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Aktienmärkte, Anleger

Die schlimmen Korrekturen und wie Sie sie vermeiden

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

in der Vorwoche analysierte ich, welche Effekte eine mehrwöchige extrem bullishe Stimmung unter den Anlegern aus statistischer Sicht hat. Die gute Nachricht vorweg: Der schlimmste Fall ist nicht eingetreten – in der vergangenen Woche sank der Bullenanteil in der AAII-Umfrage wieder unter 50 %, so dass rein statistisch in 6 bis 12 Monaten höhere Kurse zu erwarten sind.

Sind Korrekturen etwas Schlimmes?

Auf meinen Beitrag erhielt ich Zuschriften, in denen sich die Leser verwundert über die gute Stimmung der (US-)Anleger zeigten. Sie sind überzeugt, dass demnächst eine Korrektur oder Schlimmeres beginnen könnte. Und fast alle diese Zuschriften enthielten das Wörtchen „Furcht“ in der einen oder anderen Form. Die Absender der E-Mails fürchten also eine Korrektur oder Ähnliches.

Die Häufung dieses Wortes war so auffällig, dass ich die üblichen Marktkommentare gleich mit anderen Augen gelesen haben. Und tatsächlich werden auch dort ausgesprochen negative Wörter verwendet, wenn von einer Korrektur die Rede ist. So sorgen sich die Anleger vor einer Korrektur oder haben sogar Angst davor, und es besteht die Gefahr einer Korrektur oder eine Korrektur droht.

Sind also Korrekturen etwas Schlimmes, vor dem wir als Anleger zittern müssen?

Wie ein Sommerregen

Nun, Korrekturen und Kursrückgänge sind sicherlich unangenehm, aber sie gehören zum Börsengeschehen einfach dazu – genauso wie es auch im schönsten Sommer Regen und Gewitter gibt. Und zumindest Langfristanleger können bei Korrekturen ganz gelassen bleiben; schließlich wird die Langfristrendite an den Aktienmärkten von 5 bis 7 Prozent pro Jahr (je nach Berechnung) inklusive dieser Korrekturen, Crashs und Kursrückgänge erzielt!

Ursprünglich war die Börse der Tummelplatz für „Abenteurer“, die vor allem eine hohe Rendite für ihr investiertes Kapital suchten und bereit waren, dafür größere Risiken in Kauf zu nehmen. Eine hohe Rendite wollen wir auch, aber Korrekturen fürchten wir trotzdem. Kein Wunder, schließlich treibt die Niedrigzinspolitik der Zentralbanken immer mehr neue Anleger an die Börse, die das Risiko nur widerwillig in Kauf nehmen.

Was gegen die „Korrektur-Angst“ hilft

Aber egal, ob Börsennovize, erfahrener Anleger, Profi-Investor oder abgebrühter Trader – Angst und Furcht erfassen an der Börse uns alle, zumindest gelegentlich. Wir müssen „nur“ einen Weg finden, um mit dieser Angst umzugehen und sie nach Möglichkeit schnell zu überwinden.

Die Statistik ist hier kaum hilfreich, aber ich ziehe sie trotzdem heran, um unsere Ängste besser einordnen zu können. Der folgende Chart zeigt den Dow Jones seit 1900 und darunter zwei verschiedene Berechnungen von zwischenzeitlichen Kursrückgängen (Drawdowns).

Dow Jones: Korrekturen und Bärenmärkte

Quellen: MarketMaker, eigene Berechnungen

Im untersten Chartteil sehen Sie den maximalen Drawdown, der misst, wie weit der Kurs gefallen ist, bevor er das alte Hoch wieder erreicht. In den vergangenen 121 Jahren gab es also „nur“ 12 größere Kursrückgänge, für die ich den maximalen Drawdown jeweils angegeben habe. Statistisch müssen wir also nur all 10 Jahre mit einem größeren Einbruch rechnen. Und da der jüngste erst im vergangenen Jahr war…

Korrekturen gibt es auch in Erholungsphasen

Nun ist der maximale Drawdown wenig hilfreich, weil es unter Umständen sehr lange dauern kann, bis der Kurs wieder auf sein altes Hoch zurückkehrt. Nach dem Crash ab 1929 dauerte es vom Tief 1932 mehr als 22 Jahre, bis der Dow Jones wieder neue Hochs erreicht. In dieser Erholungsphase gab weitere Korrekturen, wie der Chart und der mittlere Chartteil zeigen.

Von 1937 bis 1942 gab es eine ausgeprägte große Konsolidierung mit mehreren Korrekturen, von denen ich die vier größten im mittleren Chartteil markiert habe. Hier brachen die Kurse nochmal um fast 50 % ein!

(Hinweis: Im mittleren Chartteil habe ich den Drawdown so berechnet, dass ein Kurseinbruch als beendet angesehen wurde, wenn mindestens 38,2 % seiner Verluste wieder aufgeholt wurde. Von den dann erreichten Hochs wurden nun erneut die „Zwischen-Drawdowns“ berechnet. Der Nachteil dieser Variante: Die maximalen Dawdowns werden nicht gemessen, wenn es vorher eine „zu große“ Kurserholung gab.)

Nicht jeder Kursrückgang ist eine Korrektur!

Wie auch immer man rechnet – es bleibt dabei, dass es immer wieder zu empfindlichen Rückschlägen kommt. Bei einem 50%-igen Einbruch ist nun einmal die Hälfte des Kapitals weg. Bei 90% sogar fast alles.

Doch wie schon erwähnt, sind solche Rückschläge sehr selten. Die meisten Kursrückgänge nehmen wir gar nicht wirklich war, weil die Schwankungen zu gering sind, um uns zu erregen. Und statistisch ist es relativ egal, was wir berechnen: den maximalen Drawdown oder irgendeinen anderen. Mehr als 80 % aller Drawdown bleiben oberhalb von -5 %.

Nur 12-13 % nehmen größere Ausmaße an, und davon bleiben wiederum 60 % in einem moderaten Rahmen von bis zu -10 %. Das sind gewöhnliche Konsolidierungen oder Korrekturen, die mit den oben erwähnten Sommerregen und -gewittern vergleichbar sind. Weitere 25 % bleiben oberhalb von 20 %. Und vermutlich ist das der Grund, warum als Faustregel gilt, dass ein „echter“ Bärenmarkt erst vorliegt, wenn die Kursverluste mehr als 20 % betragen (siehe blau gestrichelte Linie im mittleren Chartteil).

Wie immer ist die Ungewissheit schuld

Wirklich hilfreich sind diese Zahlen, wie gesagt, nicht. Ich glaube kaum, dass es irgendjemanden von Ihnen beruhigt zu wissen, dass nur gut 15 % aller „größeren“ Korrekturen wirklich gefährlich werden können. Aber sie können uns zu einer nützlichen Schlussfolgerung verhelfen: Wirklich fürchten müssen wir nur die ganz großen Rückschläge, die „schwarzen Schwäne“ – z.B. einen Crash aus heiterem Himmel wie 1929 oder 1987.

Das Problem ist nur, dass wir bei den ersten Kursverlusten nicht wissen können, wie weit die Kurse noch fallen werden. Und vermutlich ist – wie fast immer an der Börse – diese Ungewissheit der Grund, warum Kursrückgänge von den meisten Börsianern so gefürchtet werden: Sie könnten sich ja ausweiten!

Wie schon mehrfach betont: Eine Börse ohne Korrekturen gibt es nicht. Wir können unsere „Schmerzgrenze“ für Verluste festlegen, aber in vielen Fällen dürfte diese zu gering bemessen sein. Wer mit Rückschlägen von 5 bis 10 Prozent nicht umgehen kann, sollte vielleicht sein Geld doch lieber anders verwalten (lassen). Es kann für manche befreiend sein, die Aktiengeschäfte zu delegieren, um nicht beim kleinsten Rückschlag in Versuchung zu kommen zu verkaufen oder schlaflose Nächte zu haben.

So könnte Ihr „System“ aussehen!

Alle anderen, die langfristig orientiert sind, können folgenden Vorschlag als Ausgangspunkt eigener Überlegungen nutzen. Ein kurzer Test hat ergeben, dass Rückschläge von 20 % tatsächlich oft der Beginn einer noch größeren Korrektur sind. Im Dow Jones war das zumindest in 12 von 22 Fällen seit 1900 der Fall. Dieses 20%-Kriterien könnte sich also als Ausstiegssignal eignen.

Nun brauchen wir nur noch einen Wiedereinstieg. Das ist aber relativ einfach, denn es gibt einige sinnvolle Indikatoren, die zum Einstieg „klingeln“. Eine Variante, ist z.B. das Langfrist-Einstiegssystem, über das ich zuletzt im vergangenen Juli geschrieben habe. Und diese einfache Kombination hätte zumindest seit 1999 gut funktioniert:

Dow Jones: Aus- und Wiedereinstieg in Bärenmärkten 

Quellen: MarketMaker, eigene Berechnungen

Die roten Dreiecke sind die Ausstiegs-, die grünen die Wiedereinstiegssignale. Nur im Corona-Crash 2020, als die Kurse kurz nach dem Ausstieg rasant wieder nach oben drehten, hätte dieses „System“ nicht funktioniert.

Keine „Kopiervorlage“!

Dieses kleine Beispiel ist nichts, was Sie blindlings kopieren sollten! Es soll Sie nur zu zwei Dingen anregen: Erstens sollten Sie als Langfristanleger darüber nachdenken, ob Sie Verluste von rund 20 % ertragen können (oder wie Sie sie verringern können – z.B., indem Sie den Aktienanteil reduzieren). Und zweitens sollten Sie auf dieser Basis zu möglichst einfachen Regeln kommen, wie Sie im Fall des Falles reagieren.

Dabei dürfen Sie nicht nur den Ausstieg im Auge haben (z.B. mit den beliebten, aber überschätzten Stop-Loss-Marken), sondern vor allem auch den Wiedereinstieg. Und Sie sollten auch am Rest Ihrer Strategie feilen.

So erscheint es wenig sinnvoll, bei dem hier beispielhaft vorgestellten „System“ alles zu verkaufen. Besser wäre in diesem Fall eine Absicherung, z.B. mit Short-Optionen/Optionsscheinen oder -Zertifikaten. Das reduziert die Transaktionskosten dramatisch und lässt trotzdem Raum, um nur Teile der Gesamtposition abzusichern.

Zum Abschluss noch ein paar Anregungen

Apropos Gesamtposition: Am einfachsten funktionieren solche einfachen Regeln natürlich bei Indizes bzw. Indexprodukten, wie ETFs. Bei einem Einzelaktien-Depot kann eine Kombination aus Positionsverkäufen und Absicherungen geeigneter sein.

Sie sehen also: Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wichtig ist nur, dass Sie dieses Problem tatsächlich ernsthaft angehen. Dann können Sie eines Tages vielleicht auch milde schmunzeln, wenn Sie lesen, dass die Anleger eine Korrektur fürchten

Viel Erfolg und beste Grüße!

Ihr Torsten Ewert

 (Quelle: www.stockstreet.de)

@ ad-hoc-news.de | 04.05.21 08:58 Uhr