Ukraine-Krieg, Abu Dhabi

Ukraine, Russland und USA verhandeln kommende Woche in Abu Dhabi

Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 04:57 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine sollen kommende Woche in Abu Dhabi über Sicherheitsfragen, Deeskalation und humanitäre Hilfe sprechen. Gleichzeitig verschärft die militärische Lage den Druck auf die Diplomatie.

Angriff und Übung prägen die nächsten Schritte

  • Steve Witkoff kündigte Gespräche am Dienstag und Mittwoch der kommenden Woche in Abu Dhabi an.
  • Der Angriff auf Komyschuwacha ereignete sich bei der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule.
  • Die Übung in Polen soll bis zum 22. November dauern und wird von Großbritannien und Frankreich geleitet.
  • Witkoff: Gespräche im Ukraine-Krieg finden nächste Woche statt. (Archivbild) - Bild: Kristina Solovyova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa
  • Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit einem unmittelbar bevorstehenden erneuten Großangriff Russlands. Bei solchen Angriffen setzt Russland oft auch strategische Bomber ein. (Archivbild) - Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/dpa
  • Die Ukraine reklamiert die Cyberattacke auf die Warn-App des russischen Zivilschutzes für sich. (Symbolbild) - Bild: Nicolas Armer/dpa
Witkoff: Gespräche im Ukraine-Krieg finden nächste Woche statt. (Archivbild) - Bild: Kristina Solovyova/Pool Sputnik Kremlin/AP/dpa Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit einem unmittelbar bevorstehenden erneuten Großangriff Russlands. Bei solchen Angriffen setzt Russland oft auch strategische Bomber ein. (Archivbild)  - Bild: Uncredited/Russian Defense Ministry Press Service/dpa Die Ukraine reklamiert die Cyberattacke auf die Warn-App des russischen Zivilschutzes für sich. (Symbolbild)   - Bild: Nicolas Armer/dpa

Dreiergespräche in Abu Dhabi sollen kommende Woche beginnen

Vertreter der USA, Russlands und der Ukraine sollen sich kommende Woche zu zweitägigen Verhandlungen in Abu Dhabi treffen. US-Sondergesandter Steve Witkoff nannte Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und weitere Schritte auf dem Weg zum Frieden als Themen.

Brüssel bereitet europäische Fragen vor

Die Gespräche auf Arbeitsebene sollen am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden. In dem Dreierformat hatte es zuletzt im Februar in Genf Verhandlungen gegeben, zuvor waren zweimal Gespräche in Abu Dhabi angesetzt worden.

Vor dem Treffen sollen US-Gesandte in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der NATO und der EU beraten. Dabei geht es laut Witkoff um Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und den Wiederaufbau.

Selenskyj warnt vor Angriff auf Energieinfrastruktur

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte vor einem möglichen russischen Großangriff während der Kongresswahlen in den USA. Geheimdiensterkenntnissen zufolge könne dabei unter anderem die ukrainische Energieinfrastruktur getroffen werden.

In den USA finden an diesem Dienstag die sogenannten Midterms statt. Erste Ergebnisse werden in der Nacht auf Mittwoch mitteleuropäischer Zeit erwartet.

Mindestens 26 Menschen bei Angriff getötet

Bei einem russischen Luftangriff auf das Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja wurden am Montag mindestens 26 Menschen getötet. Der Angriff ereignete sich laut Selenskyj während der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule.

Mindestens fünf Menschen wurden verletzt, 27 galten nach Angaben örtlicher Behörden als vermisst. Komyschuwacha liegt rund 25 Kilometer östlich von Saporischschja und gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt.

Ukraine reklamiert Cyberangriff auf russische Warn-App

Selenskyj bezeichnete das Hacken des russischen Warnsystems als ukrainischen Gegenangriff. Zuvor war am Sonntagabend die ukrainische App „Air Alert“ angegriffen worden; Nutzer erhielten dabei gefälschte Warnungen vor angeblichen Atomangriffen.

Wenige Stunden später versandte auch die App des russischen Zivilschutzes falsche Warnmeldungen. Beide Anwendungen informieren die Bevölkerung unter anderem über drohende Luftangriffe.

2.800 Soldaten trainieren in Polen

In Polen nehmen ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern an der ersten Militärübung der „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine teil. Getestet werden soll, wie nach dem Ende des Krieges ein dauerhafter Frieden gesichert werden kann.

Großbritannien und Frankreich leiten das Manöver, das bis zum 22. November laufen soll. Großbritannien entsendet rund 300 Militärangehörige und mehrere Kampfjets; die Bundeswehr beteiligt sich mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik.

Putin hatte Bereitschaft zu Kontakten erklärt

Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch mit Witkoff bereit für eine Wiederaufnahme dreiseitiger Kontakte gezeigt. Andeutungen aus dem Kreml hatten bereits auf ein Treffen der Delegationen Mitte November in Abu Dhabi hingewiesen.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriff.

Die geplanten Gespräche in Abu Dhabi knüpfen an ein Dreierformat an, das bereits zuvor für direkte Kontakte zwischen den USA, Russland und der Ukraine genutzt wurde. Im Mittelpunkt stehen nach Angaben des US-Sondergesandten Steve Witkoff Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfe und weitere Schritte auf dem Weg zu einem Friedensschluss.

Die Themen zeigen, dass ein mögliches Abkommen mehrere Ebenen verbinden müsste: die militärische Sicherheit der Ukraine, den Schutz der Zivilbevölkerung und die politische Ordnung Europas nach dem Krieg. Dass US-Gesandte vor dem Treffen mit europäischen Staaten, der NATO und der EU beraten, verweist zugleich auf die Bedeutung europäischer Sicherheitsgarantien und der späteren Finanzierung des Wiederaufbaus.

Diplomatie unter militärischem Druck

Die erneute Gesprächsankündigung fällt in eine Phase, in der die Kämpfe und Angriffe weitergehen. Der Luftangriff auf Komyschuwacha mit mindestens 26 Toten, die Warnung vor weiteren Angriffen auf die Energieinfrastruktur und gegenseitige Cyberattacken unterstreichen, wie weit die militärische Realität von einer belastbaren Waffenruhe entfernt ist.

Für die Ukraine bleibt entscheidend, ob Verhandlungen konkrete Sicherheitszusagen hervorbringen und wie Europa daran beteiligt wird. Für die USA dürfte das Treffen zugleich ein Test sein, ob sich Sicherheitsfragen, humanitäre Maßnahmen und ein möglicher Wiederaufbau in einem gemeinsamen Prozess verbinden lassen.

Übung als Signal für die Nachkriegsordnung

Parallel trainieren in Polen rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern mögliche Beiträge zur Absicherung eines dauerhaften Friedens. Die Übung liefert damit einen praktischen Bezug zu den Verhandlungen: Sicherheitsgarantien müssten nicht nur politisch zugesagt, sondern auch organisatorisch und militärisch umgesetzt werden.

Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen

ZDF: „USA: Kommende Woche Verhandlungen mit Ukraine und Russland“ (03.11.2026)

Der Beitrag bestätigt das geplante zweitägige Treffen in Abu Dhabi und nennt Sicherheitsvereinbarungen, Deeskalation und humanitäre Hilfe als Themen. Einen zusätzlichen Schwerpunkt legt er auf die Gespräche der US-Gesandten mit Deutschland, Frankreich, Großbritannien, NATO und EU in Brüssel.

Deutschlandfunk: „Ukraine-Krieg - Witkoff: Neue Gespräche zwischen USA, Ukraine und Russland kommende Woche in Abu Dhabi“ (03.11.2026)

Der Deutschlandfunk hebt hervor, dass ein Durchbruch bei den bisherigen Bemühungen um ein Kriegsende ausgeblieben sei. Zugleich verweist der Beitrag auf die fortgesetzten russischen Angriffe und die Sorge in Kiew über eine mögliche Annäherung Washingtons an Moskau.

Beide Beiträge stimmen beim Termin, Ort und Teilnehmerkreis überein. Unterschiede ergeben sich vor allem beim Schwerpunkt: Das ZDF beleuchtet stärker die europäische Abstimmung, während der Deutschlandfunk die bisher erfolglosen Friedensbemühungen und die politischen Spannungen hervorhebt.

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