Alstom S.A., FR0010220475

Alstom Aktie nach Kurssprung: Chance für DACH-Anleger – oder value trap?

28.02.2026 - 15:47:21 | ad-hoc-news.de

Die Alstom Aktie hat sich nach dem Absturz wieder gefangen, doch die Verschuldung bleibt hoch und der ICE-Konkurrent steht unter Margendruck. Was heißt das konkret für Anleger in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

BLUF: Wenn Sie in der DACH-Region in Infrastruktur und Bahntechnik investieren wollen, führt an Alstom kaum ein Weg vorbei – aber die Aktie bleibt ein Hochrisiko-Play mit Hebel auf Zinsen, Staatsausgaben und Europa-Kon­junktur. Nach dem Kurscrash wegen Schuldenangst hat sich der Kurs zwar etwas stabilisiert, doch Ratingagenturen, Banken und Profi-Anleger sind weiter gespalten.

Für Ihr Depot in Deutschland, Österreich oder der Schweiz ist entscheidend: Wie tragfähig ist Alstoms Sanierungs- und Entschuldungsplan, welchen Einfluss haben Großaufträge aus der Region – und wie groß ist das Risiko eines erneuten Kursrückschlags?

Was Sie jetzt wissen müssen, bevor Sie bei der Alstom Aktie nachkaufen, einsteigen oder konsequent die Finger davon lassen.

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Analyse: Die Hintergründe

Alstom S.A. mit der ISIN FR0010220475 ist einer der größten Zug- und Signaltechnikhersteller der Welt und für Anleger in der DACH-Region vor allem aus drei Gründen relevant:

  • Starke Präsenz im deutschsprachigen Raum mit Standorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz, etwa über den ICE-Konkurrenten "Velaro"-Plattformen, Regionalzüge und Signaltechnik für die Deutsche Bahn und Schweizer SBB.
  • Profiteur der europäischen Verkehrswende, insbesondere des Deutschlandtakts, des Ausbaus der S-Bahn-Netze in Metropolregionen wie München, Rhein-Main und Wien sowie der Dekarbonisierung des Güterverkehrs.
  • Gleichzeitig hoch verschuldet nach der Bombardier Transportation Übernahme, was die Aktie extrem zinssensibel und konjunkturanfällig macht.

In den jüngsten Quartalszahlen hat Alstom erneut bestätigt, dass der Auftragseingang robust bleibt und die Auftragsbücher prall gefüllt sind. Gerade in Zentraleuropa, inklusive Deutschland, Österreich und der Schweiz, laufen große Infrastrukturprogramme, die langfristig Umsatz sichern. Allerdings steht dem ein hoher Cash-Abfluss gegenüber, weil historische Projekte mit niedrigen Margen noch durch die Bücher laufen.

Für Anleger im DACH-Raum ist die zentrale Frage: Reicht der operative Cashflow in den nächsten Jahren, um die Nettoverschuldung spürbar zu reduzieren, ohne dass eine Kapitalerhöhung nötig wird? Genau an diesem Punkt scheiden sich aktuell die Geister von Analysten und Marktteilnehmern.

Was aktuell an der Börse gespielt wird

Nach dem dramatischen Kurssturz im vergangenen Jahr, als Alstom seine Verschuldung und den negativen Free Cashflow offenlegen musste, ist der Titel zu einer Art "Sonderlage" im europäischen Industrials-Sektor geworden. Value-Investoren und spekulative Trader sehen in der niedrigen Bewertung einen möglichen Turnaround-Kandidaten, während risikoaverse Institutionelle eher Abstand halten.

Typische Argumente der Bullen:

  • Auftragsbestand über viele Jahre sorgt für hohe Visibilität der Umsätze, insbesondere durch Aufträge der Deutschen Bahn, regionaler Verkehrsverbünde in Deutschland und der ÖBB in Österreich.
  • Politischer Rückenwind durch EU-Green-Deal, deutsche Förderprogramme für Schiene statt Straße und Schweizer Volksentscheide, die den Bahnverkehr stärken.
  • Bewertung im Branchenvergleich niedrig, gemessen an Kennzahlen wie Kurs-Umsatz-Verhältnis und Enterprise Value zu EBITDA im Vergleich zu Siemens Mobility (indirekt über Siemens) und Stadler Rail.

Die Bären verweisen dagegen auf:

  • Hohe Nettoverschuldung, die empfindlich auf steigende oder länger hoch bleibende Zinsen im Euroraum reagiert.
  • Risiko von Projektverzögerungen bei komplexen Großprojekten wie ETCS-Signaltechnik in Deutschland oder neuen Hochgeschwindigkeitszügen.
  • Möglichkeit weiterer Abschreibungen auf Alt-Projekte aus der Bombardier-Übernahme.

Für Anleger im DACH-Raum bedeutet das: Die Alstom Aktie handelt wie ein Hebel auf europäische Infrastrukturpolitik, Zinsentwicklung und die Umsetzungsgeschwindigkeit bei der Bahnmodernisierung in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Lokale Relevanz: Warum Alstom speziell für DACH-Investoren wichtig ist

1. Deutschland: Bahnreform, Deutschlandtakt und Milliardeninvestitionen

Die Bundesregierung hat sich verpflichtet, die Schiene massiv zu stärken. Der geplante Deutschlandtakt, Ausbaukorridore wie Rhein-Ruhr, Korridor Rotterdam-Genua sowie die Sanierung der Hochleistungskorridore erfordern enorme Investitionen in:

  • Neue Züge und Triebwagen für Fern- und Regionalverkehr
  • Signal- und Leittechnik (ETCS, digitale Stellwerke)
  • Modernisierung der Fahrzeugflotten für Nahverkehrsverbünde wie VRR, MVV oder HVV

Alstom ist an vielen dieser Themen direkt beteiligt. Für Sie als deutschen Privatanleger heißt das: Die Gewinnentwicklung von Alstom hängt unmittelbar mit der Umsetzungsgeschwindigkeit deutscher Infrastrukturprojekte zusammen. Verzögerungen bei Planung, Genehmigung oder Finanzierung können die Margen andrücken oder Cashflows verschieben.

2. Österreich: ÖBB als Referenzkunde und europäische Drehscheibe

Die ÖBB investiert massiv in Nachtzüge, Regionalverkehr und grenzüberschreitende Verbindungen nach Deutschland, Italien und Richtung Osten. Alstom ist als Ausrüster und Technologiepartner im Spiel. In Wien, Graz und weiteren Standorten sitzen wichtige Engineering- und Serviceeinheiten.

Für österreichische Anleger, die oft stark heimmarkt-orientiert investieren, ist Alstom besonders interessant, weil:

  • Teile der Wertschöpfungskette im Land stattfinden und Arbeitsplätze sichern.
  • Die ÖBB als stabiler Staatskunde langfristige Verträge abschließt, was die Visibilität der Erträge erhöht.
  • Alstom zyklische Risiken einzelner Länder durch seine breite, europäische Aufstellung abfedern kann.

3. Schweiz: Stadler Rail als Benchmark im Depot

Viele Schweizer Anleger haben Stadler Rail im Blick oder bereits im Portfolio. Alstom ist im gleichen Markt unterwegs und bietet sich als direkter Vergleichs- und Diversifikationswert an. Während Stadler Rail stärker auf Regionalzüge und maßgeschneiderte Lösungen fokussiert ist, deckt Alstom die komplette Palette von Hochgeschwindigkeitszügen bis zu Signalanlagen ab.

Für Anleger in der Schweiz, die sich an der SIX oder via Euro-Stocks orientieren, ergibt sich daraus eine klare Fragestellung: Setze ich auf den eher defensiven, heimischen Player Stadler Rail oder auf den stärker verschuldeten, aber breiter aufgestellten Global Player Alstom?

Bewertung: Wie teuer ist die Alstom Aktie wirklich?

Im aktuellen Kurs spiegelt sich nach Einschätzung vieler Marktbeobachter ein Szenario wider, das zwischen vorsichtigem Turnaround und Restrukturierung liegt. Die Bewertung auf Basis traditioneller Kennzahlen bleibt schwierig, weil:

  • historische Zahlen noch stark vom Bombardier-Mix und Altprojekten verzerrt sind,
  • der Free Cashflow kurzfristig negativ oder nur schwach positiv sein kann,
  • Investoren stark auf den Verschuldungsabbau achten.

Wichtige Kennziffern, auf die Sie als DACH-Anleger besonders achten sollten:

  • Netto-Verschuldung / EBITDA: Je näher Alstom mittelfristig an die Schwelle von 2 bis 2,5 kommt, desto entspannter wird der Markt.
  • Free Cashflow: Entscheidend ist, ob Alstom wie angekündigt in den nächsten Jahren konsequent positiven freien Cashflow liefert.
  • Operative Marge (EBIT-Marge): Erhöht sich diese spürbar, spricht das für bessere Projektqualität und weniger Altlasten.

Für Investoren in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Aktie deshalb aktuell eher ein contrarian Investment: Wer investiert, glaubt daran, dass Management, Politik und Eisenbahnkunden gemeinsam die strukturellen Probleme des europäischen Bahnsektors lösen.

Risikoprofil: Was im schlechtesten Fall passieren kann

1. Kapitalerhöhung als Damoklesschwert

Obwohl das Management wiederholt betont, die Verschuldung aus eigener Kraft senken zu wollen, bleibt aus Sicht vieler Analysten das Risiko einer Kapitalerhöhung im Raum. Für Sie als Aktionär aus der DACH-Region würde das bedeuten:

  • Verwässerung Ihres Anteils, wenn Sie nicht mitziehen.
  • Kurzfristiger Druck auf den Aktienkurs während der Platzierung.
  • Mittelfristig jedoch potenziell entspannteres Bilanzbild.

2. Projekt- und Lieferkettenrisiken

Alstom arbeitet in komplexen internationalen Lieferketten. Bei Fahrzeugen für die Deutsche Bahn oder SBB greifen zig Zulieferer aus Deutschland, Österreich, Schweiz und Osteuropa ineinander. Verzögerungen oder Qualitätsprobleme können Margen auffressen.

3. Politisches Risiko

Staatsbahnen und Verkehrsverbünde in der DACH-Region sind zentrale Auftraggeber. Haushaltssperren, verschobene Ausschreibungen oder politische Prioritätswechsel (etwa hin zu Autobahnerhalt statt Schiene) würden sich direkt in den Auftragsbüchern von Alstom niederschlagen.

Chancenprofil: Was im positiven Szenario möglich ist

1. Züge als Gewinner der Dekarbonisierung

Die EU und die nationale Politik in Deutschland, Österreich und der Schweiz haben Klimaziele verbindlich im Recht verankert. Der Schienenverkehr gilt als Schlüssel zur Erreichung dieser Ziele. Gelingt die konsequente Umsetzung, könnte Alstom in den kommenden zehn bis 15 Jahren von einem strukturellen Wachstumstrend profitieren.

2. Digitalisierung der Infrastruktur

ETCS, digitale Stellwerke und automatisierte S-Bahnen werden in Deutschland (z. B. S-Bahn Stuttgart), Österreich und der Schweiz massiv ausgebaut. Hier liegen Margen häufig höher als im reinen Fahrzeuggeschäft. Für Aktionäre bedeutet das: Steigt der Anteil dieses Geschäfts, könnte sich die Profitabilität beschleunigen.

3. Mögliche Neupositionierung als Infrastruktur-Champion

Schafft es das Management, Altlasten zu bereinigen und die Bilanz zu stärken, könnte Alstom an der Börse mittelfristig ähnlich bewertet werden wie andere europäische Industriewerte mit stabilen Cashflows. In einem solchen Szenario wäre der aktuelle Kursabstand zum Sektor womöglich überzogen.

Das sagen die Profis (Kursziele)

Achtung wichtiger Hinweis: Konkrete aktuelle Kursziele und exakte Analystenratings ändern sich laufend und liegen oft hinter Paywalls von Banken und Datenanbietern. Konkrete Zielkurse oder tagesaktuelle Einstufungen nenne ich deshalb hier aus Gründen der Datenintegrität nicht, sondern konzentriere mich auf die groben Tendenzen, die aus mehreren Quellen übereinstimmend berichtet werden.

Aus der Auswertung jüngster Analystenkommentare großer Häuser (u. a. internationale Investmentbanken und europäische Broker) ergibt sich folgendes Bild:

  • Bewertungsspektrum: Die Kursziele liegen typischerweise deutlich oberhalb des aktuellen Kurses, spiegeln aber ein Szenario wider, in dem der Entschuldungsplan klappt. Der Abstand variiert stark, je nach Risikoeinschätzung.
  • Einstufungen gemischt: Einige Häuser sehen die Aktie als spekulative Kaufchance, andere raten trotz niedriger Bewertung aufgrund der Bilanzrisiken zu Zurückhaltung.
  • Fokus auf Free Cashflow: Entscheidend für künftige Ratinganhebungen oder -absenkungen ist die Frage, ob Alstom in den kommenden Quartalen tatsächlich nachhaltigen positiven freien Cashflow nachweisen kann.

Für Anleger in der DACH-Region gilt damit: Wer auf die Alstom Aktie setzt, stellt sich bewusst gegen die Vorsicht eines Teils des Marktes und spekuliert darauf, dass die Bahn-Story in Europa am Ende hält, was die Politik verspricht. Risikoaffine Investoren könnten die aktuelle Schwächephase für einen schrittweisen Einstieg nutzen, während konservative Anleger womöglich abwarten, bis der Verschuldungsabbau sichtbarer Fortschritte macht.

Fazit für Ihr Depot

Alstom ist im deutschsprachigen Raum operativ gut verankert und politisch Rückenwind-getrieben, bleibt aber bilanzseitig angespannt. Wer einsteigt, sollte:

  • die Position im Portfolio begrenzen,
  • nur Kapital einsetzen, dessen Schwankungen er tragen kann,
  • Quartalsberichte und Aussagen zum Free Cashflow eng verfolgen,
  • die Entwicklung der europäischen Zinsen und der Infrastrukturprogramme in Deutschland, Österreich und der Schweiz im Auge behalten.

Als Beimischung in einem breit diversifizierten DACH-Depot kann die Alstom Aktie eine interessante, aber volatile Spekulation auf die Zukunft der europäischen Schiene sein. Für ein defensives Basisinvestment ist sie aufgrund der Verschuldung und Projektkomplexität derzeit nur eingeschränkt geeignet.

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