Ukraine-Krieg: USA, Russland und Ukraine verhandeln in Abu Dhabi
Veröffentlicht am: 03.11.2026 um 11:27 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMilitärische und diplomatische Schritte
- Steve Witkoff kündigte Gespräche von Dienstag bis Mittwoch in Abu Dhabi an.
- Russland will laut Kremlsprecher Dmitri Peskow mit Wladimir Medinski teilnehmen.
- In Polen trainieren ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern bis zum 22. November.
Dreiergespräche in Abu Dhabi sollen Friedensprozess voranbringen
Vertreter aus den USA, Russland und der Ukraine sollen sich kommende Woche zu zweitägigen Verhandlungen in Abu Dhabi treffen. Während die Diplomatie wieder aufgenommen werden soll, gingen die tödlichen Angriffe und gegenseitigen Cyberattacken weiter.
Gespräche über Sicherheitsfragen und Deeskalation
US-Sondergesandter Steve Witkoff teilte mit, die Gespräche sollten sich um Sicherheitsvereinbarungen für die Zeit nach dem Krieg, Deeskalation, humanitäre Hilfsmaßnahmen und die nächsten Schritte auf dem Weg zum Frieden drehen. Die Verhandlungen auf Arbeitsebene sollen am Dienstag und Mittwoch in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate stattfinden.
In diesem Format hatte es zuletzt im Februar in Genf Verhandlungen gegeben, davor zweimal in Abu Dhabi. Kremlsprecher Dmitri Peskow bestätigte laut der staatlichen russischen Nachrichtenagentur Tass die Teilnahme einer russischen Delegation. Das Team soll wie bei früheren Gesprächen von Ex-Kulturminister Wladimir Medinski geleitet werden.
Brüssel berät über Garantien und Wiederaufbau
Vor dem Treffen wollen US-Gesandte in Brüssel mit Vertretern europäischer Staaten, der Nato und der EU zusammenkommen. Dabei soll es nach Angaben Witkoffs um Sicherheitsgarantien für die Ukraine, Europas Sicherheitsordnung nach dem Krieg und den Wiederaufbau gehen.
Nato-Sprecherin Allison Hart bestätigte ein Treffen von Nato-Vertretern mit Delegierten aus Frankreich, Deutschland, Großbritannien und den USA. Die Gespräche sollen das weitere Vorgehen beraten.
29 Tote bei Angriff nahe Saporischschja
Russland beschoss die Ukraine in der Nacht zum Dienstag massiv mit Raketen, Marschflugkörpern und Drohnen. Die Ukraine griff in derselben Nacht das russische Hinterland mit großen Drohnenschwärmen an.
Nach dem russischen Luftangriff auf das ukrainische Dorf Komyschuwacha in der Region Saporischschja stieg die Zahl der Todesopfer auf 29. Der Angriff ereignete sich nach Angaben des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj während der Ausgabe humanitärer Hilfe in einer Schule; mindestens fünf Menschen wurden verletzt, 48 galten als vermisst.
Selenskyj warf Russland ein gezieltes Bombardement vor. Komyschuwacha liegt etwa 25 Kilometer östlich von Saporischschja und gut ein Dutzend Kilometer von der Frontlinie entfernt.
Selenskyj reklamiert Cyber-Gegenangriff
Das Hacken des russischen Warnsystems bezeichnete Selenskyj als ukrainische Reaktion auf einen vorausgegangenen Angriff. Zuvor war die ukrainische App „Air Alert“ gehackt worden und hatte gefälschte Warnungen vor angeblichen Atomangriffen verbreitet.
Wenige Stunden später wurde auch die App des russischen Zivilschutzes gehackt und versandte falsche Warnmeldungen. Beide Anwendungen informieren die Bevölkerung unter anderem über drohende Luftangriffe.
Militärübung mit 2.800 Soldaten in Polen
In Polen nehmen ab Montag rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern am ersten Militärmanöver der „Koalition der Willigen“ zur Unterstützung der Ukraine teil. Die Übung soll testen, wie nach dem Ende des Krieges ein dauerhafter Frieden gesichert werden könnte.
Großbritannien entsendet dafür rund 300 Militärangehörige und mehrere Kampfjets. Großbritannien und Frankreich leiten das Manöver, das bis zum 22. November dauern soll; die Bundeswehr beteiligt sich mit rund zehn Stabsoffizieren, Tankflugzeugen und Logistik.
Putin zeigte sich verhandlungsbereit
Kremlchef Wladimir Putin hatte sich im Oktober nach einem Gespräch mit Witkoff bereit für eine Wiederaufnahme dreiseitiger Kontakte gezeigt. Andeutungen aus dem Kreml hatten zuletzt bereits auf ein Treffen der Delegationen Mitte November in Abu Dhabi hingewiesen.
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als viereinhalb Jahren mit westlicher Unterstützung gegen den russischen Angriffskrieg.
Das geplante Treffen in Abu Dhabi knüpft an mehrere Gesprächsrunden an, die zuvor bereits ohne Durchbruch geblieben waren. Das Format mit Vertretern der USA, Russlands und der Ukraine soll nun erneut Themen verbinden, die für einen möglichen Friedensprozess entscheidend wären: Sicherheitsgarantien, humanitäre Maßnahmen, Deeskalation und die Vorbereitung der Zeit nach dem Krieg.
Die Gespräche stehen zugleich unter dem Druck fortgesetzter militärischer Gewalt. Angriffe auf ukrainische Städte und Regionen sowie ukrainische Drohnenattacken auf russisches Hinterland zeigen, dass die Verhandlungen nicht von einer stabilen Waffenruhe begleitet werden. Dadurch bleiben mögliche Vereinbarungen besonders abhängig von Sicherheitszusagen und ihrer praktischen Durchsetzbarkeit.
Europas Rolle bei Sicherheitsfragen
Das geplante Treffen der US-Vertreter mit europäischen Staaten, Nato und EU in Brüssel unterstreicht, dass die Folgen eines Kriegsendes nicht allein zwischen Washington, Moskau und Kiew geregelt werden dürften. Für europäische Regierungen geht es neben der Unterstützung der Ukraine um die künftige Sicherheitsordnung, den Wiederaufbau und die Frage, welchen Beitrag sie zu möglichen Garantien leisten können.
Auch die Militärübung in Polen verweist auf diese Vorbereitung. Die Beteiligung von rund 2.800 Soldaten aus elf Ländern soll nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums erproben, wie ein dauerhafter Frieden nach dem Krieg abgesichert werden könnte. Für die Bevölkerung bleibt kurzfristig jedoch entscheidend, ob aus den angekündigten Gesprächen konkrete Schritte zur Verringerung der Gewalt entstehen.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Tagesschau: „US-Vermittler Witkoff kündigt Gespräche mit Russland und Ukraine an“ (03.11.2026)
Der Beitrag bestätigt das geplante Treffen der drei Länder am Dienstag kommender Woche in Abu Dhabi. Er setzt den Schwerpunkt auf die Ankündigung des US-Sondergesandten Steve Witkoff und lässt offen, welche konkreten Ergebnisse erreicht werden könnten.
Der Artikel bestätigt die zweitägigen Gespräche am Dienstag und Mittwoch und hebt den möglichen neuen Impuls für die Friedensbemühungen hervor. Im Mittelpunkt steht damit stärker die diplomatische Funktion des Treffens als die parallel andauernden Angriffe.
Beide Beiträge stimmen beim Ort und beim angekündigten Dreierformat überein. Offen bleibt, ob die Gespräche über Sicherheitsfragen und humanitäre Maßnahmen hinaus zu einer belastbaren Vereinbarung führen könnten.
