Ukraine: Starlink läuft wieder mit über 400 km/ h
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 12:10 Uhr | dpa, AD HOC NEWSSelenskyjs Forderungen nach der Verbindung
- Selenskyj dankte den USA, Kongressabgeordneten, Senatoren, Medien und dem Außenministerium für die Wiederherstellung.
- Die Ukraine wartet nach seinen Angaben weiterhin auf zugesagte Lieferpakete aus den USA und Europa.
- Benötigt werden vor allem Flugabwehrraketen für Patriot-Systeme gegen russische ballistische Angriffe.
Starlink-Verbindung in der Ukraine wieder stabil
Die Ukraine kann nach tagelangen Beschwerden wieder auf die US-Satellitendienste Starlink und Starshield zugreifen. Präsident Wolodymyr Selenskyj erklärte, die Verbindung funktioniere wieder mit der Geschwindigkeit vor den Einschränkungen und sei für Frontlogistik sowie den Schutz vor Raketenangriffen entscheidend.
Verteidigungsministerium meldet stabile Verbindung
Verteidigungsminister Jewhenij Chmara sagte, die Verbindung sei stabil und die gemessene Geschwindigkeit liege bei über 400 Kilometern pro Stunde. Zugleich wies Kiew den Vorwurf des SpaceX-Gründers Elon Musk zurück, die Ukraine habe Starlink für Offensivoperationen genutzt.
Selenskyjs Berater für Verteidigungstechnologien, Serhij Beskrestnow, erklärte, die Ukraine habe Starlink physisch nicht für Angriffe einsetzen können. Es sei daher seltsam, dass Musk nicht über die Einschränkungen des Dienstes in der Ukraine Bescheid wisse.
Musk beruft sich auf Nutzungsbedingungen
Musk hatte erklärt, Kiew habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und Starlink bei Angriffen eingesetzt, bei denen Menschen getötet werden sollten. Konkrete Belege, Fälle oder Zeiträume nannte er nicht. Nach seiner Darstellung wurde die entsprechende Lücke in der vergangenen Woche geschlossen.
Starlink gehört zum Raumfahrtkonzern SpaceX und wird laut Musk kommerziell für zivile sowie defensive Zwecke genutzt, nicht aber für militärische Offensiven. Starshield ist der militärische Ableger und wird nach Musks Angaben von der US-Regierung kontrolliert.
Verantwortung für Drosselung bleibt offen
Die Ukraine hatte in den vergangenen Tagen beklagt, das US-Satelliteninternet sei gedrosselt worden. Wer genau für die Einschränkung verantwortlich war, blieb zunächst unklar.
Musk betonte zugleich, Starlink sei weiterhin entscheidend für die Verteidigung der Ukraine. Ein Abschalten würde nach seiner Darstellung zum sofortigen Zusammenbruch der ukrainischen Frontlinie führen; dies sei keine Drohung, sondern eine Feststellung.
Selenskyj fordert Patriot-Raketen
Nach der Wiederherstellung der Verbindung dankte Selenskyj den USA, forderte aber erneut die Lieferung zugesagter Flugabwehrraketen. Auf diese Pakete aus den USA und von europäischen Partnern warte die Ukraine weiterhin, obwohl politische Entscheidungen darüber bereits getroffen worden seien.
Benötigt werden nach ukrainischen Angaben vor allem Raketen für Patriot-Systeme, um das Land gegen russische Angriffe mit ballistischen Raketen zu schützen. Russland bringt nach Angaben Selenskyjs nahezu täglich Tod und Zerstörung über die Ukraine; auch russische Behörden berichteten nach ukrainischen Gegenangriffen von Toten, Verletzten und Schäden.
Starlink ist für die ukrainischen Streitkräfte weit mehr als ein gewöhnlicher Internetzugang. Die Satellitenverbindung unterstützt Kommunikation, Drohneneinsatz, Lagebilder und die Koordination der Frontlogistik. Dadurch kann eine technische Einschränkung unmittelbare Auswirkungen auf militärische Abläufe und den Schutz vor russischen Raketenangriffen haben.
Der Vorgang zeigt zugleich die besondere Abhängigkeit der Ukraine von privatwirtschaftlicher Infrastruktur aus den USA. SpaceX stellt mit Starlink einen kommerziellen Dienst bereit, während Starshield als militärische Variante unter Kontrolle der US-Regierung steht. Entscheidungen über Zugang und Leistungsumfang liegen damit nicht allein bei Kiew. Die politischen und militärischen Folgen reichen über einen gewöhnlichen Vertragsstreit hinaus.
Abhängigkeit von Satellitenkommunikation
Die widersprüchlichen Aussagen über eine Drosselung und deren Verantwortung verschärfen die Unsicherheit. Musk begründet die Einschränkungen mit einem behaupteten Verstoß gegen Nutzungsbedingungen und dem Vorwurf, Starlink sei für offensive Angriffe eingesetzt worden. Kiew weist das zurück und erklärt, Starlink habe physisch nicht für solche Angriffe genutzt werden können.
Für die Ukraine bleibt die Wiederherstellung deshalb zunächst eine operative Entlastung, löst aber das strukturelle Problem nicht. Selenskyjs erneute Forderung nach Patriot-Flugabwehrraketen macht deutlich, dass Satellitenkommunikation nur ein Teil der Verteidigungsfähigkeit ist. Für die Bevölkerung bedeutet die stabile Verbindung vor allem bessere militärische Koordination; sie ersetzt jedoch weder Luftabwehr noch politische Zusagen über Waffenlieferungen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
tagesschau: „Krieg gegen die Ukraine: Starlink funktioniert wieder stabil“ (24.10.2026)
Der Beitrag bestätigt die stabile Verbindung und ordnet ihre Bedeutung für Front, Drohnen, Logistik und Kommunikation ein. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die unklare Rolle Musks bei der vorherigen Drosselung sowie auf ukrainische Angriffe auf russische Industrieanlagen.
BR24: „Selenskyj dankt USA für Starlink und fordert Abwehrraketen“ (24.10.2026)
Der BR24-Beitrag hebt neben der wiederhergestellten Geschwindigkeit vor allem Selenskyjs Forderung nach zugesagten Flugabwehrraketen hervor. Einigkeit besteht bei der Rückkehr der Starlink-Verbindung; unterschiedlich gewichtet werden die technische Bedeutung und die offenen Lieferzusagen.
Beide Beiträge stellen die stabile Wiederherstellung als zentrale Entwicklung dar. Offen bleiben die genaue Verantwortung für die Einschränkungen und die Umsetzung der ausstehenden Raketenlieferungen.
