Altersvorsorge-Depot: Bundestag beschließt größte Rentenreform seit 20 Jahren
26.04.2026 - 15:30:25 | boerse-global.de
Das neue Altersvorsorge-Depot ersetzt das auslaufende Riester-Modell und setzt künftig auf staatlich geförderte Aktienanlagen. Das Gesetz soll am 1. Januar 2027 in Kraft treten.
Das Ende der Riester-Rente
Am 27. März 2026 stimmte die Koalition aus CDU/CSU und SPD für das Altersvorsorgereformgesetz. Ziel ist es, den seit Jahren schrumpfenden Markt der privaten Altersvorsorge wiederzubeleben. Ende 2024 waren nur noch rund 15 Millionen Riester-Verträge aktiv – ein deutlicher Rückgang.
Der Gesetzesentwurf geht nun in den Bundesrat, der voraussichtlich im Mai 2026 abstimmt. Banken, Versicherungen und Neobroker haben dann neun Monate Zeit, ihre Systeme für den Start im Januar fit zu machen.
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Aktien statt Garantien: Das neue Modell
Der Kern der Reform: Das zertifiziertes Altersvorsorge-Depot erlaubt erstmals reine Aktieninvestments. Anders als beim Riester-System mit seiner Pflicht zur 100-prozentigen Kapitalgarantie können Sparer künftig zwischen drei Schutzstufen wählen:
- Volle 100-Prozent-Garantie
- 80-Prozent-Garantie
- Keine Garantie
Damit reagiert die Politik auf die Niedrigzinsphase der vergangenen Jahre. Riester-Anbieter mussten damals in renditeschwache Anleihen investieren – mit oft enttäuschenden Ergebnissen nach Abzug von Inflation und Kosten.
Paul Kammerer vom Fintech-Unternehmen fincite spricht von der größten Öffnung des deutschen Rentenmarktes seit 20 Jahren. Der Branchenexperte betont: Es gehe nicht nur um neue Regeln, sondern um eine grundlegende Neuausrichtung der staatlich geförderten Altersvorsorge.
Zum Schutz der Verbraucher müssen alle Anbieter ein Standardprodukt mit maximal 1,0 Prozent effektiven Jahreskosten anbieten.
Mehr Geld vom Staat: Die neue Förderung
Die Reform vereinfacht die staatliche Unterstützung radikal. Statt der komplizierten „4-Prozent-vom-Einkommen“-Regel gilt ab 2027 ein gestaffeltes Fördersystem:
- Für die ersten 360 Euro Jahresbeitrag: 50 Cent Zuschuss pro investiertem Euro
- Für Beiträge bis maximal 1.800 Euro: 25 Cent pro Euro
Ein Sparer, der monatlich 150 Euro einzahlt, erhält so 540 Euro Grundförderung pro Jahr – ein deutlicher Sprung gegenüber den bisherigen 175 Euro Riester-Zulage.
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Hinzu kommt ein Kinderzuschlag von 300 Euro pro Kind und Jahr, der bereits ab einer Mindestsparrate von 25 Euro monatlich gewährt wird.
Erstmals profitieren auch Selbstständige und Freiberufler von der staatlichen Förderung – eine Lücke im deutschen Sozialsystem, die nun geschlossen wird.
Steuervorteile und Übergangsregeln
Das neue Depot folgt dem Prinzip der nachgelagerten Besteuerung: Beiträge und Kursgewinne bleiben während der Ansparphase steuerfrei, besteuert wird erst die Auszahlung im Ruhestand. So kann der Zinseszinseffekt ungehindert wirken.
Die steuerlich absetzbaren Höchstbeiträge steigen ebenfalls: Während die ersten 1.800 Euro direkt gefördert werden, können Sparer nach Expertenmeinung bis zu 13.000 Euro jährlich einzahlen und steuerlich geltend machen.
Für die rund 16 Millionen bestehenden Riester-Sparer gilt: Niemand muss seinen Vertrag kündigen. Alte Verträge laufen zu den ursprünglichen Bedingungen weiter. Allerdings können ab dem 1. Januar 2027 keine neuen Riester-Verträge mehr abgeschlossen werden. Ein freiwilliger Wechsel ins neue Depot ist möglich – die Reform soll dabei die Kosten für den Anbieterwechsel senken.
Countdown für die Finanzbranche
Die Zeit drängt: Banken und Versicherungen müssen bis Januar 2027 ihre digitalen Plattformen umstellen. Experten warnen, dass die Entwicklung regulatorisch konformer Systeme – mit digitalen Signaturen, automatischer Eignungsprüfung und Schnittstellen zur Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) – mindestens sechs bis neun Monate dauert. Wer bis Mitte 2026 keine fertige Technologie-Roadmap hat, riskiert den Starttermin.
Die Frühstart-Rente für Kinder
Ein weiterer Baustein der Reform: die Frühstart-Rente. Sie soll Kindern und Jugendlichen mit staatlichem Startkapital eine frühe Basis für die Altersvorsorge schaffen. Die vollständige Einführung ist an die Reform 2027 gekoppelt, die Regierung hat jedoch angekündigt, dass Leistungen für bestimmte Geburtsjahrgänge rückwirkend gewährt werden könnten.
Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte nach der Abstimmung: Ziel sei es, alle drei Säulen der Alterssicherung – gesetzliche, betriebliche und private – für alle Einkommensgruppen und Generationen zukunftsfest zu machen. Die Modernisierung der dritten Säule soll den Druck auf die gesetzliche Rente mindern, der durch den demografischen Wandel entsteht, und den Bürgern gleichzeitig flexiblere, renditestärkere Optionen für die eigene Altersvorsorge bieten.
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