Apple: Notfall-Update und die Pflicht zum digitalen Nachlass
03.02.2026 - 11:01:12Ein kritischer Software-Patch für alte iPhones unterstreicht diese Woche eine unbequeme Wahrheit: Wer sein digitales Erbe nicht regelt, sperrt Angehörige aus. Während Apple einen Bug bei Notrufen in Australien behebt, wird die Verwaltung des eigenen „digitalen Nachlebens“ zur dringenden Pflicht.
Notfall-Update als Weckruf
Auslöser der Debatte ist ein chaotisches Software-Update. Am Montag, dem 2. Februar 2026, veröffentlichte Apple iOS 16.7.14 für ältere Modelle wie iPhone 8 oder iPhone X. Der Patch behebt einen schwerwiegenden Fehler in der Vorgängerversion, der in Australien auf dem Telstra-Netz Verbindungen zu Notdiensten blockierte.
Gleichzeitig erhielten Nutzer neuerer Geräte das Update iOS 26.2.1 mit Wartungsfixes. Der Vorfall macht deutlich: Software-Pflege ist keine Frage der Bequemlichkeit, sondern der Sicherheit. Doch was nützt das aktuellste System, wenn im Ernstfall niemand an die gespeicherten Erinnerungen und Dokumente kommt?
Der „Hinterbliebenen-Kontakt“ – unterschätzt und lebenswichtig
Die Lösung heißt bei Apple „Legacy Contact“ (Hinterbliebenen-Kontakt). Die seit iOS 15.2 verfügbare, aber wenig genutzte Funktion erlaubt es, vertrauenswürdige Personen für den Todesfall zu benennen. Diese können dann auf Fotos, Nachrichten, Notizen und Backups zugreifen.
Ohne diese Vorbereitung benötigten Angehörige bisher eine gerichtliche Anordnung – ein monatelanger, kostspieliger Prozess. Mit einem designierten Kontakt ist der Zugriff simpel: Er benötigt nur den persönlichen Zugangsschlüssel und eine Sterbeurkunde. Nach der Verifizierung bei Apple wird die Aktivierungssperre der Geräte aufgehoben.
Anleitung in fünf Minuten
Die Einrichtung ist einfach und dauert kaum länger als eine Tasse Kaffee. Sie funktioniert auf allen iPhones mit iOS 15.2 oder neuer – also auch auf den gerade gepatchten Altgeräten.
Viele iPhone-Nutzer wissen nicht, dass sich der Zugriff für Hinterbliebene in wenigen Minuten regeln lässt – und oft bleibt genau das digitale Erbe unzugänglich. Das kostenlose iPhone‑Starterpaket erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Ihr Gerät sicher einrichten, Daten und Zugangsschlüssel verwalten und den Legacy Contact korrekt anlegen. Ideal, wenn Sie Ihr digitales Gedächtnis sofort schützen wollen. iPhone Starterpaket gratis herunterladen
- Einstellungen öffnen: Tippen Sie in der „Einstellungen“-App auf Ihren Namen oben, dann auf „Anmelden & Sicherheit“.
- Kontakt hinzufügen: Wählen „Hinterbliebenen-Kontakt“ und tippen auf „Hinzufügen“. Sie müssen sich mit Face ID, Touch ID oder der Geräte-PIN authentifizieren.
- Person auswählen: Sie können ein Familienmitglied (vorgeschlagen bei aktivierter Familienfreigabe) oder jemanden aus Ihren Kontakten wählen. Experten raten, mehr als eine Person zu benennen, um Komplikationen zu vermeiden.
- Zugangsschlüssel teilen: Dies ist der wichtigste Schritt. Ihr iPhone generiert einen Zugangsschlüssel.
- Hat der Kontakt ein Apple-Gerät, können Sie den Schlüssel per Nachricht senden.
- Drucken Sie den Schlüssel unbedingt aus – insbesondere bei Android-Nutzern. Bewahren Sie das Blatt mit dem QR-Code zusammen mit Ihrem Testament auf.
Warum das Thema 2026 drängt
Die Planung des digitalen Nachlasses gewinnt massiv an Bedeutung. Ein Branchenreport von Dezember 2025 stellte fest, dass „digitale Vermögenswerte endlich die Aufmerksamkeit bekommen, die sie verdienen“. Im Zuge des „Great Wealth Transfer“, der Übertragung von Vermögen zwischen den Generationen, gehören digitale Schlüssel heute zwingend dazu.
Die Komplexität moderner Sicherheitssysteme macht halbe Lösungen unmöglich. Sich darauf zu verlassen, dass jemand „die PIN kennt“, ist riskant. Bei einem Neustart oder Update – wie dem zwangsweisen Update auf iOS 16.7.14 – funktionieren Biometrie-Daten nicht mehr. Die PIN ist dann der einzige Zugang. Stirbt der Nutzer, ist dieser Weg für immer versperrt – es sei denn, ein Hinterbliebenen-Kontakt ist hinterlegt.
Was der Kontakt nicht sehen kann
Aus Datenschutzgründen ist der Zugriff eingeschränkt. Ein Legacy Contact erhält keinen Zugriff auf lizenzierte Medien (gekaufte Filme/Musik), In-App-Käufe und vor allem nicht auf den iCloud-Schlüsselbund mit gespeicherten Passwörtern und Zahlungsinformationen.
Anwälte für Nachlassplanung empfehlen daher, die Apple-Funktion durch einen separaten Passwort-Manager oder ein sicheres physisches Dokument für Finanzdaten zu ergänzen. So bleiben private Zugänge geschützt, während die Familienfotos gerettet werden.
Die Zukunft der digitalen Hinterlassenschaft
Der Trend ist klar: Die Verwaltung des digitalen Erbes wird zum Standard in der Nachlassplanung. Zukünftige iOS-Updates könnten eine noch feinere Kontrolle ermöglichen, etwa das gezielte Ausschließen bestimmter Nachrichten-Ordner.
Die Botschaft der Tech-Community diese Woche ist eindeutig: Warten Sie nicht auf die Krise. Ob Sie ein altes iPhone 8 mit dem Notfall-Patch versorgen oder das neueste Modell besitzen – nehmen Sie sich heute fünf Minuten. Richten Sie Ihren Hinterbliebenen-Kontakt ein. Sichern Sie Ihr digitales Gedächtnis.


