Bundesregierung, Entlastung

Bundesregierung startet milliardenschwere Entlastung für Pendler

22.04.2026 - 02:12:24 | boerse-global.de

Die Bundesregierung senkt die Energiesteuer auf Kraftstoffe temporär und erhöht dauerhaft die Pendlerpauschale. Eine ZEW-Studie fordert eine Mehrwertsteuerreform, während die Wirtschaft eine geplante Prämie ablehnt.

Bundesregierung startet milliardenschwere Entlastung für Pendler - Foto: über boerse-global.de
Bundesregierung startet milliardenschwere Entlastung für Pendler - Foto: über boerse-global.de

Die Bundesregierung hat ein umfangreiches Steuerpaket auf den Weg gebracht, das Pendler und den Verkehrssektor entlasten soll. Neben einer temporären Senkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe treten dauerhafte Anpassungen bei Reisekosten und Freibeträgen in Kraft. Diese Maßnahmen fallen in eine hitzige Debatte über die Zukunft des deutschen Steuersystems.

Temporäre Kraftstoff-Entlastung ab Mai

Als direkte Antwort auf die anhaltend hohen Mobilitätskosten hat die Regierung ein „Energie-Sofortprogramm“ beschlossen. Laut dem Monatsbericht des Bundesfinanzministeriums vom April 2026 wird die Energiesteuer auf Diesel und Benzin für zwei Monate gesenkt. Die nach einer Bundestagsdebatte am 16. April beschlossene Maßnahme gilt vom 1. Mai bis zum 30. Juni 2026.

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An der Tankstelle soll der Preis dadurch um rund 17 Cent pro Liter inklusive Mehrwertsteuer sinken. Für den Staat bedeutet das Mindereinnahmen von 1,6 Milliarden Euro in diesem Jahr. Diese Verluste will die Koalition aus CDU/CSU und SPD durch Gegenfinanzierungsmaßnahmen bei der Mineralölwirtschaft ausgleichen.

Während die Regierung von einer notwendigen Entlastung für Verkehrsgewerbe und Fernpendler spricht, erntet der Plan Kritik von den Oppositionsparteien. Die AfD fordert stattdessen eine Erhöhung der Pendlerpauschale auf 50 Cent pro Kilometer. Vertreter der Grünen und der Linken äußern Skepsis; die Linke verlangt gar eine Übergewinnsteuer.

Dauerhafte Steueränderungen für Berufstätige

Neben der temporären Kraftstoff-Entlastung sind bereits mehrere dauerhafte Änderungen für 2026 in Kraft. Die Pendlerpauschale wurde auf 38 Cent pro Kilometer erhöht und gilt nun ab dem ersten Kilometer. Diese seit 1. Januar geltende Anpassung kommt vor allem mobilen Arbeitnehmern und Selbstständigen zugute.

Zudem wurde der Grundfreibetrag für 2026 auf 12.348 Euro für Alleinstehende und 24.696 Euro für Verheiratete angehoben. Für Elektro-Dienstwagen wurde die Steuerbefreiung bis Ende 2035 verlängert. Eine Neuerung ist die sogenannte „Aktivrente“: Rentner über 67, die sozialversicherungspflichtig arbeiten, können bis zu 2.000 Euro im Monat steuerfrei hinzuverdienen. Für selbstständige Freiberufler gilt diese Regelung aktuell jedoch nicht. Die Grenze für den Solidaritätszuschlag liegt 2026 bei einem zu versteuernden Einkommen von 20.350 Euro.

Studie fordert radikale Mehrwertsteuer-Reform

Ein am 20. April veröffentlichter Bericht des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) stellt die Struktur der deutschen Mehrwertsteuer infrage. Die im Auftrag des Finanzministeriums erstellte Studie rechnet für 2026 mit Steuerausfällen von rund 43,5 Milliarden Euro durch ermäßigte Steuersätze.

Die Forscher unterscheiden zwischen gut und schlecht begründeten Ausnahmen. Während ermäßigte Sätze für Lebensmittel, öffentlichen Nahverkehr und Photovoltaikanlagen als sinnvoll gelten, stuft die Analyse die Vergünstigungen für Gastronomie und Beherbergung – beides wichtige Posten bei Dienstreisen – als schlecht begründet ein. Eine umfassende Reform, die diese ineffektiven Ausnahmen streicht, könnte es der Regierung erlauben, den regulären Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent auf etwa 16,7 Prozent zu senken – ohne Gesamteinnahmen zu verlieren. Dies würde Bürokratie abbauen und Marktverzerrungen reduzieren.

Handel lehnt staatliche Entlastungsprämie ab

Auf wenig Gegenliebe in der Wirtschaft stößt eine freiwillige Entlastungsmaßnahme der Regierung. Eine Umfrage des Handelsverbands Deutschland (HDE) unter 436 Unternehmen vom 16. bis 20. April ergab: 83 Prozent der Einzelhändler lehnen die geplante steuerfreie Entlastungsprämie von 1.000 Euro für Beschäftigte ab.

HDE-Präsident Alexander von Preen betont, viele Unternehmen sähen die Finanzierung solcher Prämien als staatliche, nicht als unternehmerische Aufgabe. Bundesfinanzminister Klingbeil hat für den Fall einer breiten Inanspruchnahme mit Steuermindereinnahmen von 2,8 Milliarden Euro gerechnet. Die Umfrage deutet jedoch darauf hin, dass hohe Betriebskosten und finanzielle Engpässe viele Firmen von diesem Instrument abhalten.

Blick auf die große Steuerreform 2027

Während die Maßnahmen für 2026 umgesetzt werden, blicken Politiker bereits auf eine grundlegendere Steuerreform. CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann drängt auf eine signifikante Einkommensteuerreform und fordert, die Grenze für den Spitzensteuersatz anzuheben, um die Mittelschicht zu entlasten.

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Die aktuelle Koalition hat angekündigt, eine große Einkommensteuerreform für kleine und mittlere Einkommen Ende 2026 auf den Weg bringen zu wollen. Sie soll zum 1. Januar 2027 in Kraft treten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Hendrik Wüst fordert, dass Spitzenverdiener mehr zu diesen Reformen beitragen müssen, um die Finanzierbarkeit von Entlastungen für Geringverdiener zu sichern.

Für das restliche Jahr 2026 müssen sich Unternehmen und Berufstätige auf die zeitlich begrenzte Kraftstoffsteuersenkung einstellen. Parallel gilt es, sich auf neue digitale Berichtspflichten und die schrittweise verpflichtende E-Rechnung in Europa vorzubereiten. Ein Online-Workshop der EU-Kommission am 27. April soll die Überarbeitung der entsprechenden Richtlinie voranbringen.

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