Russland, Ukraine

24 Stunden, die Russland in Atem hielten

25.06.2023 - 14:26:32 | dpa.de

Vom Aufstand bis zur Umkehr - über einen Tag lang hat Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin die Welt in Aufregung und Sorge versetzt.

Menschen gehen um ein gepanzertes Fahrzeug des Militärunternehmens Wagner Group mit der Aufschrift «Brother» herum, bevor sie ein Gelände am Hauptsitz des Südlichen Militärbezirks auf einer Straße in Rostow am Don verlassen. - Foto: ---/AP/dpa
Menschen gehen um ein gepanzertes Fahrzeug des Militärunternehmens Wagner Group mit der Aufschrift «Brother» herum, bevor sie ein Gelände am Hauptsitz des Südlichen Militärbezirks auf einer Straße in Rostow am Don verlassen. - Foto: ---/AP/dpa

Mehr als 24 Stunden hat der Chef der russischen Privatarmee Wagner, Jewgeni Prigoschin, Russland mit seinem Aufstand gegen die Führung in Moskau in Atem gehalten. Hier der Ablauf der wichtigsten Ereignisse:

Freitag, 23. JUNI:

21.09 Uhr (Ortszeit): Wagner-Chef Jewgeni Prigoschin versendet auf seinem Kanal im Messengerdienst Telegram eine erste Sprachnachricht mit schweren Anschuldigungen. Wagner-Lager im Hinterland seien mit Raketen, Artillerie und Hubschraubern angegriffen worden. Dabei seien viele Kämpfer getötet worden.

21.25 Uhr: Prigoschin erklärt, der Rat der Wagner-Kommandeure habe beschlossen, dass die, die Verantwortung für die Militärführung tragen, gestoppt werden müssten.

21.48 Uhr: Das russische Verteidigungsministerium bestreitet auf seinem Telegram-Kanal einen Angriff auf Wagner-Truppen. Das sei unwahr und eine Provokation.

21.49 Uhr: Prigoschin erklärt, er habe 25.000 Mann unter Befehl, die nun aufzuklären hätten, warum solch eine Willkür im Land herrsche. «Wer versucht, uns Widerstand zu leisten, den werden wir als Bedrohung betrachten und sofort töten.»

Ca. 23.00 Uhr: Der Geheimdienst FSB leitet Ermittlungen gegen Prigoschin wegen versuchten bewaffneten Aufstands ein. Präsident Wladimir Putin ist nach Angaben des Kremls informiert.

22.39 Uhr: Prigoschin erklärt, es handele sich um keinen Militärputsch, sondern einen «Marsch der Gerechtigkeit».

Samstag, 24. JUNI:

00.09 Uhr: Die Generalstaatsanwaltschaft teilt mit, dass Prigoschin 12 bis 20 Jahre Freiheitsstrafe drohen.

Ca. 00.15 Uhr: Das Staatsfernsehen strahlt eine Extraausgabe der Nachrichten aus. Darin wird bekanntgegeben, dass Prigoschin in Ungnade gefallen sei und festgenommen werde.

Ca. 00.30 Uhr: Im Stadtzentrum Moskaus tauchen gepanzerte Fahrzeuge auf. Wichtige Einrichtungen werden unter verstärkte Bewachung genommen. Auch aus Rostow am Don kommen ähnliche Berichte.

Ca. 01.30 Uhr: Der FSB ruft die Wagner-Kämpfer dazu auf, ihren Chef festzusetzen.

02.00 Uhr: Der wichtige Armeegeneral Sergej Surowikin stellt sich auf die Seite des Machtapparats in Moskau. Er ruft Prigoschin auf, den Kampf zu beenden.

02.03 Uhr: Prigoschin gibt bekannt, dass seine Kämpfer die Grenze Richtung Rostow am Don überschritten hätten. Der Grenzschutz habe seine Männer umarmt.

03.46 Uhr: Der Gouverneur der Region Rostow ruft die Bevölkerung auf, Ruhe zu bewahren und zuhause zu bleiben.

Ca. 05.00 Uhr: In sozialen Medien tauchen Videos auf, wie Wagner-Kämpfer ein Hauptquartier Armee in Rostow am Don umstellen und schweres militärisches Gerät darauf richten.

06.04 Uhr: Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin setzt «Anti-Terror-Maßnahmen» in Kraft, um Terroranschläge zu verhindern. Die Verwaltung rät von Autofahrten in den Süden ab.

07.30 Uhr: Prigoschin erklärt, mit seiner Truppe wichtige militärische Einrichtungen in Rostow besetzt zu haben, auch das regionale Hauptquartier der Armee - wichtig für den Krieg in der Ukraine - und den Flugplatz.

09.04 Uhr: Das Verteidigungsministerium ruft die Wagner-Kämpfer zum Aufgeben auf. Sie seien von Prigoschin in ein «kriminelles Abenteuer» gezogen worden.

10.00 Uhr: Putin kündigt in einer fünfminütigen TV-Ansprache die Bestrafung von «Verrätern» an - ohne Prigoschin beim Namen zu nennen. Er fordert die Wagner-Kämpfer auf, kriminelle Handlungen zu beenden, bestätigt aber auch die Blockade wichtiger Objekte in Rostow.

11.00 Uhr: Prigoschin widerspricht Putin. Seine Männer seien «Patrioten». Die Wagner-Söldner würden ihren Kampf fortsetzen und sich keinesfalls ergeben.

11.42 Uhr: Behörden melden Kämpfe im Gebiet Woronesch im Südwesten, auf dem Weg von Rostow in die Hauptstadt Moskau.

Ca. 14.00 Uhr: Der Chef der russischen Teilrepublik Tschetschenien, Ramsan Kadyrow, kündigt die Entsendung seiner eigenen Truppe zur Unterstützung des Kremls an.

Ca. 15 Uhr: Der Kreml weist Spekulationen zurück, wonach Russlands Präsident Wladimir Putin Moskau verlassen haben soll.

18.15 Uhr: Moskaus Bürgermeister Sobjanin erklärt den Montag aus Sicherheitsgründen zum arbeitsfreien Tag.

18.30 Uhr: Videos zeigen, dass wegen des Vorrückens der Wagner-Männer in Richtung Moskau am Autobahnring ein Kontrollpunkt eingerichtet wurde.

Ca. 18.45 Uhr: Nach russischen Behördenangaben sind Wagner-Söldner in der Region Lipezk - also auf halbem Weg nach Moskau. Der Gouverneur ruft die Einwohner dazu auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Ca. 20.15 Uhr: Der Pressedienst des belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko teilt überraschend mit, dass Prigoschin zur Aufgabe bewogen worden sei.

20.25 Uhr: Prigoschin bestätigt in einer Sprachnachricht, dass er den Vormarsch nach Moskau stoppt. Seine Männer seien bis 200 Kilometer vor die Hauptstadt gekommen. «Unsere Kolonnen drehen um und gehen in die entgegengesetzte Richtung in die Feldlager zurück.»

Ca. 23.00 Uhr: Der Kreml teilt mit, dass das Strafverfahren gegen den Prigoschin eingestellt wird. Der Wagner-Chef selbst werde nach Belarus gehen.

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