CSU, SPD

CSU und SPD wollen Sozialwohnungen an Erwerbstätige vergeben

03.02.2026 - 16:45:12

Die Münchner Koalition aus CSU und SPD plant, bei der Vergabe von Sozialwohnungen Erwerbstätige bei Punktegleichstand vorzuziehen. Die Debatte über soziale Gerechtigkeit entzündet sich an 30.000 Bewerbern für nur 3.000 Objekte.

In München sorgt ein gemeinsamer Vorstoß von CSU und SPD für eine heftige Grundsatzdebatte. Die Koalitionäre wollen die Vergabe der knappen Sozialwohnungen neu regeln. Ihr Ziel: Bei gleicher Punktzahl sollen künftig Erwerbstätige den Zuschlag erhalten – nicht Arbeitslose.

Ein neuer „Tie-Breaker“ für die Wohnungsvergabe

Der Antrag der CSU-Fraktion unter Manuel Pretzl sieht eine entscheidende Änderung vor. Bisher entscheidet bei Punktegleichstand die Dauer des Münchner Hauptwohnsitzes. Künftig soll stattdessen der Faktor Erwerbstätigkeit den Ausschlag geben. Die Münchner SPD um Anne Hübner unterstützt den Plan. Beide Parteien argumentieren mit sozialer Gerechtigkeit: Viele Menschen arbeiteten für ein geringes Einkommen und hätten dennoch keine Chance auf dem freien Markt.

So funktioniert das Münchner Punktesystem

Die Vergabe folgt einem komplexen System mit maximal 150 Punkten. Hohe Punktzahlen erhalten beispielsweise:
* Wohnungslose (pauschal 120 Punkte)
* Menschen mit schwerer Krankheit
* Schwangere

Der neue Vorschlag würde dieses etablierte Prinzip an einer neuralgischen Stelle verändern. Doch warum ist die Debatte so erhitzt?

30.000 Bewerber kämpfen um 3.000 Wohnungen

Die Zahlen zeigen das ganze Ausmaß der Krise. Jedes Jahr bewerben sich rund 30.000 Haushalte auf die geförderten Wohnungen. Zur Verfügung stehen aber nur etwa 3.000 Objekte. Dieses massive Ungleichgewicht führt für die meisten zu jahrelangen Wartezeiten. Die Stadt versucht mit milliardenschweren Programmen wie „Wohnen in München VII“ gegenzusteuern – doch die Nachfrage frisst jedes Angebot.

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Die Gretchenfrage: Leistung oder Bedürftigkeit?

Die geplante Regeländerung spaltet die politische Landschaft. Sie wirft eine grundsätzliche Frage auf: Soll die „arbeitende Mitte“ belohnt werden? Oder werden hier Bedürftige gegeneinander ausgespielt?
* Befürworter sehen es als notwendige Unterstützung für jene, die trotz Job kaum über die Runden kommen.
* Kritiker warnen vor einer Spaltung der Gesellschaft. Sie fragen: Dürfen Arbeitslose oder Alleinerziehende so benachteiligt werden?

Die ungewöhnliche Allianz aus CSU und SPD bringt neuen Schwung in die festgefahrene Wohnungsdebatte. Die Kontroverse könnte bereits am kommenden Wochenende Tausende bei einer geplanten Mietendemo auf die Straße treiben.

Was kommt als nächstes?

Der Antrag durchläuft nun die zuständigen Ausschüsse des Stadtrats, bevor die Vollversammlung endgültig abstimmt. Die Entscheidung wird die sozialen Strukturen der Stadt langfristig prägen. Eines ist klar: Nur ein massiver Wohnungsbau – etwa in neuen Stadtteilen wie Freiham – kann den Druck auf dem Markt nachhaltig senken. Bis dahin bleibt die Verteilung des knappen Gutes „Wohnraum“ der zentrale politische Zankapfel.

@ boerse-global.de