ASML, Euro

ASML: 20.000 Euro Treueprämie

Veröffentlicht am: 21.07.2026 um 01:25 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chipausrüster ASML steigert Umsatz und Gewinn deutlich, hebt Jahresprognose an und plant Kapazitätsausbau bei EUV-Systemen.

ASML lockt Mitarbeiter mit 20.000 Euro Treueprämie und Rekordquartal
Abstrakte Darstellung einer High-Tech-Fertigungsumgebung, die Präzision und Innovation in der Halbleiterindustrie symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

500 bis 45.000 Mitarbeitern eine ungewöhnliche Treueprämie in Aussicht gestellt. Wie der niederländische Chipausrüster am 17. Juli 2026 per interner E-Mail mitteilte, erhalten Beschäftigte einen einmaligen Aktienzuschuss von 20.000 Euro, wenn sie dem Unternehmen von 2027 bis 2030 treu bleiben. Die Aktien werden zum 1. Januar 2027 zugeteilt und sind zum 1. Januar 2030 unverfallbar. Damit reagiert ASML auf den zunehmenden Fachkräftemangel in der Halbleiterbranche, in der auch Samsung, SK Hynix und TSMC mit ähnlichen Bindungsprogrammen um Ingenieure werben – Samsung soll dabei im Schnitt sogar rund 340.000 US-Dollar bieten. ASML ist nach eigenen Angaben der einzige Hersteller von EUV-Lithografiemaschinen weltweit, seine wichtigsten Systeme sind Berichten zufolge bereits bis 2027 ausverkauft.

Rekordquartal treibt Jahresprognose nach oben

Die Personalmaßnahme fällt in eine Phase außergewöhnlich starker Geschäftszahlen. Im zweiten Quartal erzielte ASML einen Umsatz von 9,326 Milliarden Euro, ein Plus von 21,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, bei einem Nettogewinn von 2,918 Milliarden Euro. Die Bruttomarge lag bei 54 Prozent, das operative Ergebnis stieg um 30 Prozent auf 3,46 Milliarden Euro, was einer operativen Marge von 37 Prozent entspricht – nach 35 Prozent im Vorjahresquartal. Der Gewinn je Aktie kletterte um 29 Prozent auf 7,59 Euro. Ausgeliefert wurden im Quartal 86 Lithografiesysteme.

Auf Basis dieser Zahlen hob ASML seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 36 bis 40 Milliarden Euro auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Für das dritte Quartal stellt der Konzern einen Umsatz von 11 bis 12 Milliarden Euro sowie eine Bruttomarge von 55 bis 57 Prozent in Aussicht. Der Umsatz mit Speichersystemen soll 2026 um mehr als 75 Prozent zulegen. CEO Christophe Fouquet begründete den Ausblick mit einer außergewöhnlich starken Nachfrage aus dem KI-Bereich.

Kapazitätsausbau bei EUV und Kunden wie Intel

Um die Nachfrage zu bedienen, plant ASML eine Ausweitung der EUV-Produktion um 30 Prozent: Von 65 Systemen im laufenden Jahr soll die Fertigung 2027 auf 78 bis 80 Einheiten steigen, für 2028 wird eine weitere Kapazitätserhöhung geprüft. Auch bei der DUV-Immersionstechnik sind Steigerungen von aktuell rund 130 auf bis zu 170 Einheiten im Gespräch. Der Auftragseingang gilt als sehr stark, laut einem niederländischen Branchenbericht schließt das Orderportfolio inzwischen an die vorhandene Produktionskapazität an.

Prominenter Abnehmer der neuesten High-NA-EUV-Generation ist Intel, das die Technik für die Massenfertigung seiner Panther-Lake-Chips im 18A-Verfahren einsetzt. Zudem kooperiert ASML mit Tata Electronics beim Bau der ersten 300-Millimeter-Fabrik Indiens. Ergänzt wird das Bild durch Zulieferbeziehungen zu Zeiss für die Optik und Trumpf für die Lasertechnik der High-NA-Maschinen, deren Stückpreis bei rund 400 Millionen Euro liegt.

Analysten diskutieren Billionen-Bewertung, Risiken bleiben

Die Kombination aus Rekordzahlen und angehobener Prognose hat eine Debatte über eine mögliche Aufwertung zum ersten europäischen Billionen-Dollar-Unternehmen ausgelöst. Die Analysehäuser Barclays, Susquehanna und Bernstein haben ihre Zwölfmonatskursziele auf über 2.600 US-Dollar je Aktie angehoben. Carolyn Bell von Stonehage Fleming sprach von einer guten Chance, die Billionenschwelle zu erreichen. Als Risiken nennen mehrere Beobachter eine mögliche Abkühlung der Hyperscaler-Investitionen sowie den sogenannten MATCH Act, der US-Exportbeschränkungen für Chiptechnologie nach China verschärfen könnte – China steuerte im zweiten Quartal 14 Prozent zum Umsatz bei, für das Gesamtjahr werden rund 20 Prozent erwartet.

Aktuell notiert die ASML-Aktie bei 1.523,20 Euro und damit 12,86 Prozent unter ihrem bisherigen 52-Wochen-Hoch von 1.748,00 Euro vom 30. Juni 2026. Die Marktkapitalisierung beläuft sich auf 590,36 Milliarden Euro. Die jüngste Konsolidierung dürfte angesichts der bereits eingepreisten Erwartungen an das kommende Jahr wenig überraschen – ein niederländischer Marktbeobachter beschrieb die Reaktion der Börse auf die jüngsten Nachrichten entsprechend als verhalten, da der Optimismus über die Aussichten für 2027 bereits im Kurs enthalten sei.

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