Ukraine-Verhandlungen: USA laden Russland und Kiew nach Abu Dhabi ein
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 06:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWSFolgen für Ukraine und Verbündete
- Steve Witkoff kündigte Gespräche von USA, Ukraine und Russland für Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche an.
- Die Verhandlungen sollen in Abu Dhabi, der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate, stattfinden.
- Bei einem russischen Luftangriff auf Komyschuwacha wurden mindestens 26 Menschen getötet.
USA bringen Dreiertreffen in Abu Dhabi auf den Weg
Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine sollen sich kommende Woche zu zweitägigen Gesprächen in Abu Dhabi treffen. US-Sondergesandter Steve Witkoff nannte Sicherheitsvereinbarungen, Deeskalation, humanitäre Hilfe und weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden als Themen.
Brüssel bereitet Gespräche mit Europa vor
Die Verhandlungen auf Arbeitsebene sollen am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. In dem Format hatten die drei Länder zuletzt im Februar in Genf sowie zuvor zweimal in Abu Dhabi gesprochen.
Vor dem Treffen wollen US-Gesandte in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU beraten. Dabei soll es um Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und den Wiederaufbau gehen.
Selenskyj warnt vor Angriff während US-Wahl
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor einem massiven russischen Angriff während der US-Kongresswahlen. Geheimdiensterkenntnissen zufolge könnte dabei unter anderem die Energieinfrastruktur der Ukraine angegriffen werden.
In den USA finden an diesem Dienstag die sogenannten Midterms statt. Erste Ergebnisse werden in der Nacht auf Mittwoch mitteleuropäischer Zeit erwartet.
Mindestens 26 Tote in Komyschuwacha
Bei einem russischen Luftangriff auf das ukrainische Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja wurden am Montag mindestens 26 Menschen getötet. Der Angriff ereignete sich nach Angaben Selenskyjs bei der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule.
Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, 27 weitere galten zunächst als vermisst. Komyschuwacha liegt etwa 25 Kilometer östlich von Saporischschja und gut ein Dutzend Kilometer von der Front entfernt.
Ukraine reklamiert Cyber-Gegenangriff
Selenskyj bezeichnete das Hacken des russischen Warnsystems als ukrainische Reaktion auf einen vorausgegangenen Angriff. Zuvor war die ukrainische Warn-App „Air Alert“ manipuliert worden und hatte gefälschte Hinweise auf angebliche Atomangriffe versendet.
Wenige Stunden später verschickte auch die App des russischen Zivilschutzes falsche Warnmeldungen. Die Warnsysteme informieren die Bevölkerung über drohende Luftangriffe.
Militärübung in Polen beginnt
In Polen nehmen rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern an der ersten Militärübung der Koalition der Willigen zur Unterstützung der Ukraine teil. Das Manöver soll prüfen, wie nach dem Kriegsende ein dauerhafter Frieden gesichert werden könnte.
Großbritannien und Frankreich leiten die bis zum 22. November geplante Übung. Großbritannien entsendet rund 300 Militärangehörige und mehrere Kampfjets, die Bundeswehr beteiligt sich nach früheren Angaben mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik.
Putin hatte Bereitschaft zu neuen Kontakten signalisiert
Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch mit Witkoff zu einer Wiederaufnahme dreiseitiger Kontakte bereit gezeigt. Hinweise aus dem Kreml hatten zuletzt auf ein Treffen der Delegationen Mitte November in Abu Dhabi hingedeutet.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriff.
Das geplante Treffen in Abu Dhabi knüpft an ein wiederkehrendes Verhandlungsformat an, in dem die USA zwischen Russland und der Ukraine vermitteln wollen. Nach Angaben der dpa sollen diesmal Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Fragen und weitere Schritte zu einem Friedensprozess auf Arbeitsebene beraten werden.
Die Gespräche finden in einer Phase statt, in der militärische Gewalt und politische Annäherungsversuche parallel verlaufen. Der tödliche Angriff auf Komyschuwacha unterstreicht, dass Verhandlungen nicht mit einer Beruhigung der Front einhergehen. Für die Ukraine bleibt zudem entscheidend, welche Sicherheitsgarantien westliche Staaten nach einem möglichen Kriegsende tatsächlich anbieten könnten.
Europas Rolle bei Sicherheitsfragen
Das geplante Treffen der US-Gesandten mit europäischen Staaten, der Nato und der EU in Brüssel verweist auf die zentrale Rolle Europas. Neben Sicherheitsgarantien geht es um die künftige europäische Sicherheitsordnung und den Wiederaufbau. Damit stehen nicht nur bilaterale Fragen zwischen Washington, Moskau und Kiew auf der Tagesordnung.
Die Militärübung der Koalition der Willigen in Polen ergänzt diese Debatte um eine praktische Ebene. Rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern sollen Abläufe für die Zeit nach dem Krieg erproben. Für die Bevölkerung bleibt kurzfristig jedoch vor allem relevant, ob die Gespräche konkrete humanitäre Erleichterungen bringen und ob die Angriffe auf Städte und Infrastruktur weitergehen.
Wahlen erhöhen Aufmerksamkeit für Angriffe
Selenskyjs Warnung vor einem russischen Großangriff während der US-Kongresswahlen zeigt zudem die enge Verbindung zwischen Kriegsgeschehen und internationaler Aufmerksamkeit. Die Midterms bestimmen zwar nicht unmittelbar den Verlauf der Verhandlungen, beeinflussen aber das politische Umfeld, in dem die US-Regierung ihre Ukraine-Politik vertreten muss.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Der Beitrag berichtet, Witkoff habe ein zweitägiges Treffen in Abu Dhabi für die kommende Woche angekündigt. Im Mittelpunkt stünden die Wiederaufnahme des Dreierformats und die Themen der geplanten Gespräche.
tagesschau: „US-Vermittler Witkoff kündigt Gespräche mit Russland und Ukraine an“ (03.11.2026)
Der Beitrag bestätigt den angekündigten Termin und hebt die Vermittlerrolle des US-Sondergesandten hervor. Im Vergleich zum Deutschlandfunk liegt der Schwerpunkt stärker auf der diplomatischen Ankündigung; offen bleibt, welche konkreten Ergebnisse die Gespräche bringen könnten.
Beide Beiträge stimmen beim geplanten Treffen in Abu Dhabi und beim Dreierformat überein. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Vermittlung und Gesprächszielen; die militärische Lage bildet den Hintergrund, ist aber nicht Gegenstand einer bereits erzielten Vereinbarung.
