bei über 120 Minuten 50 Prozent des Ticketpreises erstattet werden. Allein 2024 zahlte die Bahn fast 197 Millionen Euro an Entschädigungen für rund 6,9 Millionen Reklamationen. Seitdem haben sich die Bauarbeiten noch intensiviert – die Entschädigungsflut dürfte weiter anhalten. Die gesetzlichen Ausgleichszahlungen wirken wie eine Strafsteuer auf jahrzehntelang vernachlässigte Instandhaltung.

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Klimaziele in Gefahr: Pendler steigen um

Die Krise hat schwerwiegende Folgen für Deutschlands Klimapolitik. Die Bahn soll eigentlich den „Modal Shift“ vorantreiben – die Verlagerung des Verkehrs von Straße und Luft auf die Schiene. Doch genau das Gegenteil passiert: Wegen der Unzuverlässigkeit meiden immer mehr Reisende die ICE-Züge.

Geschäftsreisende und Pendler weichen auf Inlandsflüge und das eigene Auto aus. Das untergräbt nicht nur die Klimabilanz des Landes, sondern auch die Nachhaltigkeitsziele vieler Unternehmen. Diese können ihre CO?-Emissionen (Scope 3) nicht senken, wenn ihre Mitarbeiter nicht verlässlich mit der Bahn reisen können.

Gleichzeitig kämpft auch der Güterverkehrsbereich DB Cargo ums Überleben. Eine strenge Restrukturierung mit dem Abbau von etwa 6.000 Jobs läuft. Die EU-Kommission verlangt, dass die Sparte bis Ende 2026 profitabel wird, um keine verbotene Staatshilfe zu erhalten.

Langer Weg zur Besserung

Der Konzern steckt in der Zwickmühle: Er muss das größte Modernisierungsprogramm seit der Bahnreform 1994 stemmen, während der Betrieb auf dem vollen Netz weiterläuft. Die offizielle Bilanzpressekonferenz Ende März wird mit Spannung erwartet. Dort muss der Vorstand den Verlust offiziell einräumen und einen Weg aus der Krise aufzeigen.

Die Bahn hat sich das Ziel gesetzt, die Pünktlichkeit im Fernverkehr bis Ende 2027 auf 75 bis 80 Prozent zu steigern. Dafür müssen Dutzende Sanierungsprojekte an Hauptkorridoren erfolgreich abgeschlossen werden. Bis dahin werden Reisende weiter mit Störungen leben müssen. Für die Verkehrswende bedeutet das: Solange die Milliardeninvestitionen nicht in pünktliche Züge umgemünzt werden können, bleibt der Umweltnutzen der Schiene auf der Strecke – und die roten Zahlen bei DB Fernverkehr werden weiter fließen.

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