Brüssel schilt Berlin, Analysten heben Daumen: Commerzbank zwischen zwei Fronten
13.05.2026 - 03:06:20 | boerse-global.de
Der politische Druck aus Brüssel auf die Bundesregierung verschärft sich, während die Commerzbank gleichzeitig seltene Analysten-Upgrades verbucht. Der Aktienkurs, der am Dienstag bei 35,88 Euro schloss, spiegelt dieses Spannungsfeld wider: Über zwölf Monate legte das Papier um 37,31 Prozent zu, doch auf Sieben-Tage-Sicht steht ein Minus von 3,18 Prozent. Ein technisches Warnsignal liefert der Relative-Stärke-Index, der bei 86,1 auf eine massiv überkaufte Lage hindeutet.
UniCredit-Chef Andrea Orcel suchte am Montag das direkte Gespräch mit EU-Vizepräsidentin Teresa Ribera. Aus der Kommission sickerte deutliche Kritik an Berlin durch – der deutsche Widerstand gegen eine Übernahme gelte als Rückschlag für die europäische Investitionsunion. EZB-Vizepräsident Luis de Guindos warnte, nationale Alleingänge beschädigten die Glaubwürdigkeit des Binnenmarkts. Italiens Außenminister Antonio Tajani wies den Vorwurf feindseliger Absichten zurück und stärkte Orcel damit den Rücken.
Vor diesem politischen Hintergrund sind die Analystenreaktionen umso bemerkenswerter. Morningstar hob die Commerzbank erstmals von „Sell“ auf „Neutral“ an und erhöhte das Kursziel von 28,40 auf 31,60 Euro – ein klarer Stimmungswechsel, wenn auch kein Jubelsignal. Deutlich offensiver zeigt sich Deutsche Bank Research: Analyst Benjamin Goy bestätigte sein „Buy“-Votum und zog das Kursziel von 40 auf 42 Euro an, gestützt auf solide Zahlen des ersten Quartals und ambitionierte Strategieziele des Managements. Unter 13 Analysten liegt die durchschnittliche Einschätzung bei „Aufstocken“, der Median der Kursziele bei 39,40 Euro.
Should investors sell immediately? Or is it worth buying Commerzbank?
Das Umtauschangebot der Italiener kommt dagegen kaum voran. Bis Dienstagnachmittag wurden lediglich 66.724 Commerzbank-Aktien angedient – das entspricht weniger als 0,1 Prozent des Grundkapitals. UniCredit hält bereits rund 27 Prozent an der Bank, in Aktien 301,9 Millionen Stück. Das niedrige Andienungsniveau spricht dafür, dass viele Aktionäre abwarten. Das Angebot sieht 0,485 neue UniCredit-Aktien je Commerzbank-Aktie vor; die Annahmefrist läuft voraussichtlich bis zum 3. Juli 2026. Orcel muss bis dahin deutlich mehr Überzeugungsarbeit leisten – und setzt parallel auf eigene Kapitalmaßnahmen: Ein Bar-Rückkaufangebot für eine Tier-2-Anleihe über 1,25 Milliarden Euro sowie die Emission neuer nachrangiger Festzinsanleihen sollen die Bilanz stärken. Marktberichten zufolge bereitet das Management zudem sogenannte Significant Risk Transfers vor, die auch die deutsche Tochtergesellschaft einbinden.
Commerzbank schärft unterdessen das eigene Profil. Geplant ist der Abbau von rund 3.000 Stellen, um die Kostenbasis zu senken und höhere mittelfristige Geschäftsziele zu erreichen. Zudem hat Commerz Real beim Bundeskartellamt den Erwerb der alleinigen Kontrolle über die Aquila Capital Investmentgesellschaft angemeldet (Aktenzeichen B9-57/26). Diese Schritte sollen die Glaubwürdigkeit der Eigenständigkeit untermauern.
Technisch betrachtet ist die Aktie heiß gelaufen – der RSI von 86,1 liegt deutlich über der kritischen Schwelle von 70. Der Kurs notiert zugleich klar über dem 50-Tage-Durchschnitt. Kurzfristig prallen zwei Kräfte aufeinander: verbesserte Analystenstimmung und ein schleppendes UniCredit-Angebot. Am 21. Mai rückt die geplante Dividende von 1,10 Euro je Aktie in den Kurs ein. Die nächste fundamentale Bewährungsprobe steht am 6. August 2026 an, wenn die Commerzbank ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorlegt. Bis dahin dürfte die Nachrichtenlage primär von politischen Manövern zwischen Frankfurt, Berlin und Brüssel geprägt sein.
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