Broadcom Aktie: 280 Milliarden Börsenwert weg
07.06.2026 - 11:46:47 | boerse-global.de
Broadcom liefert weiter extreme KI-Wachstumszahlen. Trotzdem hat der Markt die Aktie nach den jüngsten Quartalszahlen hart abgestraft. Der Kern des Problems: weniger Euphorie bei der Prognose und mehr Druck auf die Marge. Kein Wunder, dass Analysten jetzt sehr unterschiedlich reagieren.
Der Kursrutsch ist heftig, aber noch kein Bruch des langfristigen Trends. Am Freitag schloss die Aktie bei 336,75 Euro, verlor 6,61 Prozent und lag auf Wochensicht 12,25 Prozent hinten.
Der Auslöser: Erwartungen statt Wachstum
Beim bereinigten Gewinn je Aktie lag Broadcom mit 2,44 Dollar über der Markterwartung von 2,40 Dollar. Das half nur begrenzt, weil der Ton der Prognose vorsichtiger wirkte.
Der Umsatz blieb mit 22,19 Milliarden Dollar knapp unter dem Konsens von 22,27 Milliarden Dollar. Wichtiger war aber, was Vorstandschef Hock Tan nicht tat.
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Der KI-Halbleiterumsatz erreichte 10,8 Milliarden Dollar und stieg um 143 Prozent zum Vorjahr. Tan hob die Erwartung für das KI-Halbleitergeschäft dennoch nicht an.
Dazu kam ein strategisches Signal. Broadcom will Kunden künftig „nur Chips“ liefern, statt kompletter integrierter KI-Systeme. Das dämpfte die Fantasie rund um größere Systemgeschäfte.
Die Reaktion fiel entsprechend hart aus. Der Börsenwert schrumpfte nach den Zahlen um rund 280 Milliarden Dollar.
Die Prognose bleibt offensiv
Operativ klingt die Planung weiter stark. Für das laufende Geschäftsquartal stellt Broadcom diese Marken in Aussicht:
- Konzernumsatz: 29,4 Milliarden Dollar, plus 84 Prozent.
- Halbleiterumsatz: 20,5 Milliarden Dollar, plus 124 Prozent.
- KI-Halbleiterumsatz: 16 Milliarden Dollar, mehr als 200 Prozent Wachstum.
- Infrastruktur-Software: 8,9 Milliarden Dollar, plus 31 Prozent.
Für das Gesamtjahr 2026 peilt Broadcom bei KI-Halbleitern 56 Milliarden Dollar Umsatz an, etwa 180 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit bleibt der Wachstumspfad klar intakt.
Für 2027 bekräftigte das Management die Zielmarke von mehr als 100 Milliarden Dollar. Die Quartalsdividende liegt bei 0,65 Dollar je Aktie.
Analysten verteidigen den Rücksetzer
Bank of America hob das Kursziel auf 530 Dollar von zuvor 450 Dollar an. Die Bank bleibt bei Kaufen und stützt ihre Bewertung auf ein 30-faches erwartetes Gewinnvielfaches.
Bis Ende des Jahrzehnts erwartet das Team einen Gewinn je Aktie von mindestens 30 Dollar. Das würde einem durchschnittlichen jährlichen Gewinnwachstum von rund 40 Prozent entsprechen.
Mizuho-Analyst Vijay Rakesh erhöhte sein Ziel ebenfalls auf 530 Dollar, nach zuvor 480 Dollar. Er wertet den Kursrückgang als nutzbare Kaufgelegenheit.
Macquarie sieht es vorsichtiger. Die Bank senkte das Ziel auf 437 Dollar von zuvor 513 Dollar und stufte die Aktie auf Neutral zurück. Als Grund nennt sie Googles stärkeren Schwenk zu internen Chips.
Der breite Konsens bleibt trotzdem freundlich. Unter 48 erfassten Analysten liegt das durchschnittliche Kursziel bei 513,84 Dollar.
Cathie Woods ARK Invest griff ebenfalls zu. Die Gesellschaft kaufte 22.528 Broadcom-Aktien im Wert von rund 10,8 Millionen Dollar.
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Der Abstand zum jüngsten Hoch von 429,60 Euro beträgt 21,61 Prozent; der RSI von 41,0 wirkt neutral bis leicht überverkauft.
Margen werden zum Prüfstein
Der Knackpunkt liegt nun bei der Bruttomarge. Broadcom erwartet im laufenden Quartal rund 74 Prozent und verweist auf den höheren Anteil von KI-Halbleitern.
Bank of America rechnet mit weiterem Druck in Richtung 72 bis 73 Prozent. Das wäre kein Einbruch, würde aber die Bewertung stärker an die Qualität des Wachstums binden.
Auf der Nachfrageseite spricht vieles für Robustheit. Broadcom meldet KI-Halbleiterbuchungen von 30 Milliarden Dollar, nachdem zuletzt 10,8 Milliarden Dollar ausgeliefert wurden.
Die Bilanz bleibt ebenfalls solide. Der Kassenbestand stieg auf 19,6 Milliarden Dollar, nach 14,2 Milliarden Dollar im Vorquartal.
Der nächste Prüfpunkt ist klar: die Marge. Sinkt sie Richtung 72 bis 73 Prozent, dürfte die starke KI-Umsatzstory weniger Gewicht haben. Stabilisiert sie sich nahe 74 Prozent, rücken Auftragsbestand und Langfristziel wieder stärker in den Vordergrund.
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