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Aktienmärkte, Anleger

Raus aus dem Markt! Aber wann wieder rein?

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

seit geraumer Zeit erreichen uns vermehrt Anfragen, in denen die Leser wissen wollen, wann und wie sie (wieder) „in den Markt“ einsteigen. Manche möchten dazu am liebsten auf einen Rücksetzer auf ein bestimmtes Niveau warten, andere halten bereits die laufende Konsolidierung für eine gute Gelegenheit. Für viele Langfristanleger scheint das ein großes Problem zu sein. Die Antworten darauf sind allerdings sehr einfach.

Die Gefahr „falscher“ Entscheidungen an der Börse

Zunächst vorweg: An der Börse geht es stets „nur“ um Wahrscheinlichkeiten. Es kann Ihnen also niemand genau sagen, ob der DAX in absehbarer Zeit nochmals stärker fällt oder nicht. Wenn Sie sich also ein bestimmtes Einstiegsniveau ausgucken, bei dem Sie dann aber „ganz bestimmt“ einsteigen, kann es sein, dass dieses Niveau nie wieder erreicht wird. (Börsenaltmeister Jens Erhardt hat z.B. unlängst ein Kursziel von 16.000 Punkten für den DAX ausgegeben. Vielleicht läuft der Kurs also schnurstracks dorthin…)

Und wer in der aktuellen Konsolidierung einsteigt, läuft natürlich Gefahr, dass alle Bullen unrecht haben und die Kurse doch noch einmal kräftig fallen. Und wenn es zu einem dynamischen Rückfall wie im März kommt, könnten all die Anleger, die jetzt auf tiefere Kaufkurse hoffen, wieder kalte Füße kriegen und weiter abwarten.

Was immer Sie also für Ihre Aktienanlage planen und wie auch immer Sie sich dann entscheiden – es besteht stets eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich diese Entscheidung letztlich als „falsch“ erweist.

Investieren nach der Templeton-Methode

Weil das so ist, hat Sir John Templeton, der legendäre Gründer der Templeton Investmentgesellschaft, einst einen einfachen Ratschlag für Langfristanleger gegeben. Auf die Frage, wann der richtige Zeitpunkt ist, um zu investieren, antwortete er lapidar: „Wenn Sie das Geld dafür haben.“

Diese einfache „Regel“ beseitigt nicht nur alle Zweifel, wann man einsteigen, sondern auch, wann man aussteigen sollte. Denn man kann sie einfach für diesen Fall erweitern: Aussteigen sollten Sie nur, wenn Sie das Geld anderweitig brauchen.

Investieren nach der Templeton-Methode ist also ganz einfach: Wenn Sie Geld haben, investieren Sie (am besten auch regelmäßig durch den guten alten Sparplan) und nur, wenn Sie das Kapital für andere Zwecke benötigen (z.B. ein Eigenheim), verkaufen Sie.

Wie Sie besser als der Durchschnitt werden

Diese Methode läuft also auf Buy & Hold statt rein & raus hinaus, was für viele Börsianer erst einmal sehr langweilig klingen dürfte. Dennoch ist diese Methode natürlich sinnvoll, hat aber auch einige Tücken. Es beginnt schon mit der richtigen Auswahl der Wertpapiere. Dazu fragte mich neulich ein Leser, welche Aktien ich ihm empfehlen könnte, die „„durch weitere Krisen hindurch“ als „sehr stabile Werte […] mit hoher Substanz und einer aussichtsreichen Zukunft [langfristig] liegen bleiben“ können.

Solche Aktien findet man nur im Nachhinein mit hinreichender Verlässlichkeit. Besser – und vor allem einfacher – ist es daher, Buy&Hold-Investments breit zu diversifizieren. Dafür eignen sich ETFs auf große Indizes hervorragend. Damit erreicht man zwar „nur“ die Marktrendite, aber genau das schaffen die wenigsten privaten Anleger. Und selbst die meisten Fondsmanager scheitern daran, ihre Benchmark zu erreichen oder gar zu übertreffen. Wenn Sie also nach der Templeton-Methode „nur“ die Marktrendite erzielen, haben Sie also mehr geschafft als die Mehrzahl aller anderen Investoren. Obwohl Sie also nur so gut wie der „Durchschnitt“ (= der Markt) sind, würden Sie eine (vergleichsweise) überdurchschnittliche Rendite erzielen – ein weiteres Paradoxon der Börse…

Die Krux der Templeton-Methode ist aber, dass nicht nur der Verlauf der Börse ungewiss ist, sondern auch der „Rest“ des Lebens. So kann theoretisch jederzeit die Notwendigkeit für einen höheren Kapitalbedarf entstehen. Da nützt es wenig, wenn die Statistik ausweist, dass ein Einmalinvestment bei hinreichend langem Zeithorizont stets lukrativer ist, als schrittweise einzusteigen oder gar auf einen Kursrückgang zu warten. Es kann ja sein, dass man das Geld doch früher braucht! Nach dem großen Crash 1929 dauerte es immerhin mehr als 26 Jahre, bis der Dow Jones wieder sein altes Hoch erreicht hat. Nicht jeder kann oder will so lange warten…

Das größte Hindernis: die Anlegerpsychologie

Das größte Hindernis bei der Anwendung der Templeton-Methode dürfte aber die Anlegerpsychologie sein. Bekanntlich ist die Angst vor Verlusten viel größer als die Hoffnung auf Gewinne. Und da es stets sein kann, dass man in der Nähe eines Hochs einsteigt, drohen unter Umständen schon bald größere Verluste. Verständlich, dass viele Anleger zögern, auf einmal große Summen zu investieren.

Dieses Problem bekommt aber noch eine ganz andere Dimension. So waren unter den Lesern, die uns nach dem richtigen Einstiegszeitpunkt gefragt haben, auch einige Anleger, die im jüngsten Crash ausgestiegen sind. Der eine oder andere hat es sogar geschafft, die größten Verluste dieses Kurseinbruchs zu vermeiden. (Viele stiegen allerdings auch in der Nähe des Tiefs aus…)

Nun sitzen also diese Anleger auf einem Berg von Cash und schauen den steigenden Kursen verwundert hinterher – denn natürlich haben sie nicht gleich im April oder Mai den Wiedereinstieg gewagt. Schließlich waren bzw. sind die Perspektiven für die Wirtschaft (und damit potenziell für die Aktienmärkte) bestenfalls durchwachsen, wie Sven Weisenhaus hier immer wieder betont.

Es gibt sogar Leser, die haben es deshalb seit der Finanzkrise nicht geschafft, ihre Aktienpositionen aufzubauen…

Ist der schrittweise Einstieg die Lösung?

Die Templeton-Methode – einfach „blind“ einsteigen und nie wieder ohne triftigen Grund aussteigen – hat also auch deshalb viel für sich, weil man damit vermeidet, aus dem Markt zu fliegen, ohne einen Plan für den Wiedereinstieg zu haben. Damit erledigen sich auch Stopp-Strategien (von denen die meisten für Langfristanleger ohnehin nichts taugen) und die vielfach diskutierte Frage, wie man am besten ein bevorstehendes Hoch erkennt.

Der Nachteil der Templeton-Methode ist allerdings, dass man mit ihr auch durch die Täler der Börsen fährt, was ebenfalls eine mentale Herausforderung ist. Dabei kann man sich allerdings mit dem Gedanken trösten, dass dabei ja auch „der Markt“ verliert. Und wenn man sein Depot (z.B. durch ETFs) an den Markt gebunden hat, erhält man immerhin die Marktrendite. Und wie erläutert, ist das oft sehr viel mehr, als die meisten anderen Anleger schaffen.

Was machen aber nun diejenigen, die aus irgendwelchen Gründen trotzdem „draußen“ sind und wieder rein wollen? Ihnen empfehlen auch Anlageratgeber (notgedrungen) den schrittweisen Einstieg. Leider fehlt es dabei stets an konkreten, nachvollziehbaren und einfach umsetzbaren Vorschlägen, wie man dabei am besten vorgeht. Mehr als den allgemeinen Ratschlag, die Gesamtsumme in drei bis vier Einzelpositionen aufzuteilen findet man kaum.

Ein ganz einfaches Einstiegssystem

Aber letztlich steht man als Anleger auch mit diesen „kleinen“ Teilpositionen wieder vor demselben Problem: Ist JETZT der richtige Zeitpunkt einzusteigen?

Aus diesem Grund hatte ich vor längerer Zeit den Lesern des langfristig ausgerichteten Börsendienstes von Stockstreet, der inzwischen Geldanlage-Brief heißt, ein System vorgestellt, dass es auf ganz einfache Weise erlaubt, wichtige Tiefpunkte mit hoher Wahrscheinlichkeit zu erkennen.

Erstmals hatte ich es Ende 2013 veröffentlicht – als der S&P 500 und der DAX nachhaltig über ihre Allzeithochs von 2000 und 2007 ausbrachen. Auch damals haderten viele Anleger, die noch an der Seitenlinie verharrten mit den steigenden Kursen und suchten Rat.

Die gleiche Situation wie 2013

Aktuell sind wir in einer ähnlichen Situation: Der NASDAQ 100 ist trotz des März-Crashs inzwischen nicht nur über sein Hoch von Anfang 2020 ausgebrochen, sondern hat auch schon die runde 10.000-Punkte-Marke nachhaltig hinter sich gelassen. Ich bekenne, dass auch ich damit gerechnet habe, dass er sich an diesen Marken schwerer tut und nicht fast schon mühelos einfach weiter steigt.

So gut hat das System seit 2013 abgeschnitten!

Nun möchten Sie sicherlich wissen, was Sie darin erwartet. Verständlich, und weil diese Ausgabe schon älter ist – also auch die Charts – ist es für Sie sicherlich aufschlussreich zu erfahren, wie sich das System inzwischen geschlagen hat. Schließlich ist seit Ende 2013 viel passiert: Es gab die große Korrektur 2015/16, zwei Einbrüche im Jahr 2018 und den Corona-Crash.

Es gibt also genug Kriterien, an denen man prüfen kann, ob das damals entwickelte einfache System sich auch im weiteren Verlauf bewährt hat. Hier also das Ergebnis:

Ich beschränke mich an dieser Stelle auf die sogenannten Baisse-Einstiege, also Signale, die nach längeren Kursrückgängen auftreten. (Die Details dazu sowie weitere Einstiegsvarianten finden Sie in der erwähnten Sonderausgabe.) Der folgende Chart zeigt den Verlauf des DAX mit den entsprechenden Signalen als Fortsetzung des ursprünglichen Charts in der Sonderausgabe:

Langfrist-Einstiegssystem DAX

(Quelle: MarketMaker, eigene Berechnungen)

Ein beeindruckendes Ergebnis und eine verlässliche Hilfe für Langfristanleger

Das Ergebnis dieses wirklich ganz einfachen „Systems“ ist beeindruckend: In den drei großen Korrekturen seit 2013 gab es jeweils unmittelbar nach den Tiefs 2016, 2018 und 2020 ein Einstiegssignal. In der ausgedehnten Korrektur 2015/16 gab es zudem ein weiteres Signal, das zu dem beliebten schrittweisen Einstieg genutzt werden konnte. Und das einzige echte Fehlsignal kurz vor dem Hoch von 2018 war zumindest suspekt – weil unmittelbar zuvor eine sechsmonatige Gewinnserie auftrat, was als Warnsignal für eine mögliche Übertreibung gewertet werden konnte (zu der es dann tatsächlich kam).

Sie sehen also: Selbst ein so einfaches System (zu dem Sie alle Details in der erwähnten Sonderausgabe finden) gibt schon sehr gute Hinweise auf geeignete Einstiegszeitpunkte. Dass es nicht perfekt ist, tut dem Erfolg keinen Abbruch – kein System an der Börse kann und wird je unfehlbar sein. Aber eine solche Unterstützung ist allemal besser, als im Blindflug zu agieren und – auf Verlusten sitzend – den Kursen hinterher zu schauen.

Ob mit oder ohne „System“ – auf jeden Fall wünsche ich Ihnen für Ihre Langfristanlage viel Erfolg!

Mit besten Grüßen

Ihr Torsten Ewert

 (Quelle: www.stockstreet.de)

@ ad-hoc-news.de | 20.07.20 19:30 Uhr