Arbeitnehmer, Wirtschaftslage

Deutsche Arbeitnehmer sind so wechselwillig wie nie

12.01.2026 - 21:12:12

Trotz unsicherer Wirtschaftslage erwägen 39 Prozent der Arbeitnehmer einen Jobwechsel. Hauptgründe sind Gehalt, fehlende Wertschätzung und mangelnde Karriereperspektiven.

Knapp 40 Prozent der Beschäftigten ziehen einen Jobwechsel in Betracht – trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten. Dieser Trend zwingt Unternehmen, ihre Strategien zur Mitarbeiterbindung dringend zu überdenken, denn die Hauptgründe liegen oft im Einflussbereich der Arbeitgeber.

Hohe Wechselbereitschaft trotz abkühlendem Markt

Eine aktuelle Umfrage der Plattform kununu zeigt: 39 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland ziehen einen Jobwechsel in Erwägung, 19 Prozent planen ihn bereits konkret. Dieser Befund bestätigt einen anhaltenden Trend. So gaben im Dezember 2025 bereits 57,7 Prozent der Befragten auf dem Portal Indeed an, sich einen neuen Job vorstellen zu können. Diese anhaltende Mobilität ist bemerkenswert, da die Zahl der offenen Stellen laut Experten eher rückläufig ist. Sie deutet auf ein gestärktes Selbstbewusstsein der Arbeitnehmer hin, die ihre Chancen trotz eines kühleren Marktes als hoch einschätzen.

Gehalt, Wertschätzung, Karriere: Die Top-Treiber

Warum wollen so viele den Arbeitgeber wechseln? Drei Motive stehen klar im Vordergrund: bessere Bezahlung, mehr Wertschätzung und verbesserte Karriereperspektiven. Für 41 Prozent der Wechselwilligen ist ein höheres Gehalt der entscheidende Faktor – eine verständliche Reaktion auf die gestiegenen Lebenshaltungskosten. Doch Geld ist nicht alles. Direkt danach folgen der Wunsch nach mehr Anerkennung (32 Prozent) und besseren Entwicklungsmöglichkeiten (30 Prozent). Studien identifizieren zudem ein hohes Stresslevel und Unzufriedenheit mit dem Vorgesetzten als wesentliche Kündigungsgründe. Die Botschaft an die Führungsetagen ist klar: Mangelnde Wertschätzung und fehlende Perspektiven gefährden die Loyalität.

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Junge Talente sind besonders unruhig

Besonders ausgeprägt ist die Wechselbereitschaft bei der jungen Generation. Bei Angestellten zwischen 21 und 35 Jahren steigt der Anteil der aktiv oder gelegentlich Suchenden auf 41 Prozent, wie eine EY-Studie zeigt. Im Bevölkerungsdurchschnitt liegt dieser Wert bei 26 Prozent. Die Generation Z und Millennials zeigen eine überdurchschnittliche Mobilität. Für sie spielen moderne Führung, flexible Arbeitsbedingungen und Sinn in der Tätigkeit eine größere Rolle. In einem Markt, der von Fachkräftemangel geprägt ist, können sie es sich leisten, schneller zu wechseln, um ihre Ziele zu verwirklichen. Unternehmen, die diese Bedürfnisse ignorieren, riskieren, im Talentwettbewerb abgehängt zu werden.

Die stille Kündigung: Ein unterschätztes Risiko

Die offene Wechselbereitschaft ist oft nur die Spitze des Eisbergs. Darunter verbirgt sich ein massives Engagement-Problem. Der Gallup Engagement Index für 2024 offenbarte alarmierende Zahlen: Nur ein kleiner Teil der Beschäftigten fühlt sich wirklich emotional an sein Unternehmen gebunden. Ein Großteil leistet lediglich „Dienst nach Vorschrift“, ein signifikanter Anteil hat innerlich bereits gekündigt. Diese mangelnde Bindung ist ein Nährboden für Fluktuation und führt zu geringerer Produktivität und Innovationskraft. Laut Gallup liegt eine Hauptursache im Führungsverhalten – nur eine Minderheit der Mitarbeiter ist mit ihrem Vorgesetzten wirklich zufrieden.

Mitarbeiterbindung wird zur Überlebensfrage

Für deutsche Unternehmen wird 2026 zu einem entscheidenden Jahr. Die hohe Wechselbereitschaft ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern Ergebnis eines fundamental veränderten Arbeitsmarktes, in dem die Machtverhältnisse zugunsten der Fachkräfte kippen. Die strategische Antwort kann nur lauten: Mitarbeiterbindung zur Chefsache machen. Der Fokus muss sich von der reinen Rekrutierung hin zur gezielten Förderung der bestehenden Belegschaft verlagern. Das bedeutet Investitionen in eine wertschätzende Führungskultur, transparente Karrierepfade, faire Vergütung und echte Flexibilität. Unternehmen, die jetzt die richtigen Weichen stellen, sichern sich nicht nur loyale Mitarbeiter, sondern einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil.

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