Jahr, Rechenschaftspflicht

2026: Das Jahr der digitalen Rechenschaftspflicht

18.01.2026 - 22:52:12

Neue EU-Vorschriften wie NIS2 und KI-Gesetz treten in Kraft und machen IT-Sicherheit und digitale Resilienz zur strategischen Kernaufgabe für Vorstände.

Für europäische Unternehmen beginnt 2026 die Ära der nachweisbaren Umsetzung. Neue EU-Regularien wie NIS2 und der KI-Gesetz treten in Kraft und zwingen Compliance-Verantwortliche, IT-Sicherheit als strategischen Erfolgsfaktor zu etablieren. Die Zeit der Vorbereitung ist endgültig vorbei.

Der regulatorische Druck erreicht seinen Höhepunkt

Eine Welle strenger Vorgaben aus Brüssel entfaltet ihre volle Wirkung. Im Zentrum stehen vier zentrale Regelwerke: Die NIS-2-Richtlinie, der Digital Operational Resilience Act (DORA), der Cyber Resilience Act (CRA) und der EU AI Act. Sie spannen ein dichtes Netz an Pflichten und machen digitale Governance zur Chefsache.

Ab sofort ist die Geschäftsleitung persönlich für die Umsetzung der Sicherheitsvorgaben haftbar. Rund 30.000 deutsche Unternehmen sind direkt von NIS2 betroffen. Sie müssen umfassende Risikomanagementmaßnahmen nachweisen und Sicherheitsvorfälle streng melden. Finanzinstitute stehen parallel unter Druck, bis Anfang 2026 vollständig DORA-konform zu sein.

Die vielleicht größte Umwälzung bringt der KI-Gesetz. Ab August 2026 werden die Compliance-Pflichten für Hochrisiko-KI-Systeme verbindlich. Unternehmen müssen Transparenz schaffen, ihre Systeme dokumentieren, testen und eine menschliche Kontrolle sicherstellen. Die IT-Infrastruktur wird damit zur zentralen Compliance-Frage.

Anzeige

Passend zum Thema KI‑Gesetz: Die neue EU‑KI‑Regelung verlangt klare Risikoklassifizierungen, umfassende Dokumentation und geprüfte Nachweise zur menschlichen Kontrolle. Ein kostenloser Umsetzungsleitfaden erklärt Schritt für Schritt, wie Sie Hochrisiko‑KI richtig klassifizieren, erforderliche Dokumente aufbauen und Nachweispflichten erfüllen – inklusive praktischer Checklisten und Vorlagen für Compliance‑Teams und IT‑Verantwortliche. So reduzieren Sie Haftungs- und Reputationsrisiken. Jetzt KI-Umsetzungsleitfaden herunterladen

KI: Fluch und Segen für die Cybersicherheit

Künstliche Intelligenz entwickelt sich 2026 endgültig vom Experiment zum Kernelement der Unternehmensstrategie – in der Verteidigung wie im Angriff. Cyberkriminelle nutzen KI, um Angriffe zu skalieren und anzupassen, etwa durch autonome Phishing-Kampagnen.

Gleichzeitig wird KI zum entscheidenden Werkzeug für die eigene Sicherheit. Der „agentic SOC“ (Security Operations Center), in dem KI-Systeme Bedrohungen autonom erkennen und neutralisieren, setzt sich als neuer Standard durch. Für Compliance-Teams bietet KI zudem Chancen: Sie kann bei Risikoanalysen, der Erstellung von Richtlinien und der Überwachung von Kontrollen unterstützen. Voraussetzung ist jedoch eine klare AI Governance, um den Einsatz der Technologie selbst regelkonform zu gestalten.

Paradigmenwechsel: Von der Prävention zur Resilienz

Die Bedrohungslage führt zu einem grundlegenden Umdenken. Der Fokus verschiebt sich von der reinen Angriffsvermeidung hin zur umfassenden digitalen Resilienz. Es geht nicht mehr nur darum, einen Vorfall zu verhindern, sondern darum, auch im Ernstfall handlungsfähig zu bleiben.

Dieser Ansatz umfasst rechtliche Aspekte, Krisenkommunikation und die Widerstandsfähigkeit der gesamten Lieferkette. Kontinuierliche Prozesse wie Continuous Threat Exposure Management (CTEM) gewinnen an Bedeutung. Compliance wird zur Daueraufgabe, die Automatisierung erfordert – gerade angesichts des Fachkräftemangels. Die Fähigkeit, digitale Risiken als Geschäftsrisiken zu managen, wird zum Wettbewerbsvorteil.

Integration wird zur Überlebensfrage

Die Vielzahl sich überlappender Vorschriften macht isolierte Lösungen untragbar. Unternehmen müssen ihre Compliance-Anstrengungen für Datenschutz, IT-Sicherheit und KI-Governance bündeln. Erforderlich ist eine integrierte Strategie, die auf einer zentralen Datenquelle – oft aus dem IT-Asset-Management (ITAM) – aufbaut.

Experten sehen in dieser Konsolidierung eine Chance. Compliance kann von einer Belastung zu einem wertschöpfenden Faktor werden. Wer seine Compliance-Daten systematisch auswertet – von Whistleblowing-Hinweisen bis zu Risikosignalen von Lieferanten – gewinnt wertvolle Einblicke für die Unternehmensführung.

Das Jahr 2026 wird die Spreu vom Weizen trennen. Wer IT-Sicherheit weiterhin als rein technische Aufgabe abtut, riskiert hohe Strafen und Reputationsverluste. Die Verantwortung liegt nun unmissverständlich beim Vorstand. Die Fähigkeit, Vertrauen in die eigenen digitalen Prozesse zu schaffen, wird zur wichtigsten Währung.

Anzeige

PS: Compliance bleibt Chefsache — sind Ihre KI‑Prozesse wirklich prüfbar? Dieser kostenlose Leitfaden fasst Kennzeichnungspflichten, Dokumentationsanforderungen und Übergangsfristen verständlich zusammen und liefert einen sofort anwendbaren Maßnahmenplan. Mit praktischen Checklisten für Risikoanalysen, Vorlagen zur Dokumentation und Governance‑Tipps stellen Sie Nachweise zusammen, die Behörden und Auditoren bestehen. Kostenlosen KI‑Leitfaden anfordern

@ boerse-global.de