Ukraine: Selenskyj kritisiert Trumps Sanktionsstopp
Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 12:22 Uhr | dpa, AD HOC NEWSAngriffe treffen ukrainische Energieversorgung
- Selenskyj erklärte, Russland habe mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung angegriffen.
- Nach ukrainischen Angaben setzte Moskau 320 Raketen, Marschflugkörper und Drohnen gegen Energieanlagen sowie Städte und Gemeinden ein.
- In Kiew, Charkiw und weiteren Regionen führten die Angriffe zu Ausfällen bei Strom und Heizung; es gab Tote und Verletzte.
Selenskyj fordert Druck auf Russland
Der ukrainische Staatschef Wolodymyr Selenskyj hat die Aussetzung neuer US-Sanktionen gegen Russland durch Präsident Donald Trump kritisiert. Er warnte, eine Lockerung des Drucks und finanzielle Belohnungen könnten Kremlchef Wladimir Putin zu weiteren Angriffen ermuntern.
Selenskyj erklärte, Trump habe die Entscheidung einen Tag nach einem der massivsten russischen Angriffe auf die ukrainische Energieinfrastruktur getroffen. Russland versuche, kurz vor dem Winter einen Blackout herbeizuführen und Millionen Menschen Strom und Heizung zu nehmen.
Sanktionen kurz vor Inkrafttreten ausgesetzt
Knapp einen Monat nach der Unterzeichnung eines Sanktionspakets legte Trump die darin vorgesehenen Zölle kurz vor ihrem Inkrafttreten auf Eis. Selenskyj verwies darauf, dass der US-Präsident das Sanktionsgesetz wieder in Kraft setzen könne, forderte aber Maßnahmen, die tatsächlich Wirkung entfalteten.
Die Entscheidung folgte auf ein von Trump mit Putin vereinbartes Geschäft über Diesellieferungen aus Russland. Der ukrainische Präsident hatte diese Vereinbarung bereits zuvor kritisiert.
Mehr als 15 Energieanlagen getroffen
Nach Darstellung Selenskyjs wurden am Freitag mehr als 15 wichtige Anlagen zur Stromerzeugung und -übertragung in verschiedenen ukrainischen Regionen angegriffen. Einsatzkräfte arbeiteten an der Wiederherstellung der beschädigten Anlagen.
Von Ausfällen betroffen waren auch die Energieversorgung in Kiew, der ostukrainischen Großstadt Charkiw sowie weitere Städte und Gebiete. Selenskyj sagte, Russland habe seine Operation gegen die Energieversorgung ausgeweitet und versuche, die ukrainischen Reserven und die Fähigkeit zur Wiederherstellung möglichst stark zu beschädigen.
320 Flugkörper und Drohnen eingesetzt
Moskau setzte nach ukrainischen Angaben 320 Raketen, Marschflugkörper und Drohnen gegen Energieanlagen, Städte und Gemeinden ein. Nicht alle Flugobjekte wurden abgeschossen.
Nach Angaben der Behörden gab es Tote und Verletzte. Hunderttausende Menschen waren demnach ohne Strom und Heizung. Selenskyj beklagt regelmäßig einen Mangel an Flugabwehrraketen; die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg.
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Die Aussetzung der vorgesehenen US-Maßnahmen fällt in eine Phase, in der Washington zugleich wirtschaftliche Interessen und politischen Druck auf Moskau miteinander verbindet. Das Sanktionsgesetz sollte nach der Unterzeichnung innerhalb von 30 Tagen wirksam werden und neben direkten Maßnahmen gegen russische Akteure auch hohe Zölle auf Waren aus Staaten ermöglichen, die russisches Öl oder Gas kaufen.
Damit verliert die Ukraine vorerst ein Instrument, das den wirtschaftlichen Preis des russischen Angriffskriegs erhöhen sollte. Für Kiew ist die Entscheidung besonders schwerwiegend, weil sie zeitlich mit schweren Angriffen auf die Energieversorgung zusammenfällt und der Winter näher rückt. Beschädigte Kraftwerke, Umspannwerke und Leitungen erhöhen den Bedarf an Reparaturen, Ersatzteilen und internationaler Luftverteidigung.
Zwischen Energiekrieg und US-Politik
Die Folgen reichen über die unmittelbare Versorgungslage hinaus. Die ukrainische Führung muss mit begrenzten Reserven planen, während europäische Staaten ihre Unterstützung und den Schutz kritischer Infrastruktur koordinieren. Zugleich zeigt die Entscheidung, dass der Umfang des amerikanischen Drucks auf Russland von politischen Prioritäten in Washington abhängt.
Für die weitere Entwicklung ist entscheidend, ob die ausgesetzten Maßnahmen später in Kraft gesetzt, verändert oder dauerhaft zurückgenommen werden. Ebenso offen bleibt, wie Russland auf den verminderten Sanktionsdruck und die internationale Reaktion auf die Angriffe reagiert.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Euronews: „Trump stoppt Sanktionspaket gegen Russland“ (17.10.2026)
Der Beitrag ordnet die Aussetzung in Trumps wachsende Kritik an Selenskyj und in das angekündigte Dieselgeschäft mit Russland ein. Anders als die dpa-Meldung richtet sich der Schwerpunkt stärker auf die US-innenpolitischen und wirtschaftlichen Motive; die Folgen für die ukrainische Energieversorgung bleiben im Hintergrund.
Bayerischer Rundfunk: „Trump setzt Sanktionen gegen Russland aus“ (17.10.2026)
Der Bericht beschreibt die gesetzlich vorgesehene Frist, mögliche Zölle von bis zu 100 Prozent und den politischen Spielraum des Präsidenten. Er bestätigt damit den Kern der Aussetzung, legt den Schwerpunkt aber auf Gesetzesmechanismus und innenpolitischen Druck, während die Wirkung auf den ukrainischen Energiesektor offenbleibt.
Gemeinsam ist den Beiträgen die Darstellung, dass Trump die vorgesehenen Maßnahmen kurz vor ihrem Inkrafttreten aussetze. Unterschiede bestehen vor allem bei der Gewichtung von US-Innenpolitik, Wirtschaftsinteressen und den unmittelbaren Folgen für die Ukraine.
