Arbeitszeitgesetz: Koalition vor erster Zerreißprobe 2026
03.01.2026 - 22:31:11Die Ampel-Koalition steht vor ihrer ersten großen Bewährungsprobe. Kurz nach Jahresbeginn erhöhen Wirtschaftsverbände und die CDU-Wirtschaftsvereinigung massiv den Druck auf die SPD. Sie fordern die umgehende Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Flexibilisierung des Arbeitsrechts. Die geplante Reform des Arbeitszeitgesetzes kommt nicht voran.
Das Bundesministerium für Arbeit unter SPD-Führung hat trotz der Zusage im Mai 2025 noch keinen Gesetzentwurf vorgelegt. Es verweist auf „gründliche Konsultationen“ mit den Gewerkschaften. Die erste Sitzungswoche des Bundestags beginnt am 12. Januar. Der Wirtschaft geht die Zeit aus.
Kernforderung: Die „Wochenhöchstarbeitszeit“
Im Zentrum des Streits steht der Übergang von der starren täglichen Acht-Stunden-Grenze zu einer flexiblen Wochenhöchstarbeitszeit von 48 Stunden. Diese Flexibilisierung war ein Kernversprechen von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) im Wahlkampf 2025.
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Aktuell ist der Arbeitstag in Deutschland strikt auf acht Stunden begrenzt. Nur unter engen Voraussetzungen sind zehn Stunden erlaubt. Die Wirtschaft hält dieses Korsett im digitalen Zeitalter für veraltet. Die Reform würde es Beschäftigten ermöglichen, an bestimmten Tagen bis zu zwölf Stunden zu arbeiten. Voraussetzung: Der Wochen-Durchschnitt über sechs Monate bleibt bei 48 Stunden.
Der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) zufolge ist diese Flexibilität überlebenswichtig für die globale Wettbewerbsfähigkeit. Das aktuelle „bürokratische Korsett“ behindere die Reaktion auf schwankende Auftragslagen, besonders in Industrie und IT. Die SPD blockiere die Reform, um den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) nicht zu verprellen. Dieser warnt vor Gesundheitsgefahren durch längere Schichten.
Koalitionskrach vor der Sitzungswoche
Der Konflikt zeigt die strukturellen Reibungen in der von Merz geführten Großen Koalition. Nach dem Scheitern der FDP an der Fünf-Prozent-Hürde 2025 regiert die Union notgedrungen mit der SPD. Die Partnerschaft gibt Stabilität, doch in der Wirtschaftspolitik liegen Welten zwischen den Parteien.
Der Druck auf die SPD kommt auch von innen. Der CDU-Wirtschaftsrat hat die Kanzlei aufgefordert, die Arbeitsrechtsreform im ersten Quartal 2026 zur Priorität zu machen. Bei nur schleppendem Wachstum Ende 2025 sieht die Unionsfraktion in der Deregulierung einen kostenneutralen Konjunkturimpuls.
Die SPD steckt in der Zwickmühle. Nach deutlichen Verlusten bei der Wahl will sie ihr Profil als Hüterin der Arbeitnehmerrechte wahren. Das Arbeitsministerium signalisiert: Jede Flexibilisierung braucht strikte Schutzvorkehrungen. Dazu gehört die verpflichtende elektronische Zeiterfassung – eine Folge eines EuGH-Urteils von 2019, die in Deutschland noch nicht vollständig umgesetzt ist.
Der Streit um den „Zwölf-Stunden-Tag“
Die Debatte hat die öffentliche Diskussion um den „Zwölf-Stunden-Tag“ neu entfacht. Befürworter argumentieren, die Wochenobergrenze ermögliche eine bessere Work-Life-Balance. Mitarbeiter könnten vier längere Tage arbeiten und freitags frei nehmen. Kritiker befürchten dagegen mehr Ausbeutung.
Arbeitsmarktexperten sehen die Verzögerung auch in der Komplexität begründet. Die Deregulierung muss mit den neuen Erfassungspflichten vereinbar sein. Der Koalitionsvertrag schützt aber ausdrücklich die Vertrauensarbeitszeit. Die SPD sucht nach Kompromissen, etwa Ausnahmen für bestimmte Gehaltsgruppen oder Berufe von der minutengenauen Erfassung. Bisher findet dieser Vorschlag weder bei Gewerkschaften noch bei Arbeitgebern Zustimmung.
Ausblick: Ein kritisches Januar-Finale
Alle Blicke richten sich nun auf die Woche ab dem 12. Januar. Dann tagt der Bundestag wieder. Die Wirtschaftslobby erwartet bis Ende des Monats einen konkreten Zeitplan für das Reformpaket. Scheitert das Vorhaben, belastet das die Koalition genau dann, wenn die Regierung den Bundeshaushalt 2026 vorbereitet.
Für die SPD ist die Herausforderung, genug Flexibilität zuzugestehen, ohne die Stammwählerschaft zu vergrätzen. Für Kanzler Merz geht es darum, die versprochene „wirtschaftliche Wende“ als regierungsfähig zu beweisen. Mit dem Neustart des politischen Betriebs in Berlin bleibt die Modernisierung des Arbeitsrechts der größte Zankapfel.
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