Bahn und GDL starten Tarifgespräche mit Friedenspflicht
08.01.2026 - 17:31:12Deutsche Bahn und die Lokführergewerkschaft GDL verhandeln ab sofort unter neuer Führung über höhere Löhne. Ein Streik ist bis Ende Februar ausgeschlossen – danach droht neuer Ärger auf den Schienen.
Die wichtigste Nachricht für Millionen Pendler und Logistikunternehmen: Bis zum 28. Februar 2026 herrscht Friedenspflicht. Diese vereinbarte Verhandlungsphase schließt Arbeitskampfmaßnahmen kategorisch aus. Das deutsche Schienennetz bleibt damit mindestens sieben Wochen frei von GDL-geführten Streiks. Doch der Countdown läuft bereits: Sollte bis März kein Kompromiss stehen, könnte der Arbeitskampf pünktlich zum Frühlingsbeginn zurückkehren.
Neuer Ton unter neuer GDL-Führung
Die gestrigen Gespräche in Berlin markieren einen spürbaren Wechsel im Verhältnis zwischen dem Staatskonzern und der Gewerkschaft. Erstmals seit fast zwei Jahrzehnten führte nicht der polarisierende Claus Weselsky die GDL-Delegation, sondern sein Nachfolger Mario Reiß. Beobachter fragen sich: Bringt der Personalwechsel auch einen sachlicheren Verhandlungsstil?
Die ersten Signale deuten darauf hin. Laut Bahn-Vorstand Martin Seiler verlief der Auftakt „konstruktiv“. Beide Seiten einigten sich auf einen straffen Zeitplan mit 14 Verhandlungstagen bis Ende Februar. Der nächste Termin folgt bereits am 22. Januar. Die Bahn zeigte sich mit „ausgestreckter Hand“ – ein deutliches Signal, die zähen Konflikte der Jahre 2023/2024 vermeiden zu wollen.
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Doch die Ausgangslage ist knifflig. Der alte Tarifvertrag lief zum 31. Dezember 2025 aus. Jetzt geht es um neue Bedingungen für rund 10.000 bei der GDL organisierten Beschäftigten.
Forderungspaket: Acht Prozent mehr und Strukturänderungen
Die GDL tritt mit einem umfangreichen Forderungskatalog an die Tisch. Kern ist eine Lohnerhöhung von acht Prozent bei einer kurzen Laufzeit von nur zwölf Monaten. Damit bliebe die Gewerkschaft flexibel für mögliche Nachverhandlungen.
Doch es geht um mehr als die Grundgehälter. Die GDL will strukturelle Änderungen durchsetzen:
* Eine neue Entgeltstufe für Beschäftigte mit 35 Dienstjahren
* Acht Prozent mehr bei allen Zulagen, die einen Großteil des Lokführer-Einkommens ausmachen
* Bessere Bezahlung für Ausbilder und Prüfer
* Höhere Zuschüsse für Miete und Pendelkosten
GDL-Chef Reiß begründet die Forderungen mit der Erosion der Kaufkraft. Die Lohnsteigerungen der Vergangenheit seien durch die Inflation der letzten Jahre aufgefressen worden. Die Gewerkschaft will ihre Mitglieder finanziell „wieder in die Mitte der Gesellschaft“ bringen – und den Beruf gleichzeitig für Nachwuchskräfte attraktiver machen.
Schatten über den Verhandlungen: Die Bahn-Sanierung
Die Tarifgespräche finden in einer wirtschaftlich prekären Phase für die Deutsche Bahn statt. Der Staatskonzern steckt mitten in einem umfassenden Restrukturierungsprogramm unter neuer Führung. Vorstandschefin Evelyn Palla will den riesigen Konzern verschlanken und mehr Verantwortung an die operativen Einheiten delegieren.
Vor allem die Lage des Güterverkehrs-Tochters DB Cargo lastet schwer auf den Verhandlungen. Das Geschäft steckt in ernsten Schwierigkeiten – in Wirtschaftskreisen wird sogar über eine mögliche Zerschlagung spekuliert.
Personalvorstand Seiler machte bereits deutlich, dass der finanzielle Spielraum begrenzt sei. Die Bahn müsse faire Bezahlung mit der dringend notwendigen wirtschaftlichen Stabilisierung in Einklang bringen. Eine Gegenofferte legte der Arbeitgeber in der ersten Runde noch nicht vor. Die große Frage lautet: Wie lassen sich acht Prozent mehr Lohn mit einem Sparprogramm vereinbaren?
Marathon bis Ende Februar
Der Verhandlungsfahrplan ist ambitioniert. Nach dem 22. Januar folgen Termine am 28./29. Januar. Im Februar wird es intensiv: Verhandlungsblöcke sind für den 9.-13. Februar und den 23.-27. Februar geplant. Diese Marathon-Taktik soll technische Details früh klären – und die letzte Februarwoche für die politisch heikelsten Entscheidungen freihalten.
Die Friedenspflicht bis Ende Februar wirkt wie ein Druckkochtopf. Beide Seiten wissen: Wird bis dahin keine Einigung erzielt, kann die GDL ab dem 1. März sofort zu Arbeitskampfmaßnahmen greifen.
Für die deutsche Wirtschaft geht es um viel. Die Logistikbranche, bereits durch globale Lieferkettenverschiebungen unter Druck, ist auf stabile Schienenverbindungen angewiesen. Neue Streiks wie 2024 würden Industrie und Produktion schwer treffen. Auch Millionen Pendler blicken mit Anspannung auf den Kalender – in der Hoffnung, dass die „konstruktive Atmosphäre“ des Januars bis März trägt.
Die Botschaft nach dem Auftakt in Berlin war vorsichtig optimistisch. Die Züge fahren, die Verhandler sprechen miteinander – und vorerst herrscht Frieden. Doch die Lücke zwischen acht Prozent Forderung und den finanziellen Zwängen der Bahn bleibt gewaltig. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die neuen Führungen auf beiden Seiten einen Kompromiss finden – oder ob der Frühling 2026 neue Streikposten an den Bahnhöfen bringt.
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